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Simon Carstens schwer verletzt TSG Hatten-Sandkrug besiegt den TV Neerstedt 33:30

Von Lars Pingel | 08.11.2015, 19:16 Uhr

Das Landkreis-Duell der Oberliga-Handballer der TSG Hatten-Sandkrug und des TV Neerstedt wurde von der Verletzung des TSG-Spielers Simon Carstens überschattet. Er zog sich 73 Sekunden vor Schluss bei einer Abwehraktion einen Jochbeinbruch zu. Sein Team gewann die Partie mit 33:30 (13:18).

Eine unglückliche Aktion, ein Bruchteil einer Sekunde, überschattete 60 Spielminuten. Nur noch 73 Sekunden waren am Samstagabend im Spiel der Handball-Oberliga zwischen der TSG Hatten-Sandkrug und dem TV Neerstedt zu spielen, als TSG-Spieler Simon Carstens beim Versuch, einen Wurf des TVN-Angreifers Björn Wolken abzuwehren, mit diesem zusammenprallte. Carstens blieb auf dem Boden der Halle des Sportzentrums an der Schultredde in Sandkrug liegen. Die erschrockenen Gesichter aller Umstehenden ließen erahnen, was wenig später zur Gewissheit wurde: Carstens hatte sich sehr schwer verletzt. Der herausragende Akteur der Partie, der seiner Mannschaft einen 33:30 (13:18)-Erfolg möglich gemacht hatte, musste mit einem Jochbeinbruch ins Krankenhaus gebracht werden.

Verletzung vermießt Freude über Sieg

„Über diesen Sieg kann ich mich leider nicht freuen“, sagte TSG-Trainer Grzegorz Goscinski. Die Verletzung seines Rückraumspielers vertrieb jeden Stolz über die gute Moral, mit der seine Mannschaft eine Partie, die sie eigentlich schon verloren hatte, noch umbog.

Neerstedter sind lange überlegen

Vor etwa 400 Zuschauern dominierten die Neerstedter die Begegnung nach einer schwachen Anfangsphase, in denen beiden Teams die Nervosität anzumerken war, bis weit in die zweite Halbzeit hinein. TVN-Trainer Jörg Rademacher hatte seiner Mannschaft, die ohne den beruflich verhinderten Rückraumspieler Tim Schulenberg antrat, eine offensive 3-2-1-Abwehr verordnet. Die erfüllte ihren Zweck, das Aufbauspiel der TSG-Offensive möglichst früh zu stören, zunächst sehr effektiv. Immer wieder stoppten die Neerstedter die Kombinationen der Gastgeber im Ansatz und nahmen damit auch deren Kreisläufer Jürgen Erdmann, sonst einer der Haupttorschützen der TSG, aus dem Spiel. Ihre Ballgewinne nutzten die Neerstedter zu einigen erfolgreichen Kontern. Aber auch im Positionsangriff, wenn der Tempogegenstoß abgebrochen werden musste, machte der TVN in der ersten Halbzeit einiges richtig. Angetrieben von Andrej Kunz in der Rückraummitte zog er ein Kombinationsspiel auf, das ihm Treffer von allen Positionen einbrachte. Der TVN lag fast ständig vorn, setzte sich nach dem 10:9 (21. Minute) von Kreisläufer Malte Kasper bis auf 14:9 (25.) ab.

Auch nach der Pause (18:13) deutete zunächst nichts auf die Wende hin. Der TVN konterte die Treffer der Sandkruger. Er lag in der 38. Minute mit 22:18 vorn, in der 46. Minute mit 25:23. Dann nahm Carstens das Spiel in die Hand; auf der halblinken Position war er nicht mehr zu bremsen. Er warf acht seiner elf Tore nach dem Seitenwechsel und setzte seine Mitspieler zudem mit guten Anspielen in Szene. An ihm richtete sich das TSG-Team auf: Es steigerte sich in Abwehr und Angriff erheblich.

Carstens führt TSG auf die Siegerstraße

Der TVN verlor dagegen den Faden. Im Angriff verstrickten sich die Spieler zu oft in erfolglose Einzelaktionen oder schlossen überhastet ab. In der Abwehr ging der Zusammenhalt völlig verloren, da die Neerstedter nicht mehr zusammenarbeiteten.

Zehn Minuten vor Schluss verlor der TVN seinen Linksaußen Thomas Schützmann mit einer Roten Karte (50.). Die Schiedsrichter Marcel Lichtenberg und Christian Schöttker zeigten sie ihm nach einem Zweikampf mit TSG-Abwehrspieler Boris Bruns. Im Spielbericht vermerkten die Unparteiischen eine Tätlichkeit des Neerstedters.

Die TSG holte Tor um Tor auf. Carstens schaffte den ersten Ausgleich (26:26, 49.). Dann brachte er das Team mit seinen Treffern zehn und elf zum 30:28 (54.) auf die Siegerstraße, von der es sich nicht mehr abbringen ließ. Dazu trug bei, dass TSG-Torwart Jan-Peter Steffens in den letzten acht Minuten fünf TVN-Würfe abwehrte.

Rademacher war auch am Sonntag noch ratlos. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte der TVN-Trainer. „Das war ein totaler Blackout. Die Mannschaft ist auseinandergebrochen.“ Sein Team sei von der Spielanlage her klar besser gewesen. „Wie man so eine Partie noch abgeben kann, ist mir unbegreiflich.“