Ein Angebot der NOZ

Sixdays Bremen 2018 Weltklasse-Radsportler starten in der ÖVB-Arena

Von Lars Pingel | 09.01.2018, 21:47 Uhr

An diesem Donnerstag, 11. Januar, gibt der Raumfahrer Thomas Reiter den Startschuss für das Bremer Sechstagerennen. Bis Dienstag, 16. Januar, werden in der ÖVB-Arena Weltklasse-Radsportler in verschiedenen Wettbewerben antreten. Im Mittelpunkt steht das Profi-Rennen mit zwölf Zweierteams.

Das ist doch, das ist doch: in der Tat. Zum Auf- und Abbau-Trupp der Firma von Sebastian von Lütcken für die Bahn der „Sixdays Bremen 2018“, die an diesem Donnerstag (Einlass ab 19 Uhr) beginnen, gehört Marcel Barth. Der 31-Jährige wurde vor knapp einem Jahr in der ÖVB-Arena als aktiver Fahrer verabschiedet und ist mittlerweile im Polizeidienst. Doch jetzt hat sich „Balla“ extra Urlaub genommen, um beim Auf- und am Dienstag, 16. Januar, auch beim Abbau des Holzovals behilflich zu sein. Auf die Frage, ob er denn handwerklich versiert sei, antwortete Barth mit einem Schmunzeln nur knapp: „In keinster Weise. Aber ich wollte einfach mal miterleben, wie eine Bahn, auf der ich viele Jahre lang gefahren bin, in die Halle kommt. Das ist auch eine gute Gelegenheit, um meinen Freund Sebastian mal wiederzusehen.“ Und der ist zufrieden mit seinem „Hiwi“: „Er stört zumindest nicht ...“ Am Montagmorgen gingen die Arbeiten schon um 4 Uhr los. Insgesamt wurden 90 Platten in der Größe von 6x2,50 Meter und 15000 Schrauben verbaut. Bereits um 16 Uhr war der Aufbau fertig, die Malerarbeiten begannen. Von Lütckens’ Firma war im vergangenen Jahr übrigens weltweit tätig und baute, reparierte oder wartete Winter- und Sommerbahnen in Ägypten, Malaysia, Indien und Australien.

So viele Starter wie noch nie

In Bremen hat Ex-Radprofi Barth mit den Handwerks-Profis aus von Lütckens Firma eine 166 lange Bahn mit extremer Kurvenneigung aufgebaut. Auf dieser werden von diesem Donnerstag, 11. Januar, an je zwölf Zweier-Teams im Profi-Rennen, im U23-Cup und im U19-Cup um den Sieg kämpfen. Im Zweier-Mannschaftsfahren der Frauen, das zum ersten Mal in Bremen ausgetragen wird, sind elf Teams gemeldet. Außerdem treten Fahrerinnen im Omnium in den Disziplinen Scratch, Derny, Punkte- und Ausscheidungsfahren an. Dieser Wettbewerb ist bereits seit 2012 Bestandteil des Sechstagerennens in der ÖVB-Arena. Mit diesem Sportprogramm erreichen die Sixdays einen Teilnehmerrekord: 204 Fahrerinnen und Fahrer starten auf dem Oval.

Sechs Sprinter treten an

In den Wettbewerben der Sprinter, die ebenfalls erst am 16. Januar entschieden werden, verabschiedet sich erneut ein Profi in Bremen aus dem aktiven Sport. Rene Enders aus Erfurt fährt sein letztes Rennen. Der 30-Jährige, der in seiner Karriere unter anderem zwei olympische Bronzemedaillen im Teamsprint gewann, feierte im vergangenen Jahr in der ÖVB-Arena mit einer Reifenbreite Vorsprung vor Tomáš Bábek (Tschechien) den Gesamtsieg. Auch der ist wieder am Start und trifft mit Lewis Stuart und Hamish Turnbull (beide Großbritannien) im Sprint, Teamsprint, Keirin und Rundenrekordfahren auf das Trio Enders, Carl Hinze (Hildesheim) und Moritz Meisner (Cottbus).

Der zweite Fahrer, der bei den Sixdays 2017 einen Sieg feierte und erneut in Bremen startet, ist Matthias Schindler. Der Weltklasse-Sportler aus Landshut setzte sich im Paracycling-Wettbewerb durch. Am 16. Januar wird er versuchen, seinen dritten Sieg in der ÖVB-Arena zu holen. Er trifft auf Tobias Vetter (München), der bei der WM 2017 in Südafrika mit seinem Sieg im Straßenrennen über 85 Kilometer mächtig überrascht hatte.

Deutsch-belgische Teams favorisiert

Im Sechstagerennen der Profis, in dem in den „Großen Jagden“ die entscheidenden Rundengewinne erzielt werden, sind die beiden Besten der vergangenen Austragung dagegen nicht dabei. Marcel Kalz hat seine Karriere inzwischen beendet. „Er wird als Zuschauer in der Halle sein“, berichtete Erik Weispfennig, Sportlicher Leiter der Sixdays. Der Berliner Kalz war 2017 mit dem Belgier Iljo Keisse erfolgreich. „Iljo ist voll fixiert auf die Frühjahrsklassiker auf der Straße. Daher passt das Sechstagerennen leider nicht in seine Vorbereitung“, erklärte Weispfennig, der davon ausgeht, dass das Rennen um die Nachfolge spannend wird: „Das ist ein interessantes Feld, in der Spitze sehr ausgeglichen.“ Sechs der zwölf Teams traut er zu, am Dienstag, 16. Januar, einen der ersten drei Plätze zu belegen. Und der Sportliche Leiter verriet dann auch, wer für ihn die größten dieser Favoriten sind. Zwei deutsch-belgische Duos: Das eine bilden der zweimalige Bremen-Sieger Leif Lampater (Rosenheim) und Moreno de Pauw, amtierender belgischer Meister und WM-Bronzemedaillengewinner 2017. Diese Erfolge errang de Pauw mit Kenny de Ketele, der in der ÖVB-Arena ein Teil der zweiten von Weispfennig hochgehandelt Mannschaft ist. De Ketele startet mit Theo Reinhardt aus Berlin, dem amtierenden deutschen Meister im Madison und in der Mannschaftsverfolgung.

Eröffnungsfeier im Zeichen der Raumfahrt

Die zwölf Teams werden am Donnerstag von dem ehemaligen Raumfahrer Thomas Reiter, der in Rastede lebt, und Dr. Fritz Merkle, Vorstandsmitglied des Raumfahrtkonzerns OHB SE, in ihr Rennen geschickt. Der Startschuss ist der Abschluss der Eröffnungszeremonie (ab 21.10 Uhr). „Sie wird ein audiovisuelles Erlebnis“, versprach Peter Rengel, Leiter der Sixdays. Für ihn beginnt dann übrigens sein letztes Sechstagerennen, der Chef der Arena wird noch im Frühjahr den Posten Direktor Infrastruktur beim Fußball-Bundesligisten Werder Bremen übernehmen. Klar, sagt er, das Thema der Zeremonie ist das Weltall. Zu sehen gibt es unter anderem Videomaterial der europäischen Weltraumorganisation ESA, für sphärische Klänge sorgt das Produktionsteam Klangfeld (Peter Ries, Björn Krumbügel und DJ Jürgen Rasper) und ein Astronaut schwebt mit den Startschusspistolen in die Halle, berichtete Rengel und holte noch schnell den Radsport mit ins Raumschiff. „Thomas Reiter hat in den 350 Tagen, die er im All verbracht hat, die Erde rund 5600 Mal umrundet“, rechnet er vor: „Die Fahrer werden auf unserer Bahn am Ende etwa 6000 Runden gedreht haben.“