Ein Angebot der NOZ

Sohn folgt dem Vater Die Panzrams sind die Torwart-Familie des VfL Stenum

Von Daniel Niebuhr | 20.10.2018, 12:40 Uhr

Einst wurde Keeper Klaus Panzram beim VfL Stenum zum Helden – nun steht Sohn Maik im Tor. Nach sieben Jahren Anlauf ist der 27-Jährige am Ziel: Er tritt in die Fußstapfen seines Vaters. Die beiden Panzrams haben nicht nur ihre Position gemeinsam.

Die tagesaktuellen Zahlen liegen momentan zwar nicht vor, doch eine Sache muss Maik Panzram trotzdem mal klarstellen: In der Familie der Torhüter ist er zumindest längenmäßig der Größte. „Als ich das letzte Mal gemessen habe, waren es 1,88 Meter“, sagt Panzram, der Jüngere. Das müssten „ein, wenn nicht zwei Zentimeter mehr sein“ als bei Vater Klaus. Ob da die etwas höherstehenden Haare mitgemessen wurden, ist allerdings nicht bekannt.

Die für einen Schlussmann obligatorischen Maße haben beide zweifelsohne, das Talent erwiesenermaßen auch. Maik Panzram, der im wahren Leben in einem Logistikunternehmen Gabelstapler fährt, ist seit dieser Saison die Nummer eins beim Fußball-Bezirksligisten VfL Stenum und tritt damit in die gewaltigen Fußstapfen, die sein Vater vor rund 30 Jahren hinterlassen hat. In den 80ern war Klaus Panzram, der in der Werkstatt der Polizei sein Geld verdient, der legendäre Torwart einer der stärksten Stenumer Mannschaften aller Zeiten und Schreckgespenst der Stürmer in Kreisliga und Bezirksklasse. Die große Zeit von Panzram senior hat Sohn Maik nicht miterlebt, dennoch sagt der 27-Jährige: „Ich bin stolz, meinem Vater nachzufolgen, das war immer mein Ziel.“

Klaus Panzram seit 26 Jahren Funktionär

Nicht nur in Statur und Position sind die beiden Stenumer sich ähnlich; die Panzrams strahlen Ruhe aus, wo immer sie auftreten. Klaus Panzram war zu aktiven Zeiten Führungsspieler, ohne Lautsprecher zu sein – und so unaufgeregt agiert er seit 26 Jahren auch als Funktionär. Unter dem 58-Jährigen als Obmann entwickelten sich die Stenumer Fußballer stetig weiter, inzwischen stellt der VfL die erfolgreichste Nachwuchsabteilung im Landkreis Oldenburg – auch ein Verdienst seines ehemaligen Mitspielers und heutigen Jugendleiters Werner Bruns. Dessen Sohn Kristian zieht in der aktuellen Stenumer Elf übrigens im defensiven Mittelfeld die Fäden.

Als Trainerduo brachten beide auch Maik Panzram auf den richtigen Weg. „Ich erinnere mich, wie mein Vater mit mir Torwarttraining gemacht hat. Da war ich noch in der Grundschule“, erzählt er. Er hat auch die nötige Geduld gelernt, denn für ihn war der Weg zur Nummer eins deutlich steiniger als für seinen Vater. Nachdem Panzram junior aus der Jugend gekommen war, stand er jahrelang bei der zweiten Mannschaft im Tor, die sich in der 1. Kreisklasse meistens im unteren Mittelfeld abstrampelte – manchmal auch im Abstiegskampf. Unter 50 Gegentreffern blieb er nie, dafür schoss er 2015 sogar ein Tor, als er beim 5:4 gegen den Bookholzberger TB am letzten Spieltag ausnahmsweise auf dem Feld spielen durfte.

Maik Panzram kann es auch vorne

Für die erste Mannschaft reichte es nie auf Dauer; wenn ein Torwart fehlte, durfte sich der jüngere Panzram mal mit auf die Bank setzen. „Er war immer die Aushilfe, wenn andere nicht konnten und hat nie gemeckert“, sagt Trainer Thomas Baake. Mit Fleiß und Beharrlichkeit rückte Panzram heran an das Team. 2016/17 machte er drei Spiele in der Bezirksliga, in der Saison danach waren es 16. Mittlerweile ist er der Stammtorwart in einem engen Rennen mit Routinier Thorben Riechers. Ende September kassierte er beim SV Wilhelmshaven im Jadestadion nach einer Tätlichkeit die Rote Karte, danach entschuldigte er sich beim Team. „Das fand ich eine große Geste“, sagt Baake, der ihn nach abgesessener Sperre am Sonntag wieder ins Tor stellte, auch „weil Maik von unseren Keepern der beste Fußballer ist“. Zu tun gab es nichts, der 3:0-Sieg gegen Eintracht Wiefelstede tat trotzdem gut: „Zu Null ist immer super.“ Von Außen sah wie gehabt Vater Klaus zu, der seinen im Spielaufbau manchmal übereifrigen Sprössling zwischendurch ermahnen musste: „Maik, wo willst du hin?“

Sonntag Spitzenspiel beim VfL Wildeshausen

Die Bezirksliga-Erfahrung hat der Sohn dem Vater voraus, der hat dafür aber Titel gesammelt. Den Kreispokal gewann er ebenso wie 1984 souverän die Meisterschaft in der Kreisliga. Danach spielte Stenum in der Bezirksklasse überraschend oben mit, ehe es 1988 zurück ging in die Kreisliga. Dort verpasste Panzram mit dem VfL 1990 den Wiederaufstieg am letzten Spieltag und landete einen Punkt hinter dem TSV Ganderkesee.

Den Erzrivalen hat der VfL inzwischen wieder überholt, am Sonntag winkt nun sogar ein historischer Sprung in der Bezirksliga. Sollten die drittplatzierten Stenumer ab 15 Uhr das Derby beim VfL Wildeshausen gewinnen, wären sie zum ersten Mal seit mehr als sechs Jahren die bestplatzierte Mannschaft im Landkreis Oldenburg. „Wir haben uns so ein Spiel verdient. Es zeigt, wie dieser Verein gewachsen ist“, findet Baake.