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Spektakuläres Hallen-Turnier Hannover 96 II gewinnt Volksbank-Cup

Von Frederik Böckmann | 19.01.2015, 11:04 Uhr

Fallrückzieher, Bandentore und technische Kabinettstückchen: Der Budenzauber in der Stadionhalle bot viel Spektakel. Die Organisatoren freuten sich vor allem darüber, dass während des Turniers alles weitestgehend friedlich blieb.

Literatur über Fußball gibt es en masse. Porträts, Taktiken, Analysen – alles hundertfach er schienen, alles hundertfach gelesen. Wenn ein Autor aber noch Inspiration für sein Buch über den perfekten Hallen-Fußball sucht, dann wäre er am Samstagabend gegen 21 Uhr in der Stadionhalle in Delmenhorst zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. Was die zweiten Mannschaften von Hannover 96 und Union Berlin im Finale des hochkarätig besetzten Volksbank-Cups als Hauptdarsteller den 400 Zuschauern vor einer stimmungsvollen Kulisse boten, war absolut preiswürdig.

Rasanter Tempofußball auf technisch allerhöchstem Niveau, Fußball mit Herz und Leidenschaft ohne Rücksicht auf taktisches Geplänkel: das 5:5 nach regulärer Spielzeit war ein rassiges Hallen-Spektakel par exzellente, das keinen Verlierer verdient hatte und doch nur einen Sieger geben konnte. Im Neunmeter-Krimi hatte die Zweitvertretung der 96er per 4:1 die besseren Nerven – und feierte anschließend ausgiebig mit ihren 150 Fans, die in der Halle bei den 96-Spielen für eine beeindruckende Stimmung sorgten.

Ein Hallen-Turnier für das Fußball-Herz

Beeindruckt vom Endspiel war auch 96-Trainer Sören Osterland. „Das war ein richtig geiles Finale eines tollen Turniers. Man hat gesehen, dass beide Mannschaft einfach nur Spaß am Fußball haben.“ Osterland lobte auch die Unterstützung der 96-Fans. „Die haben uns richtig gepusht und noch Extra-Prozente aus den Spielern rausgekitzelt.“ Union-Trainer Robert Jaspert nahm die Endspiel-Pleite derweil gelassen hin. „Wir haben uns als Mannschaft gut präsentiert. Das Turnier war ein ordentlicher Test.“ Der Kultklub nahm neben dem Pokal für den zweiten Platz noch einen weiteren mit nach Hause: Tugay Uzan wurde mit acht Toren bester Torschütze.

Mit den beiden Talentschuppen der Nachwuchsleistungszentren standen die beiden besten Teams zurecht im Endspiel. Doch das erfrischende Hauptturnier des dreitätigen Budenzaubers in der Stadionhalle bot den Zuschauern viel mehr. Tempodribblings, Bandentore, Fallrückzieher – die Zuschauer sahen alles, was das Fußball-Herz begehrt. Als absoluter Farbtupfer erwies sich die Auswahl-Mannschaft („Onuk-Team“) um Profi Engin Baytar und Altstar Ümit Karan, aber ohne den privat verhinderten Sean Dundee. Hier ein Selfie, da ein Interview und zwischendurch blitzsauberer Hallen-Fußball – die türkischen Altinternationalen waren fast alleine ihr Eintrittsgeld wert. „Es macht immer Spaß bei solchen Turnier mitzuspielen“, meinte Karan. „Wir sind zwar teilweise schon alt, haben aber nichts von unserer Klasse verlernt.“

Schlitzohr Ümit Karan

Der 38-Jährige Karan zeigte ein ums andere Mal, warum der frühere Galatasaray-Spieler von den Fans „der Eiskalte“ gerufen wurde und schoss zwei Zaubertore: Beim ersten nahm er einen Ball mit der Brust an, drehte sich blitzschnell um die eigene Achse und hämmerte den Ball in den Winkel. Ein anderes verwandelte er einen langen Ball aus der Luft mit der Hacke.

Karan war aber auch Mit-Auslöser für die einzigen negativen Vorfälle beim Turnier im Match der Auswahl-Mannschaft gegen den VfB Oldenburg (2:4). Dort wollte VfB-Trainer Predrag Uzelac sein Team nach einem Handtor des gebürtigen Berliner Karan zunächst vom Feld holen. Kurze Zeit später gab es nach einem Foulspiel des VfB-Torwarts Thorben Riechers Rangeleien zwischen beiden Mannschaften. Außerdem flog während der Partie eine Flasche aus dem Hannover-Block in Richtung eines VfB-Spielers. Nach der Partie musste die Polizei im Kabinentrakt einschreiten, doch sie hatte die Lage schnell im Griff.

Chef-Organisator Murat Kalmis atmete nach dem Turnier tief durch und freute sich, dass im weiteren Turnierverlauf alles friedlich blieb. „Die verschärften Sicherheitsauflagen waren absolut richtig“, meinte Kalmis .„Großes Lob an Polizei und Sicherheitsdienst für ihre Arbeit.“