Ein Angebot der NOZ

Spielbericht zum Freundschaftsspiel FC St. Pauli schlägt Stadtauswahl Delmenhorst 11:1

Von Frederik Böckmann und Daniel Niebuhr | 22.05.2016, 20:54 Uhr

450 zahlende Zuschauer, elf Tore und ein volksnaher Fußball-Zweitligist: Mit einem 11:1 (6:1)-Kantersieg gegen die Stadtauswahl Delmenhorst hat sich der FC St. Pauli in den Urlaub verabschiedet.

Einige Spieler des FC St. Pauli hatten sich schon in den Urlaub verabschiedet, die Trainingspläne für die neue Spielzeit haben die Profis des Fußball-Zweitligisten schon in ihren Taschen. Doch das letzte Spiel der Saison in Delmenhorst einfach so austrudeln lassen? Nein, das kam Ewald Lienen nicht in den Sinn. „Wir bekommen Geld dafür, dass wir hier spielen. Also wollten wir uns auch gut verkaufen – das haben wir hervorragend gemacht“, sagte der Kult-Trainer des Kult-Vereins nach dem 11:1 (6:1)-Kantersieg gegen das „Team Delmenhorst“.

Abstellungen an die Nationalmannschaft, Verletzungen, Operationen oder krankheitsbedingte Ausfälle wie beim zukünftigen Werder-Rückkehrer Lennart Thy – die Kiez-Kicker liefen im Delmenhorster Stadion mit den „letzten Mohikanern“ (Lienen) auf. Doch St. Pauli präsentierte sich vor den vielen angereisten Fans nicht nur als der besondere, andere, volksnahe Fußball-Club. Die „Boys in Brown“, die in der abgelaufenen Zweitliga-Saison lange an den Aufstiegsplätzen schnupperten und am Ende Rang vier belegten, nahmen die Begegnung durchaus ernst.

Leroy Mickels glänzt mit vier Toren

Das galt vor allem für Leroy Mickels: Der 20-Jährige, den St. Pauli im Winter von Borussia Mönchengladbach holte und der bislang nur in der Regionalliga-Mannschaft des Clubs spielte, erzielte in seinem 62-minütigen Einsatz vier der elf Hamburger Treffer (19./39./43./50., Foulelfmeter). „So ein Spiel macht Spaß. Der Gegner konnte richtig gut kicken“, meinte der Mittelfeldspieler.

Die anderen Tore für den Kiez-Klub erzielten Nico Empen (40., Freistoß/47./77.), Philip Ziereis (44.), Sebastian Maier (79.) und Enis Alushi (86.). Dazu kam ein Eigentor von Stadtauswahl-Oldie Christian Goritz (4.). Das schönste Tor des Tages erzielte jedoch die Stadtauswahl durch Andreas Lorer zum 1:2 (27.).

Lienens Lob für die Delmenhorster Offensive

In der Defensive stabil stehen, vorne mit den technisch versierten Spielern schnörkellose Nadelstiche setzen – diese Taktik der Stadtauswahl ging in den ersten 35 Minuten nahezu perfekt auf. Während Torwart Jann Barkemeyer fünf Paraden zeigte, vergab das „Team Delmenhorst“ durch die gefährlichen Musa Karli (9./19.) und Marco Prießner (30.) noch weitere sehr gute Möglichkeiten. „Delmenhorst hatte in der Offensive sehr viele gute Fußballer. Die Konter waren schön herausgespielt“, zollte Lienen ein Lob an die Gastgeber – und notierte sich diese Defensivschwächen seiner Mannschaft wie gewohnt in seinem Block.

Bereits gegen Ende der ersten Halbzeit machte sich der Kräfteverschleiß beim „Team Delmenhorst“ bemerkbar. St. Pauli nutzte die „riesigen Lücken“ (Lienen) und machte innerhalb von sechs Minuten aus dem 2:1 ein 5:1. „Es waren auch dumme Gegentore“, ärgerte sich Mustafa Azadzoy, der afghanische Nationalspieler in Reihen der Stadtauswahl.

Lienens Rüffel für Delmenhorster Trainer-Duo

Im zweiten Durchgang verringerte St. Pauli die Schlagzahl kaum, auch wenn die Profis nach einer langen Saison ein wenig auf dem Zahnfleisch gingen. „Es war schwül, der Gegner hat gut verteidigt, da war es nicht einfach“, sagte Enis Alushi, der für die Hamburger in der 86. Minute den Schlusspunkt besorgte. „Unsere Jungs hatten viel Spaß. Das sah auf beiden Seiten richtig nach Fußball aus“, fand Matthias Kaiser, der die Delmenhorster Auswahl zusammen mit Servet Zeyrek betreute. Allerdings bekam das Trainerduo noch einen kleinen Rüffel vom Kollegen Ewald Lienen: „Delmenhorst hat in der Abwehr mit Libero und drei Manndeckern gespielt – das ist ja heute kein adäquates System mehr“, bilanzierte er – und nahm sich dann Zeit für die Fans.