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Spielgemeinschaft im Jugendfußball SG Delmenhorst: Von den Mädchen lernen

Von Daniel Niebuhr | 24.02.2016, 20:19 Uhr

Die SG Delmenhorst klagt über ihren Ruf – dabei hat sie besonders in der weiblichen Jugend Erfolg. Die Zusammenarbeit der vier Vereine im Mädchenfußball funktioniert hervorragend.

Marco Castiglione hatte sich über die Kleiderwahl offensichtlich seine Gedanken gemacht. Der Abteilungsleiter des TV Jahn trug gestern ein weißes Hemd mit zwei Symbolen auf dem Kragen – Jahn links, das frisch gestaltete Wappen der SG Delmenhorst rechts. Allein schon deshalb sei es wichtig, dass die Spielgemeinschaft noch eine Weile besteht: „Was soll ich sonst mit dem Hemd machen?“

„Haben einiges erreicht“

Die Symbolik dahinter war natürlich bewusst gesetzt. Jahns umtriebiger Fußball-Chef hatte zusammen mit Heike Wiltfang vom TuS Heidkrug und Dennis Rusch vom TuS Hasbergen zum Austausch über den Stand der Jugend-SG eingeladen – und betrieb dabei auch Lobbyarbeit. Das ehrgeizige Projekt einer Spielgemeinschaft – in der im Mädchenbereich mit Heidkrug, Hasbergen, Jahn und dem Delmenhorster TB vier und bei den Jungen mit Jahn und Hasbergen zwei Stadt-Vereine gemeinsame Sache machen – genieße nicht den besten Ruf, und das, sagt Castiglione, „geht mir auf die Nerven. Wir haben doch einiges erreicht.“

Fünf Teams bei den Mädchen

Gerade in der weiblichen Jugend sind die Erfolge in der Tat beachtlich. Zwei Elferteams im B-Jugendbereich, eines bei den C-Juniorinnen und zwei Siebenermannschaften in der D-Jugend kicken aktuell für die Spielgemeinschaft, „darauf sind wir stolz“, sagt Wiltfang. Der Leiterin der Mädchen-SG plant aber noch mehr und würde sich besonders über eine F-Jugend freuen: „Wir suchen immer neue Spielerinnen, aber besonders im Jüngstenbereich wäre es toll, ein Team zu stellen.“ Um die Werbetrommel zu rühren, wurde nun ein Plakat erstellt mit dem kernigen Spruch:; „Mädchen haben Mumm!“ Die SG will sich auch als Standort für den bundesweiten Tag des Mädchenfußballs bewerben, an dem mit vielen Aktionen die Begeisterung am Fußball geweckt werden soll. „Da gibt es zum Beispiel ein Freundinnenturnier: Jedes Mitglied kann eine Freundin mitbringen“, erklärt Wiltfang. „Es würde mich nicht überraschen, wenn einige dann dabeibleiben; denn so läuft das bei Mädchen üblicherweise. Eine Freundin schleppt die nächste mit und so weiter.“

C-Jugend müsste Landesliga-Aufstieg ablehnen

In dieser Beziehung können die Jungs sich einiges abschauen. Denn in den männlichen Jugendteams der SG steht die Rivalität zwischen den Vereinen einer Zusammenarbeit noch immer häufig im Weg. Immerhin stellen Jahn und Hasbergen zusammen zwei A-, zwei B- und drei C-Jugendteams, als sportliche Aushängeschilder taugen sie bislang aber nur bedingt. Die ersten Mannschaften spielen in den jeweiligen Bezirksligen, die C-Jugend ist sogar Tabellenführer – würde einen Aufstieg in die Landesliga aber nicht annehmen. „Dafür fehlt uns etwas dahinter, das ist übrigens in allen Altersstufen so“, erklärt Castiglione – zu frisch sind die Erinnerungen an den Abstieg der A-Jugend, die sich im vergangenen Jahr gerade zu Saisonende als zerstrittener Haufen darstellte. Auf Dauer ist ein hohes Niveau allerdings das Ziel im Jungenbereich: „Sonst bräuchten wir keine SG zu machen.“ Langfristig hoffen alle Beteiligten darauf, dass noch weitere Mitstreiter im Jungenbereich gefunden werden. „Mit zwei Vereinen wird es irgendwann vom Arbeitsaufwand her heftig“, glaubt Rusch. Die SG müsse als Delmenhorster Projekt anerkannt werden, ergänzt Castiglione: „Da wünschen wir uns auch mehr Wahrnehmung von der Stadt.“

Was Gemeinschaftsarbeit bewegen kann, zeigte die SG zuletzt mit einem Training für Mädchen und Frauen, die als Flüchtlinge in der Stadt sind. Anna Mirbach und Nahrin Uyar, die für Jahn in der Regionalliga spielen, leiteten die Einheit, die auf viel positive Resonanz stieß.