Ein Angebot der NOZ

Spitzenreiter stolpert im Derby VfL Wildeshausen schockt den SV Atlas Delmenhorst

Von Frederik Böckmannund Daniel Niebuhr | 30.03.2017, 00:19 Uhr

Landesliga-Abstiegskandidat VfL Wildeshausen bezwingt Tabellenführer SV Atlas Delmenhorst hochverdient mit 2:1. Atlas offenbart vor dem Topspiel am Sonntag gegen Kickers Emden noch erhebliche Schwächen. Wildeshausen kauft den Delmenhorstern nach dem Wechsel den Schneid ab.

Vielleicht hätte Marcel Bragula sich in der Schlussphase noch selbst einwechseln sollen, der Trainer des VfL Wildeshausen war jedenfalls der einzige in Rot-Weiß, der auch nach dem Abpfiff noch Luft hatte. Seine Spieler lagen nach dem 2:1 (1:1) gegen den SV Atlas am Mittwochabend erschöpft auf dem durchgeweichten Rasen des Krandel-Nebenplatzes, doch Bragula stürmte mit geballten Fäusten von einem zum anderen und klatschte sie alle ab. Der ebenso überraschende wie hochverdiente Erfolg gegen den Tabellenführer der Fußball-Landesliga hatte den VfL-Coach nachhaltig begeistert. „Ich bin stolz. Wir waren von Nummer eins bis 18 ein Team“, schwärmte Bragula.

Hahn übte harte Kritik

Im Atlas-Lager war man dagegen regelrecht schockiert über den schwerfälligen Auftritt nur drei Tage, nachdem man die Tabellenführung erobert hatte. Trainer Jürgen Hahn musste sich erst einmal sammeln und übte dann für seine Verhältnisse deftige Kritik. „Das ist ganz bitter. Du machst dir die Woche über Gedanken, wie du das Spiel angehen willst, und dann werden die Sachen einfach nicht umgesetzt“, haderte er.

Auch eine frühe Führung half dem hohen Favoriten an diesem Abend nicht. Patrick Degen hatte nach einer Viertelstunde aus 25 Metern abgezogen, sein Schuss schlug flach im Eck ein. Zu diesem Zeitpunkt war Atlas noch die bessere Mannschaft, das änderte sich aber nach dem Ausgleich nur sieben Minuten später. Thorben Schütte drückte eine Ecke von Lukas Schneider zum Wildeshauser 1:1 aus einem Meter über die Linie, Atlas-Torwart Florian Urbainski kam zu spät – nicht das einzige Mal. Es war eine Szene mit Symbolwert: Die Wildeshauser waren bissiger.

Feldhus köpft das Siegtor

Der Sieg des Außenseiters deutete sich immer deutlicher an, je länger das Spiel dauerte. Atlas wirkte nach der Pause erschreckend lethargisch, war mehr mit sich selbst als mit dem Gegner beschäftigt und erlaubte dem VfL ein halbes Dutzend guter Chancen. Rene Tramitzke köpfte schon in der 64. Minute das vermeintliche 2:1, sein Treffer wurde aber aberkannt. Doch die rund 350 Delmenhorster Fans unter den 600 Zuschauern ahnten da womöglich schon, dass das Glück ihrer Mannschaft nicht ewig halten würde – und so war es auch. Der eingewechselte Lennart Feldhus überwand den erneut zaudernden Urbainski nach einer weiteren Schneider-Ecke und wurde von einem Jubel-Pulk umringt – mit Bragula mittendrin. „Wir hatten eine klare Zuteilung, die aber überhaupt nicht funktioniert hat“, grantelte Hahn.

Hahn: Zurück zu den Basics

Fast wäre Atlas dennoch mit einem blauen Auge davon gekommen. In der Nachspielzeit segelte eine Freistoßflanke von Degen an allen vorbei Richtung Tor, doch Lennart Flege rettete auf der Linie und besiegelte den Wildeshauser Sieg, der die Kreisstädter im Abstiegskampf wieder in Schlagdistanz bringt. „Wir haben verdient gewonnen. Wir haben auf alles, was der Gegner taktisch probiert hat, eine Antwort gehabt“, meinte Bragula.

Atlas schien dagegen auch an den eigenen Ansprüchen zu verzweifeln, die Reife eines Spitzenteams vermochte auch Hahn nicht zu erkennen. „Das ganze Gequatsche von der Oberliga müssen wir mal aus den Köpfen kriegen. Wir müssen jetzt zurück zu den Basics, und das ist die Einstellung“, meinte er. Am besten schnell, denn am Sonntag kommen die Kickers aus Emden zum Gipfeltreffen nach Delmenhorst.