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Sportlicher Rückblick 1992 wird das 30. Delmenhorster Radrennen ausgetragen

Von Vera Benner, Vera Benner | 29.07.2017, 14:52 Uhr

Der RV Urania Delmenhorst richtete am 23. August 1992 zum 30. Mal ein Radrennen in Delmenhorst aus. Der Ganderkeseer Heinz Badener, der zu den Organisatoren gehörte, wollte damals den Radsport in der Stadt nach vorne bringen.

Klar, die großen Rennen der Profis, zum Beispiel die Tour de France oder den Giro d’Italia, kennen nicht nur Sportbegeisterte. Doch auch die Stadt Delmenhorst war lange Zeit dank des großen Engagements der Mitglieder des RV Urania viel mehr als nur ein Geheimtipp unter Radsportlern und den Anhängern dieser Sportart. Das lag außer an Bahn- und Querfeldein-Veranstaltungen nicht zuletzt an dem Straßenrennen, das der Verein regelmäßig mit großem Engagement ausrichtete. Es war immer wieder „ein Leckerbissen“ für Fahrer und Fans. Am 23. August 1992 wurde es zum 30. Mal ausgetragen. Aber nicht nur deshalb war dieses Rennen etwas Besonderes. „Direkt in der City gab es nur zwei. Diese waren 1991 und 1992. Sonst starteten die Rundfahrten meist in Annenheide“, erzählt der Ganderkeseer Radsportler Heinz Bandener, der 1992 wie schon bei der Premiere im Jahr zuvor zu den Organisatoren gehörte. Weitere Auflagen gab es auch danach noch, bis 2014.

Die Popularität von Straßenrennen wuchs in der damaligen Zeit wieder deutlich an. Ein Beispiel: 1991 war der zwar sehr erfolgreiche, später aber für viele Dopingschlagzeilen sorgende Profirennstall Team Telekom aufgebaut worden. „In Zusammenarbeit mit unserem Sponsor Fiat sollte der Radsport auch in Delmenhorst nach vorne gebracht werden“, erklärt Bandener, warum die Strecke des Rennens in die Innenstadt mit ihren schmalen Straßen und engen Kurven verlegt worden war. Das Interesse am Radsport sei im Norden eher mau gewesen. Und auch heute noch bekämen die Radsportler nach Meinung von Bandener nicht genügend Anerkennung.

Zuschauerzahlen nicht zufriedenstellend

Da dem Sponsor, aber vor allem den Fans nach vielen guten Rennen rund um die Delmestadt ein außergewöhnliches Spektakel geboten werden sollte, unternahm der RV Urania 1991 den Versuch, mit dem Umzug in die Innenstadt mehr Zuschauer anzulocken. 1991 beobachteten rund 600 Interessierte die Wettbewerbe. Doch schon ein Jahr später sank die Zuschauerzahl deutlich. Nur rund 100 Fans jubelten im Start-Ziel-Bereich in der Graft den Fahrern zu. „Die Delmenhorster kamen einfach nicht hinter ihren Öfen hervor“, erzählt Bandener. „Die Zuschauerzahlen waren für den Aufwand, den wir betrieben haben, einfach nicht zufriedenstellend, daher haben wir das Rennen nach dem zweiten Mal wieder nach Annenheide verlegt.“

City-Rennen für „Kurvenakrobaten“

Am 23. August 1992 lieferten sich Junioren, Jugendliche und Amateure im 30. Urania-Radrennen spannende Wettkämpfe. Die rund 900 Meter lange Rundstrecke führte über die Rudolf-Königer-Straße und den Hans-Böckeler-Platz. Start und Ziel waren die Graftwiesen. Für die Junioren standen 45 Runden (40,5 Kilometer) auf dem Fahrplan. Die Jugendlichen absolvierten 35 Runden (31,5 Kilometer), während die Amateure 85 Runden (76,5 Kilometer) durch die engen Straßen der City bewältigen mussten. „Das war wirklich eine Herausforderung, durch die schmalen Straßen zu sausen. Für Kurvenakrobaten waren die beiden Rennen in der Innenstadt besonders gut geeignet“, sagt Bandener, der das Rennen nicht nur organisierte, sondern selbst mitfuhr. „Insgesamt gingen 1992 rund 200 Radsportler an den Start.“ Bei den Amateuren sicherte sich Silvio Sparmann aus Hameln im Spurt nach 1:49:45 Stunden den Sieg, bei den Junioren war Tobias Lampe vom PSV Schwerin (1:02:36) der Schnellste, bei den Jugendlichen Burkhard Kötter vom RRG Bremen (51:17 Minuten). Urania-Sportler waren nicht gestartet. Bandener fuhr damals für den RC Vegesack. Auch ein Rennen für jedermann war angeboten worden.

Bandener als Organisator, Sprecher und Fahrer

Bandener, der bei vielen der bis dato 29 Radrennen auch als Sprecher fungiert hatte, sah sich damals als in der Rolle des „Mädchens für alles“. „Das ist normal, dass im Radsport Leute unterwegs sind, die in viele Aufgabenbereiche eingebunden werden“, sagt er. „Ob als Fahrer, als Organisator oder als Sprecher – mir hat es immer Freude bereitet.“ Die Organisation eines solchen Radrennens durch die City sei mit vielen Auflagen verbunden. „Man muss alles mit der Stadt und der Polizei absprechen, die Strecke muss gesichert und Umleitungen für die Anwohner geschaffen werden“, erklärt der erfahrene Radsportler. „Dann muss das Rennen offiziell angemeldet werden.“

Große Bedeutung für Delmenhorst

Dieser ganze Aufwand habe sich dann eben wegen des geringen Zuschauerinteresses nicht mehr gelohnt. Aus diesem Grund hätten die Verantwortlichen die Entscheidung getroffen, nach zwei Rennen in der Innenstadt wieder nach Annenheide zurückzukehren. „Später gab es dann auch noch ein paar andere Strecken, die wir ausprobiert haben“, fügt der Organisator an. Alles in allem spricht Heinz Bandener, der während seiner aktiven Karriere als Radsportler rund 120 Radrennen gewann, der Veranstaltung in Delmenhorst eine große Bedeutung zu. „Das war für die ganze Stadt schon etwas Besonderes. Schade, dass die Rennfahrer Delmenhorst langsam verloren gehen.“