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Streetdance-Contest 2017 Das Hip-Hop-Event mit dem besonderen Flair

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 18.05.2017, 11:18 Uhr

Wohl mehr als 1000 Zuschauer, 900 Tänzer aus 58 Formationen und 180 Helfer werden am Samstag beim zehnten Streetdance-Contest wieder die Stadtbadhalle bevölkern. Die Organisatoren blicken auf die Anfänge, Highlights und Besonderheiten der größten Tanzsportveranstaltung in Norddeutschland zurück.

Am Anfang stand eine einfache Frage: „Wollen wir das nicht auch einmal machen?“. Mitte der Nuller Jahre fuhren Sabine Wittenfeld und Robert Bonk regelmäßig mit ihren HipHop-Gruppen zu großen Tanzveranstaltungen nach Lübeck und nach Kiel. Aus der einfachen Frage und der Anfangsidee war es dann nach einem Jahr Vorbereitungszeit am 31. Mai 2008 soweit: Das Tanzsportzentrum Delmenhorst richtete seinen ersten Streetdance-Contest in der Stadtbadhalle aus. Mit 420 aktiven Tänzern, 80 Helfern und 500 „verzückten Zuschauern“, wie das dk damals titelte.

Kaum zu glauben, aber wahr: Der Streetdance-Contest feiert in diesem Jahr schon sein zehnjähriges Jubiläum – dieses Mal mit 900 Tänzern, 58 Formationen aus sechs Bundesländern und vermutlich wieder mit einer vierstelligen Besucherzahl im Laufe des langen Tanztages in der Stadtbadhalle. „Wir haben uns in jeder Hinsicht gesteigert: Tänzer, Zuschauer und Qualität“, lächelt Martin Ciomber als einer der Helfer der ersten Stunde, als er bei einer Sitzung zusammen mit Maren Bollwerk, Marion Keunemann, Thorsten Meyer, Andreas Otten, Elisabeth Vosseler und Frank Scheffka auf die vergangenen neun Events zurückblickt.

Der Streetdance-Contest Delmenhorst hat seinen ganz eigenen Charakter

Trainerin Wittenfeld und Jugendwart Bonk hatten mit ihren Tanztruppen viele Erfahrungen auf auswärtigen Turnieren gesammelt. Doch das Event in der Stadtbadhalle sollte seine ganz eigenen Einflüsse, ein angepasstes Reglement und vor allem seinen eigenen Charakter haben – das war ihnen wichtig.

Allerdings war die Vorbereitung auf Turnier eins alles andere als einfach. „Es herrschte beim damaligen TSZ-Vorstand zunächst doch eine gewisse Skepsis“, erinnert sich Wittenfeld mit einem Schmunzeln. Ein Grund waren vor allem die hohen Kosten. Doch es kristallisierte sich gleich beim Event 2008 heraus, was den Streetdance-Contest noch heute auszeichnet und ihn „so besonders macht“, wie es die heutige TSZ-Vorsitzende Elisabeth Vosseler ausdrückt: den immensen Einsatz der Eltern.

Streetdance-Contest Delmenhorst ist „wie eine große Familie

In diesem Jahr werden wieder rund 150 Helfer anpacken, und es sind auch viele Eltern darunter, deren Kinder schon gar nicht mehr tanzen. „Die Zusammenarbeit ist einfach top“, sagt Thorsten Meyer. Und Maren Bollwerk findet: „Wir sind zusammen eine große Familie geworden, die mit Herzblut dabei ist.“

Dieses familiäre Flair färbe wohl auch auf die auswärtigen Tänzer und Gäste ab, ist Bollwerk überzeugt. Denn der Streetdance Contest war immer ausgebucht, es gab neun Jahre in Folge eine Warteliste. In diesem Jahr auf Grund anderer paralleler Veranstaltungen zwar zum ersten Mal nicht. Doch um die Teilnehmerfelder zu füllen, da gab es auch für 2017 keine Probleme.

Gruppen kämpfen beim Streetdance-Contest Delmenhorst mit-, und nicht gegeneinander

Frank Scheffka erzählt stolz, dass die TSZ-Crew auch auf anderen Veranstaltungen immer auf den Streetdance-Contest angesprochen werde. „Wenn wir sagen, dass wir aus Delmenhorst kommen, wissen die Leute sofort, dass dort der Streetdance-Contest stattfindet.“ Warum das so ist, erklärt sich Meyer aus der „Eigenständigkeit“ des Turniers. Der Streetdance-Contest ist zwar keine Meisterschaft, für viele Tanzgruppen aber die „inoffizielle Underground-Meisterschaft“. „Viele freie Gruppen tanzen bei uns. Die finden sich sehr gut bei uns wieder“, sagt Meyer und betont, dass gleichzeitig das Niveau sehr hoch sei. Und: alle Gruppen würden fair miteinander umgehen, betont Marion Keunemann. „Die Gruppen tanzen miteinander, nicht gegeneinander. Das ist toll.“

Für Frank Scheffka spielen vier Aspekte eine Rolle, warum die Loyalität von Aktiven und Zuschauern bei der größten Norddeutschen Tanzveranstaltung so groß sei. Punkt eins: der Zeitplan. „Der ist bei uns zwar sehr eng getaktet, aber klar konstruiert.“ Jede Gruppe kann sich darauf einstellen, dass sie zu der geplanten Zeit auftreten wird. Punkt zwei: jede Gruppe absolviert zwei Tänze. Da es für einige Formationen der Auftritt in Delmenhorst der einzige im gesamten Jahr sei, werde dies „sehr positiv“ aufgenommen. Punkt drei: das ausgefeilte Rahmenprogramm in und außerhalb der Halle. Punkt vier sei mittlerweile das eigene Know-how, das sie beim TSZ stolz sind. „Teilnehmer und Gäste können sich auf eine optimale organisierte Veranstaltung bei uns freuen“, sagt Scheffka. „Wir versuchen, jedes kleinste Detail zu perfektionieren.“

Beim Streetdance-Contest 2017 werden in Delmenhorst bis zu 15 Tonnen Material bewegt

Für das Equipment, für Licht, Musik und viele weitere Details im Hntergrund ist Thorsten Meyer als technischer Leiter seit der ersten Veranstaltung zuständig. Anhand der bewegten Tonnen Material hat er auch einen guten Eindruck, wie sich der Contest von Jahr zu Jahr vergrößerte. „2008 haben wir noch zwei Tonnen Material bewegt. In diesem Jahr werden es zwölf bis 15 Tonnen sein.“

Highlights gab es im Laufe der vergangenen Jahre viele. Ein Ereignis, das allen Vorstandsmitgliedern in Erinnerung geblieben ist, war der Moment, als ein Junge einer Boygroup während einer Pause spontan auf die Tanzfläche marschierte, zu tanzen begann und sich ihm innerhalb weniger Sekunden rund 100 weitere Tänzer anschlossen. „Das war eine wahnsinnige Situation“, erinnert sich Marion Keunemann gerne an diesen „Gänsehaut-Moment“ zurück, der zeigt, wie überraschend, der Streetdance Contest trotz seines durchgetakteten Zeitplans sein kann.

Einnahmen des Streetdance-Contest Delmenhorst werden gespendet

Der Vorbereitung, die Organisation und die Arbeit am Tag des Streetdance Contest sei enorm, da sind sich die Organisatoren einig. Doch wenn sich alle Helfer drei Tage später bei einem gemeinsamen Grillen wieder treffen, sei die Freude über das Geleistete groß, sagt TSZ-Chefin Vosseler. Auch das Lob von Edelfans wie Bürgermeisterin Antje Beilemann würde der Organisationscrew immer sehr gut tun. Außerdem wissen die Helfer, dass ihre Arbeit nicht umsonst ist. „Wir haben durch den Streetdance-Contest viele Freundschaften mit anderen Tanzgruppen geschlossen“, sagt Contest-Pressesprecher Frank Scheffka. Außerdem werden die gesamten Einnahmen gespendet. Ein Teil dieser Gelder wird immer einem gemeinnützigen Zweck übergeben, der andere fließt in die TSZ-Jugendarbeit.

Möglich wäre dies aber nicht durch die Unterstützung der Stadt, von Sponsoren und der Kooperation mit dem in der Stadionhalle beheimateten DTV. „Wir können uns auf viele und vieles verlassen. Da ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt Vosseler. Dazu gehören immer auch die Zuschauer, Eltern, Verwandte und Freunde, die den Contest den gesamten Tag über bevölkern und zu einem Event machen, über das sich trotz seiner noch jungen zehn Jahre sagen lässt: er ist aus dem Delmenhorster Sportkalender nicht mehr wegzudenken und fest verankert. Auch dank der Beharrlichkeit der Ideengeber Robert Bonk und Sabine Wittenfeld vor etwas mehr als zehn Jahren.