Ein Angebot der NOZ

Sturz in die Verbandsliga droht Abstiegstränen bei der HSG Delmenhorst

Von Klaus Erdmann | 08.05.2017, 12:45 Uhr

Längere Umarmungen, versteinerte Mienen, leere Blicke und viele Tränen – nach dem 27:27 (12:15) gegen den TV Bissendorf-Holte, das 450 Zuschauer in der Halle am Stadion verfolgten, ließen sie im Lager der Handball-Spielgemeinschaft (HSG) ihren Gefühlen freien Lauf.

Das Unentschieden – das erste in 26 Spielen – bedeutet für den Drittletzten der Oberliga wahrscheinlich den Abstieg aus der vierthöchsten deutschen Spielklasse. Ein 28. Tor (und damit ein weiterer Punkt) hätte den Schützlingen von Andre Haake und Werner Rohlfs den Klassenverbleib beschert.

Aufgrund des 23:16 des Elsflether TB bei der TSG Hatten-Sandkrug, die bereits als Absteiger feststand und nur neun Akteure aufbot, zog der ETB am finalen Spieltag noch an den Delmenhorstern vorbei. Elsfleth weist ebenfalls 19:33 Punkte, jedoch das um vier Treffer bessere Torverhältnis auf. Nach einer dramatischen Partie, in der während der letzten 6:52 Minuten kein Tor mehr fiel, benutzten Hauptdarsteller und Zuschauer wiederholt das Adjektiv „bitter“.

Niemand schien an die SG VTB Altjührden zu denken, die sich am Wochenende an der Relegationsrunde mit den vier Drittletzten der dritten Ligen beteiligt. Sollte der Nord-Vertreter sich behaupten, stiegen nur die beiden Letzten aus der Oberliga ab und Delmenhorst wäre gerettet.

Delmenhorster Stadionhalle verwandelt sich am Samstag in ein Tollhaus

Bei den leidenschaftlich kämpfenden Hausherren setzt Spielertrainer Haake anfangs die ersten Zeichen. Nach 57 Sekunden gelingt ihm das 1:0 und zwölf Sekunden später muss er die einzige HSG-Zeitstrafe hinnehmen. In der 2. Minute trifft Stefan Timmermann zum 2:1. Es sollte für lange Zeit die letzte Führung der Gastgeber sein. Feldspieler und Torhüter der HSG wirken nervös. Die Mannschaft vergibt gute Chancen (darunter durch Jörn Janßen und Haake zwei Siebenmeter) und setzt zu sehr auf Einzelaktionen. Der bestens motivierte Tabellenvierte baut seinen Vorsprung kontinuierlich aus. Bissendorf-Holte zieht auf fünf Treffer davon (12.) und liegt in der 26. Minute sogar mit 13:7 vorne. Bis zur Pause verkürzt die HSG den Rückstand wieder auf drei Tore.

In der zweiten Hälfte, in der beide Parteien wiederholt eine 5:1-Deckung favorisieren, setzt sich die HSG besser in Szene. Ihr gelingt nun mehr. Der Vorsprung des TV Bissendorf-Holte schmilzt. In der 36. Minute bringt Haake sein Team bis auf einen Treffer heran (16:17). Den Bissendorfern gelingt es, drei Treffer vorzulegen, doch die HSG lässt nicht locker. Nach dem 22:25 sorgen Maik Schäfer, Haake und Janßen für das 25:25. Mit dem 26:25 bringt Philipp Freese sein Team nach 51:52 Minuten erstmals wieder in Führung. Mehr und mehr verwandelt sich die Stadionhalle in ein Tollhaus. Die Fans – unter ihnen auch Anhänger und Spieler der Fußballer des SV Atlas – unterstützen die Gastgeber vorbildlich. Gänsehaut-Feeling.

HSG Delmenhorst verabschiedet vier Spieler

26:26 durch den achtfachen Bissendorfer Torschützen Christian Rußwinkel, 27:26 durch den siebenfachen Torschützen Andre Haake, 27:27 durch Christian Rußwinkel nach 53:08 Minuten. Bissendorf verteidigt offensiv, den Delmenhorstern unterlaufen im Aufbauspiel Fehler. Die Torhüter Philipp Tiemann und Sönke Schröder zeigten gute Paraden. Die Zuschauer erheben sich, klatschen rhythmisch. Sie und die Spieler geben alles. Doch am 27:27 ändert sich nichts mehr. Auszeit TV, Auszeit HSG. Aus.

Nach einem Spiel, das Nerven gekostet hat, verabschiedet der Absteiger die Aktiven Tim Kieselhorst, Christopher Hartwig und Benjamin Janssens sowie die Trainer Rohlfs und Haake, der der HSG jedoch als Spieler erhalten bleibt. Haake und Vorsitzender Jürgen Janßen bedanken sich bei den Zuschauern für die Unterstützung. Der knapp verpasste Verbleib in der Oberliga (sollte die SG VTB Altjührden nicht doch noch zum Retter werden) hinterlässt unübersichtlich Spuren. Benjamin Janssens sagt: „Ich fühle mich etwas leer.“ So dürfte es vielen ergehen, am Samstagabend, nach 21 Uhr, in der Stadionhalle.