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SV Atlas Delmenhorst Karlis Plendiskis soll den neuen Defensivverbund anführen

Von Daniel Niebuhr | 06.07.2018, 09:51 Uhr

Delmenhorst Die Fußballer des SV Atlas Delmenhorst hatten seit ihrer Wiedergründung in jeder Saison die beste Abwehr, waren in der Oberliga aber nur Durchschnitt. Der Fußball-Oberligist hat seine Defensive in der Sommerpause nun massiv verstärkt – eine Reaktion auf die Vorsaison.

Wenn Karlis Plendiskis nicht selbst beim Liegestützepumpen noch verschmitzt grinsen würde, könnte er eine ziemlich furchterregende Erscheinung abgeben. 1,96 Meter groß, Länderspiel-erfahren und hart im Zweikampf – der lettische Innenverteidiger hat schon manchem Stürmer schlaflose Nächte verschafft. Beim Trainingsauftakt des SV Atlas konnte man zumindest bei den spielerischen Übungen erahnen, warum man in ihm den neuen Abwehrchef sieht. „Auch wenn das schon ein hoher Anspruch ist“, wie er bescheiden erklärt.

Der 23-Jährige ist das Herzstück einer Rekrutierungsoffensive, die für den Fußball-Oberligisten praktisch den ganzen Sommer dauerte. Gesucht wurden: Facharbeiter in Sachen Verteidigung. Gefunden wurden: Plendiskis,  Leon Lingerski,  Dennis Mooy und Jannik Vollmer, also vier neue Defensivspieler mit Potenzial und Erfahrung. „Der Konkurrenzkampf in unserer Defensive ist sehr groß in der nächsten Saison. Das war ein großes Ziel“, sagt Sportvorstand Bastian Fuhrken.

Ein ganzes Quartett neuer Verteidiger holt man nicht in jedem Sommer, es ist ein Hinweis auf den schmerzhaften Stachel, den die abgelaufene Saison hinterlassen hat. 46 Gegentore kassierte Atlas in der Oberliga und lag damit ziemlich genau im Durchschnitt – für Delmenhorster Verhältnisse war das aber eine geradezu ehrverletzende Bilanz. Seit der Wiedergründung 2012 hatte Atlas in jeder Saison die beste Defensive gestellt (in vier verschiedenen Ligen) – sie war das Prunkstück des Teams. Unter Coach Jürgen Hahn gab es in der Kreisliga 21, in zwei Bezirksliga-Saisons zusammen 33 und in der Landesliga 32 Gegentore. Sein Trainerkollege Marcel Bragula vom VfL Wildeshausen – Atlas in freundschaftlicher Rivalität verbunden – nannte die Delmenhorster Verteidigung mal „so sicher wie die Bank von England“.

In der Oberliga lief der Betonmischer aber etwas unrund, es gab zwar sieben Zu-Null-Spiele, aber zum Beispiel auch das 2:4 beim VfL Oldenburg Ende März, das einzige Ligaspiel in fünf Jahren unter Hahn mit mehr als drei Gegentoren. Nun haben mit Tom Witte und Hanno Hartmann zwei langjährige Verteidiger das Team verlassen; dass Youngster Marlo Siech nach nur zwei Wochen beim VfB Oldenburg doch zurückkehrte, passte dafür in Hahns Plan: „Wir sind hinten jetzt variabel aufgestellt.“

Für ein Oberliga-Spitzenteam, das Atlas bald werden will, sind 46 Gegentreffer zweifellos zu viel. Die neue Defensive soll Plendiskis anführen, der erst 23 ist, „aber schon ziemlich erfahren“, wie er selbst sagt. Beim Regionalligisten SSV Jeddeloh stand er zuletzt 17 Mal in der Startelf, dass er nun eine Liga tiefer spielt, macht ihm offenbar nichts. „Die Namen in der Regionalliga sind größer. Aber von der Leistung her ist der Unterschied so groß auch wieder nicht“, meint er. „Ich glaube nicht, dass man sich in der Oberliga einfach weniger reinhängen kann.“ Was Trainer Hahn gern hören wird.

Viel wird davon abhängen, wie sich der Defensivverbund aus Neuzugängen und den Verbliebenen um Siech und Mark Spohler in den sechs Testspielen und dem Dionysos-Cup am Sonntag einspielt. Die meisten haben sich am Dienstag ja erst im internen Testspiel gegen die Zweite kennengelernt.