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SV Atlas verliert Topspiel Hahns Plan geht gegen SC Melle nicht auf

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 15.05.2017, 09:01 Uhr

Zwei verletzte Spieler, eine enttäuschende Leistung, null Punkte: Der SV Atlas Delmenhorst hatte am Samstag im Topspiel beim 0:2 (0:1) gegen den SC Melle einen gebrauchten Tag – und ist trotz seiner Tabellenführung nun im Titelrennen (vorerst) im Hintertreffen.

Am Ende eines enttäuschenden Tagesausflugs in das schöne Grönegau konnte Jürgen Hahn zumindest kurz ein wenig lächeln. Auf der Pressekonferenz nach dem Landesliga-Spitzenspiel zwischen dem SC Melle und dem SV Atlas taten dem Delmenhorster Fußball-Trainer die ehrlich gemeinten warmen Worte der SCM-Verantwortlichen zumindest für einen Moment spürbar gut. Doch vor und nach dem offiziellen Teil der Gesprächsrunde konnte auch Jürgen Hahn seine Enttäuschung nicht verbergen. Sie war mehr als verständlich.

Denn ausgerechnet im Topspiel beim Dritten zeigte der SVA eine seiner schwächeren Saisonleistungen. Die Blau-Gelben verloren ihr Auswärtsspiel am Samstag völlig verdient mit 0:2 (0:1) und haben ihre vor diesem Spieltag noch sehr gute Ausgangslage im spannenden Titelrennen wieder verspielt. Atlas ist zwar weiter Tabellenführer. Doch der Zweite BW Lohne, der sein Derby vor 1000 Zuschauern gegen den TV Dinklage mit 4:3 gewann, und Melle haben dank ihrer Nachholspiele vor dem Saisonfinale nun die etwas besseren Karten.

„Melle hat verdient gewonnen. Wir haben gegen einen erfahrenen, cleveren Gegner nicht die Qualitäten abgerufen, die in so einem Spiel nötig sind“, räumte Hahn in seiner Spielanalyse die Niederlage fair ein und sagte: „Unser Plan, hinten gut zu stehen und unsere Tempovorteile auf den Außenbahnen zu nutzen, ist nicht aufgegangen.“

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Vor 610 Zuschauern – darunter 200 Delmenhorster – wurde Atlas zu Beginn beider Halbzeiten kalt erwischt. Melles Freistoßspezialist Yakub Akbayram zirkelte einen 23-Meter-Freistoß aus halbrechter Position mit links zum 1:0 ins untere rechtere Eck (4.). Nach dem Seitenwechsel kam Akbayram nach einem langen Ball über links zum Schuss. Diesen parierte Atlas-Torwart Florian Urbainski noch stark, doch den Nachschuss schlenzte Christopher Leonhardt technisch anspruchsvoll in die Maschen und erhöhte für Melle auf 2:0 (53.).  Direkt vor dem zweiten Gegentreffer hatte Atlas seine beiden einzigen hochkarätigen Möglichkeiten: Erst köpfte Stefan Bruns eine Ecke an das Lattenkreuz, die folgende Flanke fünf Sekunden später vergab Dominik Entelmann per Flugkopfball (48.).

Ein mögliches 1:1 zu diesem Zeitpunkt hätte dem Spielverlauf möglicherweise eine andere Geschichte gegeben. Doch dass Atlas nur bei jenen zwei Situationen zwingend wurde und sonst ruhende Bälle brauchte, um so etwas wie Gefahr zu versprühen, war bezeichnend für den spielerisch schwachen Auftritt der Blau-Gelben. „Bei Standardsituationen mussten wir immer aufpassen. Da war Atlas sehr gefährlich. Dafür haben wir aus dem Spiel so gut wie gar nichts zugelassen“, sagte Melles Trainer Roland Twyrdy und lag mit der Aussage goldrichtig.

Denn die ballsicheren, spielstarken Gastgeber kontrollierten besonders in der ersten Halbzeit das Geschehen – und vor allem deswegen, weil sie im zentralen Mittelfeld um Spielgestalter Ali Ahmet die Oberhand besaßen. „Dort hatten wir keinen Zugriff. Und einige Spieler hatten auch keine gute Form“, sagte Hahn, der bei seiner Kritik keine Namen nannte, damit aber wohl die schwachen Dennis Janssen, Thomas Mutlu und Patrick Degen gemeint haben dürfte.

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Auch Janssen stellte nach Spielschluss ohne Umschweife fest, „dass Melle in Hälfte eins klar besser war. Wir waren einfach nicht griffig. Melle ist aber technisch auch so stark, da musst du überhaupt erst einmal an den Ball kommen.“ Den Abräumer wurmten speziell die beiden Gegentreffer. Das 0:1 bezeichnete er als „Eier-Ding“, beim 0:2 habe sich die Atlas-Abwehr „verarschen“ lassen.

Die Gäste kämpften bis zum Schluss um den Anschlusstreffer, probierten alles und rieben sich in Zweikämpfen auf. Hahn fand die zweite Halbzeit „eine Idee besser“. Doch angesichts eines Verhältnisses von 5:2 bei den klaren Torchancen für Melle war der SVA mit dem Ergebnis sogar noch gut bedient. „Wir haben es geschafft, den Ball am Boden zu halten. Wenn wir dann ins Rollen kommen, sind wir natürlich nur schwer zu stoppen“, machte Twyrdy ein Erfolgsrezept aus.

Obwohl es am verdienten Sieg der Gastgeber nichts zu rütteln gab, hatte Atlas-Trainer Hahn zumindest auch nicht unrecht, als er bei einigen entscheidenden Situationen „fehlendes Spielglück“ für Atlas reklamierte. Den Freistoßpfiff vor dem 0:1 sah er als falsch an, den ersten Gegentreffer fand er „nicht unhaltbar“, bei der Doppelchance für Bruns und Entelmann beklagte er fehlendes Fortune, bei weiteren Standardsituationen kam vor allem Janssen häufig nur einen kleinen Schritt zu spät. Hinzu kamen die frühen verletzungsbedingten Auswechslungen von Torwart David Lohmann (36., leichte Gehirnerschütterung) und Spielmacher Musa Karli (41., leichte Zerrung). Doch den Kern der Begegnung fasste Hahn auf der Pressekonferenz in einem Satz perfekt zusammen: „Melle hat es einfach besser gemacht als wir.“