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Thema Kunstrasenplatz Zoff und Missverständnisse im Delmenhorster Sportausschuss

Von Frederik Böckmann | 19.10.2018, 21:59 Uhr

In der Sitzung des Delmenhorster Sportausschusses diskutieren die Mitglieder Pro und Contra zu einem Antrag der Christdemokraten zur Analyse und Bewertung von Sportstätten – sprich, dem möglichen Bau eines Kunstrasenplatzes. SPD und CDU geraten teilweise heftig aneinander, finden dann aber doch noch einen Kompromiss.

Zumindest seinen Humor hatte Bastian Ernst am Donnerstagabend nicht verloren. „Das ist eine Sternstunde der Demokratie. Wir haben uns geeinigt“, verkündete der Delmenhorster CDU-Ratsherr nach einer Sitzungsunterbrechung im Sportausschuss mit einem gequälten Lächeln. Denn Ernst und seine CDU mussten im Kampf um einen Kunstrasenplatz in Delmenhorst einen Rückschlag hinnehmen. Ein Blick auf eine leidenschaftlich geführte Sitzung.

Die Ausgangslage. Wie in der vorletzten Sitzung des Sportauschusses diskutierten die Mitglieder am Donnerstagabend lange und teilweise sehr emotional über den möglichen Bau eines Kunstrasenplatzes. Der Tagesordnungspunkt 13 hieß: „Analyse zur Auslastung und Bewertung der Sportstätten (Fußball)“. Ernst hatte den Antrag gestellt, dass die Stadt Delmenhorst eine Analyse aller Fußballplätze erstellen soll, die Parameter wie die Auslastung im Trainings- und Spielbetrieb, die Größe der Anlage, Investitionen in den nächsten zehn Jahren und Mängel umfasst. Und als letzten Punkt: Den Wert der Anlage, wenn man das komplette Grundstück in Bauland umwandelt – um damit, so das Ziel in Ernsts Antrag, den Bau von Kunstrasenplätzen zu refinanzieren. (Weiterlesen: „Wo ist der Wille, einen Kunstrasenplatz zu bauen?“)

Das kritisierte die Gruppe SPD und Partner. Die Sozialdemokraten erneuerten ihre Kritik an Ernsts Antrag. Antje Beilemann wiederholte ihre Sorge, in die Autonomie der Vereine einzugreifen. „Das ist der falsche Weg. Wir räumen das Feld von hinten auf“, meinte sie zur möglichen Schließung von Sportanlagen. Beilemann forderte außerdem eine Untersuchung aller Sportarten und Sportstätten, zumal viele Abteilungen wie Turner „als tragende Säulen“ die Fußballer teilweise mitfinanzieren würden. Sie fand außerdem, dass der Impuls zum Kunstrasenplatz-Bau von den Vereinen und nicht der Politik kommen müsse. Mit Blick auf die Arbeit der Verwaltung hätte sie eine Anfrage und keine Analyse für ausreichend gehalten.

Dr. Enno Konukiewitz fand das Ziel des Antrags unklar und fragte, warum die Analyse nur für Fußballplätze und nicht auch für Hallensportarten wie Handball angestrebt werde. Andrea Lotsios vermisste die Kommunikation mit den Aktiven und äußerte die Sorge, dass man den Vereinen die Entscheidung nicht aufdoktrieren könne. Sie fand die Verbindung zwischen Bauland und dem Bau eines Kunstrasenplatzes „sehr schwierig“.

Das sagten die anderen Fraktionen. Uwe Dähne (UAD) fand den CDU-Antrag „sehr gut“. Es sei ein neuer strategischer Denkansatz, der mit einem Zahlenwerk unterfüttert werde. Axel Unger (Bürgerforum/Freie Wähler/Unger) fand den Antrag zwar „alles andere als perfekt“. Er ginge jedoch in die richtige Richtung. Edith Belz (Die Linke) äußerte hingegen die Sorge, ob alle Vereine beim CDU-Antrag im Dialog miteinander seien.

So reagierte die CDU. Antragssteller Bastian Ernst wies Beilemanns Vorwurf, die Verwaltung mit Arbeit zu überlasten, zynisch zurück. „Wir sind nicht hier, um die Verwaltung zu beschäftigen, sondern um Politik zu machen.“ Zu Konukiewitz’ Vorwurf, die Ziele im Antrag seien nicht klar benannt, reagierte Ernst genervt: „Man muss den Antrag nur lesen. Die Ziele sind dort schwarz auf weiß benannt.“ Nämlich eine Konsolidierung der Sportstätten mit folgenden Vorteilen: Bildung von Sportzentren, erleichterte Kooperation der Vereine und: Mit den Einnahmen aus dem Gewinn von Bauland könnten Kunstrasenplätze und bauliche Maßnahmen bei Fußballplätzen refinanziert werden. (Weiterlesen: CDU kämpft weiter um Kunstrasenplatz in Delmenhorst)

Die Frage, warum beispielsweise nicht auch Handball-Hallen mit in die Analyse fließen, beantwortete Ernst so: „Wenn wir Handball-Hallen schließen, können die Handballer ja schlecht auf unseren Fußballplätzen spielen.“ Der Vorwurf, von einem Sportzentrum inklusive Kunstrasenplatz würde besonders der SV Atlas, wo Ernst Vorstandsmitglied ist, profitieren, sei außerdem „Blödsinn“. Er betonte: Die Fußballvereine seien im Dialog miteinander. „Wir wollen nichts schließen, ohne dass alle Vereine davon profitieren.“

Das Ergebnis. Weil sich für Ernsts Antrag keine Mehrheit zu finden schien, einigten sich die Fraktionen auf eine Sitzungsunterbrechung. Mit folgendem Ergebnis: Die Stadt Delmenhorst wird in einer Anfrage beauftragt, im Dialog mit allen Fußball spielenden Vereinen eine Analyse aller Fußballplätze zu erstellen. Sie umfasst die selben Parameter wie beim vorherigen CDU-Antrag – jedoch ohne den Wert der Anlage zu ermitteln, wenn das komplette Grundstück zu Bauland umgewandelt. Es war ein Punkt, den Ernst im Vorfeld noch für unabdingbar hielt, dann jedoch auf die Gruppe SPD und Partner zugehen musste. „Das ist natürlich nicht das Ergebnis, das wir uns erhofft hatten“, räumte Ernst am Tag danach ein. Zumindest als einen „kleinen Erfolg“ bewertete Ernst dieses Ergebnis. „So bleibt das Thema weiter am Leben.“ (Weiterlesen: Die Zeit ist reif für Kunstrasenplätze)

Das sagt der Fußballer. Für Marco Castiglione, Abteilungsleiter beim TV Jahn und einer der Frontmänner bei der Kunstrasen-Initiative der Vereine, fand den Sitzungsverlauf als Zuschauer „nicht überraschend“. Der Ausschuss tue sich unheimlich schwer, Entscheidungen für die Sportler zu treffen – in dieser Legislaturperiode etwa noch gar nicht. Schade fand Castiglione zwei Aspekte. Erstens: Dass Sportler und Sportarten gegeneinander ausgespielt würden. Zweitens: Die gelegentlich nicht ganz sachgerechten Äußerungen zeugten von Missverständnissen und wirkten nicht sachdienlich für mögliche, positive Veränderungen im Sportbereich der Stadt. „Das war sehr sehr unglücklich“, fand Castiglione. Für ihn steht daher fest, „dass wir noch mehr in den Dialog mit den Ausschussmitgliedern treten und unsere Sorgen erörtern müssen“.

Wie geht es nun weiter? Der Punkt, Wertermittlung von Sportplätzen, wenn sie in Bauland umgewandelt werden, ist für Bastian Ernst noch nicht vom Tisch. Er möchte das Thema in den nächsten Planungsausschuss per Anfrage einbringen. Am Donnerstag treffen sich die Fußballvereine bei einer Sitzung, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Danach soll es auch einen Termin mit der Presse geben. Außerdem möchten die Fußballer die Ausschussmitglieder und den Stadtsportbund zu einem Orts-Termin einzuladen, um auf die Probleme bei den Plätzen hinzuweisen. „Wir müssen mehr kommunizieren“, betont Ernst.