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Titel, Trauer und Trennungen Bewegendes Jahr für SV Atlas und TSV Ganderkesee

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 31.12.2016, 11:59 Uhr

Der SV Atlas Delmenhorst jubelt über zwei Meisterschaften und zwei neue Kooperationen, muss sich aber auch mit seinen prügelnden Fans auseinandersetzen. Beim TSV Ganderkesee sorgen der Griff in die Vereinsheim-Kasse, eine Rücktrittswelle und ein neuer Vorstand für Schlagzeilen. 2016 war ein bewegendes Jahr für die beiden Sportvereine.

Im Mittelkreis lagen die Spieler des TSV Ganderkesee und vergossen Tränen über den gerade besiegelten Abstieg, während ihr Trainer Daniel Lachmund um Fassung rang. Keine 100 Meter Luftlinie Entfernung feierten die Akteure der SV Atlas Delmenhorst das 3:2 (1:2) gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Ganderkeseer, nach dem der Meister der Fußball-Bezirksliga II die Schale von Staffelleiter Frank Schulte und Oberbürgermeister Axel Jahnz überreicht bekam. Wer als neutraler Zuschauer an jenem 27. Mai dieses Jahres das Delmenhorster Stadion säumte, der bekam die ganze Palette der Emotionen zu sehen. Hier der Absteiger aus dem Landkreis Oldenburg, dort der Aufsteiger aus Düsternort. Hier großer Frust, dort riesen Jubel. Beim TSV und dem SV Atlas war aber auch außerhalb jenes warmen Frühlingsabends in diesem Jahr eine Menge los.

Bevor der SVA seinen souveränen Bezirksliga-Titel und den ersehnten Aufstieg in die Landesliga feiern konnte, hatte er bereits einen Titel in diesem Jahr in der Tasche – nämlich den des Hallenkreismeisters. Anfang Januar bezwangen die Blau-Gelben den VfL Wildeshausen in einem knappen Endspiel nach Neunmeterschießen. Dieser Pokal schien Atlas noch einmal einen Extra-Kick für die zweite Hälfte der Bezirksliga zu geben, in der die Mannschaft von Trainer Jürgen Hahn souverän und mit 15 Siegen in 15 Heimspielen zur Meisterschaft stürmte. (Weiterlesen: TSV Ganderkesee steigt bei Atlas-Meisterparty ab)

Als sich die Fans des SV Atlas und Kickers Emden prügelten

Wer gedacht hätte, dass Bezirksliga-Titel und Hallenkreismeisterschaft die großen bestimmenden Themen des SV Atlas für dieses Jahr bleiben sollten, der sah sich getäuscht. Denn im zweiten Halbjahr sorgte der Sportverein gefühlt jede Woche für Gesprächsthemen – positive wie negative. In der Landesliga sollte Atlas gleich eine gute Rolle spielen. Nach den prominenten Verpflichtungen im Sommer hofften die SVA-Verantwortlichen in der Sommer-Vorbereitung noch relativ bescheiden auf einen Platz in der oberen Tabellenhälfte. Doch es deutete sich früh an, dass Atlas stark genug ist für einen Platz im oberen Drittel der Liga. Als Tabellendritter hat Atlas sogar reelle Aufstiegschancen, und die Oberliga ist längst kein Tabu-Thema für Vorstand, Trainer-Team und Spieler.

Das erste Spitzenspiel Ende September beim früheren Drittliga-Rivalen Kickers Emden sollte ein Fest für den Amateurfußball werden. Dass Atlas vor 1004 Zuschauern ein 2:4 kassierte, war bitter und lehrreich . Schlimmer waren dagegen die Szenen nach der Partie, als sich Chaoten beider Fanlager prügelten. Atlas verurteilte die Krawalle scharf und verschärfte sein Sicherheitskonzept. Für das Abfackeln von Pyrotechnik aus seinem Fanblock musste der SVA zudem 500 Euro Geldstrafe bezahlen.

U16-Länderspiel in Delmenhorst und Rosenbohm-Rücktritt

Nur zwei Wochen später, am Tag der Deutschen Einheit, machte der SV Atlas dann wieder positiv auf sich aufmerksam. Er war ein vorzüglichlicher Gastgeber beim U16-Länderspiel im Stadion zwischen Deutschland und Österreich (2:0). Die Organisation dieses Events lag da noch in den Händen des Sportlichen Leiters Jörg Rosenbohm. Keine vier Wochen später war dessen 20-monatiges Engagement beim SVA aber beendet. Per Pressemitteilung hatten Atlas und der Oldenburger am 1. November ihre Trennung verkündet – es war ein echter Paukenschlag für den Atlas-Anhang.

Deutlich zufriedener nahmen die blau-gelben Fans dagegen diese drei Meldungen zur Kenntnis: Die Trainer Jürgen Hahn und Marco Büsing verlängern ihre Verträge vorzeitig bis 2019, der SV Atlas kooperiert im Jugendbereich zukünftig mit dem SV Tur Abdin und darf nun im Winter den Kunstrasenplatz des HC Delmenhorst für sein Training nutzen.

Nach der Bistro-Affäre folgt die Rücktrittswelle beim TSV Ganderkesee

Beim TSV Ganderkesee könnte man über die strukturellen Probleme des SV Atlas nur müde lächeln. Einerseits. Andererseits hat der 2200 Mitglieder starke Verein neben dem Bezirksliga-Abstieg der Fußballer und dem folgenden Zwangsabstieg der Reserve aus der Kreisliga zum Teil unfreiwillig eine Reihe von außersportlichen Schlagzeilen produziert. Ein Auslöser dafür waren im April dieses Jahres öffentlich gewordene Unregelmäßigkeiten in der Kasse der Vereinsgastronomie. Rund 17  000 Euro fehlten dort; das Minus ist trotz Ermittlungen der Staatsanwaltschaft immer noch nicht zu erklären.

In den folgenden Monaten gaben viele ehemalige Frontmänner beim TSV Ganderkesee ihren Posten ab. Klubchef Uwe Vogel spürte nach der „Bistro-Affäre“ kein Vertrauen der Mitglieder mehr und trat zurück, dem Geschäftsführer Raphael Riekers wurde gekündigt, der Sportliche Leiter Daniel Lachmund warf hin und auch Uwe Schwager, der Vorsitzende des Fußball-Fördervereins, gab entnervt auf.

Mittlerweile wurden viele Posten beim TSV im Gesamt-Vorstand und auch in der Fußball-Abteilung neu besetzt. Den wichtigesten hat Andreas Dietrich: Der Fußballer und Trainer der zweiten Mannschaft führt den größten Verein der Gemeinde Ganderkesee nach turbulenten Monaten wieder in ruhigen Bahnen. Für ihn ist vor allem Transparenz ein wichtiges Wort. Auch sportlich läuft es bei den Fußballern nicht so schlecht: Die ersten beiden Mannschaften mischen im Titelrennen der Kreisliga und 1. Kreisklasse mit. Ein Doppelaufstieg im Sommer 2017? Es wäre ein passendes Geschenk zum 125-jährigen Vereinsjubiläum im kommenden Jahr.