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Titelsammler am Schachbrett Das Willms-Gymnasium ist Talentschmiede des Schachs

Von Daniel Niebuhr | 07.03.2015, 11:30 Uhr

Das Willms-Gymnasium hat ohnehin eine eindrucksvolle Schach-Tradition, die aktuellen Teams starten aber richtig durch. Sie trumpften bei der Bezirksmeisterschaft auf und wollen nun Landesmeister werden.

Jari Reuker hatte nicht so viel Zeit. Er musste gestern eine Deutsch-Klassenarbeit schreiben und war etwas angespannt; ein paar Minuten hatte er aber doch, um sich ein bisschen feiern zu lassen. Schließlich hatte Schulleiter Stefan Nolting den 14-Jährigen und seine Teamkollegen von den Schachmannschaften des Willms-Gymnasiums persönlich in sein Büro eingeladen – zum Pressetermin.

Also saß Jugend-EM-Fahrer Reuker mit seinen Mitspielern Ben-Luca Petri, Jonas Sinnhöfer, Lev Tarasyuk, Maximilian Rabe, Lilian Sinnhöfer, Erdem Ibal und Eske Albert zusammen an einem Tisch, vor sich die drei jüngst gewonnenen Pokale, und hörte sich die Lobeshymnen der Lehrer und Betreuer an. „Wir haben hier zwei außergewöhnlich talentierte Mannschaften“, schwärmte Nolting: „Diese Schule hat eine große Schach-Tradition. Aber so stark, das hatten wir lange nicht mehr.“

Deutsche Meisterschaft im Visier

Am 18. März gehen die beiden Denksport-Teams der Wettkampfklassen WK3 mit Reuker, Petri, Tarasyuk, Rabe und Jonas Sinnhöfer und WK4 mit Lilian Sinnhöfer, Albert, Ibal und Anton Fink bei der Landesmeisterschaft in Hannover an den Start – aussichtsreich, wie Jonas Sinnhöfer weiß: „Den größten Konkurrenten haben wir schon rausgeworfen.“ Und zwar bei der Bezirksmeisterschaft in Lingen, die sein WK3-Team ebenso gewann wie zuvor den Niedersächsisch-Bremischen Schulschachpokal. „Vielleicht gewinnen wir ja und fahren dann zur DM“, sagt der betreuende Lehrer Martin Kumpmann. 2014 ist das – eine Wettkampfklasse tiefer – schon einmal gelungen.

Mütter und Väter einst im Schach-Team

Das Willms-Gymnasium, das zeigen die Titel einmal mehr, ist eine der größten Schach-Kaderschmieden in Niedersachsen. Die Schulmannschaft existiert seit mehr als 25 Jahren, viele Mütter oder Väter der aktuellen Spieler haben einst selbst dort an den Brettern gesessen. Inzwischen gibt es eine Kooperation mit dem Delmenhorster Schachklub, der natürlich auch davon profitiert. Alle Schulteammitglieder spielen auch für den DSK – in Erwachsenen-Ligen wohlgemerkt. Allerdings mit einer prominenten Ausnahme: Jari Reuker, der Deutschland 2013 bei der Jugend-Europameisterschaft in Montenegro vertrat und „ein Zugpferd“ ist, wie Nolting findet, hat sich dem Landesligisten SK Wildeshausen angeschlossen und spielt dort auch in der Junioren-Bundesliga.

Gute Spieler, gute Schüler

Angefangen haben die meisten Willms-Talente schon in der Grundschule Am Grünen Kamp, die ebenfalls traditionell gute Schachteams formiert. „Viele kommen dann bewusst auf Willms“, erzählt Ulrike Schlüter vom Delmenhorster SK. Der Entwicklung der Jugendlichen täte der Denksport ohnehin gut, sagt Kumpmann: „Es ist tatsächlich so, dass sie praktisch alle hervorragende Schüler sind.“

Und mit so einer talentierten Gruppe gibt man auch gerne an. Als Nolting am Mittwoch eine Gruppe von Ex-Schülern, die ihr 50-jähriges Abiturjubiläum feierten, durch die Gänge führte, erzählte er natürlich von den aktuellen Erfolgen – der Willms-Jahrgang 1965 spendierte den aktuellen Schachspielern daraufhin einen Kinobesuch.