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Torjäger beim TSV Ganderkesee Manuel Carrilho, der Stürmer der alten Schule

Von Frederik Böckmann | 13.11.2015, 09:55 Uhr

Ganderkesees Trainer Daniel Lachmund schwärmt von seinem Torjäger Manuel Carrilho, der eigentlich gar nicht in das System des Fußball-Bezirkligisten passt – und trotzdem trifft.

Eigentlich war im Frühjahr dieses Jahres schon alles fix. Manuel Joao Denis Carrilho wollte zur Saison 2015/2016 den Fußball-Bezirksligisten TSV Ganderkesee verlassen – und sich einem unterklassigen Verein in seiner Heimatstadt Bremen anschließen. Mehr Zeit für die Familie, weniger weite Fahrten. So war der Plan. Eigentlich.

Doch nach dem letzten Heimspiel der vergangenen Saison kam Carrilho etwas bedröppelt nach Hause. In der Hand ein Ganderkeseer Trikot als Andenken, im Kopf die schönen Erinnerungen an zwei erfolgreiche Jahre am Immerweg. Carrilhos Frau spürte, dass ihr Mann mit seiner Entscheidung doch nicht so ganz glücklich war. Also sprachen die beiden länger miteinander und fassten diesen Entschluss: Carrilho geht doch noch eine weitere Saison für den Turn- und Sportverein auf Torejagd.

Ganderkesees Trainer Daniel Lachmund schwärmt von seinem Torjäger

Jetzt, ein paar Monate nach der Rolle rückwärts, sind sie alle zufrieden mit der Entscheidung pro Ganderkesee. Carrilho selbst, sein Trainer Daniel Lachmund und die Mannschaft. „Wir haben ein gute Balance gefunden, die beide Seiten zufrieden stellt“, sagt Carrilho. Denn gerade in den Sommermonaten ist der Gerüstbauer beruflich stark eingespannt, und konnte deshalb auch mal eine Einheit sausen lassen.

Für Lachmund kein Problem, denn er weiß, was er an seinem Angreifer hat. „Manu ist ein fußballverrückter Typ, sportlich und menschlich einfach top, ein absoluter Teamplayer.“ Zumal der 35-Jährige trotz seines fortgeschrittenes Alters für die Mannschaft noch immer wichtig ist – und das Toreschießen nicht verlernt hat.

In dieser Saison netzte Carrilho bereits wieder sieben Mal ein und ist damit auf dem besten Wege, seine Quote aus dem Vorjahr (15 Treffer) mindestens zu egalisieren. Die 32 Tore, mit denen Carrilho in seiner Premierensaison den TSV zum Titel in der Kreisliga schoss, wird der Portugiese nicht erreichen. Doch es sind nicht nur die Zahlen, die Carrilho so wertvoll machen, sondern seine Ausstrahlung und Präsenz auf dem Platz. Wenn es im Ganderkeseer Angriffsspiel gefährlich wird, dann ist der Torjäger in der Regel bei diesne Szenen dabei.

Dabei ist Carrilho in den modernen Zeiten von falschen Neunern, inversen Außenstürmern und schnellem Umschaltspiel eigentlich ein Stürmertyp, der vom Aussterben bedroht ist. Carrilho ist vielmehr ein Angreifer der alten Schule: ein klassischer Strafraumstürmer, ekelig zu verteidigen, nicht unbedingt lauf- und spielstark, dafür aber eiskalt im Abschluss. „Eigentlich passt Manuel auch gar nicht in unser System“, sagt Lachmund und lacht.

Manuel Carrilho schießt Tore am Fließband – nur bei Werder Bremen läuft es nicht rund

Doch der Trainer und der Torjäger haben eine Lösung gefunden, wie Carrilho dem Ganderkeseer Spiel effektiv helfen. Die Nummer 29 wartet nicht vorne auf die zielgenauen Bälle, sondern lässt auch auch gerne fallen, verteilt als Wandspieler die Bälle und zieht vor allem in Strafräumnähe wichtige Freistöße. „So viel Defensiv- und Laufarbeit wie unter Daniel musste ich in meiner Laufbahn noch nie verrichten“, meint Carrilho schmunzelnd. Selbst bei gegnerischen Eckbällen muss der 1,73 Meter kleine Carrilho das eigene Tor verteidigen. „Und das ganz ohne Murren“, lacht Carrilho.

Tore am Fließband hat der in Bremen-Walle lebende Familienvater derweil schon immer geschossen. Sei es bei Union 60, Komet Arsten, in der A-Jugend-Regionalliga beim SC Vahr oder seinem Heimatverein Bremer SV. Nur bei Werder Bremen, wo Carrilho in der D- und C-Jugend kickte, lief es bei ihm nicht ganz so rund für ihn. „Das waren verschenkte Jahre“, meint Carrilho rückblickend.

Das Torjäger-Gen habe er von seinem Vater geerbt, erzählt Carrilho. Nur gegen den SV Atlas, den Carrilho und Co. am Sonntag (14 Uhr) erwarten, hat Carrilho noch nie getroffen. „Das wäre doch jetzt eine gute Gelegenheit für das erste Tor“, findet Carrilho.

Manuel Carrilho fühlt sich beim TSV Ganderkesee pudelwohl

Unabhängig davon wie das Duell gegen den Nachbarn oder der Abstiegskampf am Ende der Saison ausgeht, hat Carrilho seine Zusage für seine dritte Saison beim TSV nicht bereut. „Der Verein, die Fans, das familiäre Umfeld – es passt hier einfach alles. Das ist schon eine Wohlfühlatmosphäre“, schwärmt Carrilho. „Den Schritt nach Niedersachsen hätte ich schon viel eher machen sollen. Die Bremen-Liga ist dazu im Vergleich doch langweilig. Da kommen auch bei Topspielen nur 50 Zuschauer.“

Ob Carrilho noch eine weitere Saison beim TSV Ganderkesee dranhängt, steht noch nicht fest. Das will der 35-Jährige mit seiner Familie im Winter bei einem Brasilien-Urlaub – der Heimat seiner Frau – klären. Doch die Tendenz ist klar: Lachmund und Carrilho würden gerne länger zusammenarbeiten.