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Trainer fühlt sich in Wildeshausen pudelwohl Marcel Bragula: Akribischer Arbeiter und Kumpeltyp

Von Frederik Böckmann | 26.03.2015, 11:05 Uhr

Mit seiner detailverliebten Arbeit hat sich Marcel Bragula in der Fußball-Szene schnell einen guten Namen gemacht. Das Titelrennen mit dem SV Atlas sieht der 41-Jährige zehn Spieltage vor Saisonende noch längst nicht entschieden.

In seiner Laufbahn als Fußballer hat Marcel Bragula einige Trainer erlebt. Gute und schlechte Übungsleiter, emotionale und eher ruhige Vertreter. Mit einem Trainer-Typ konnte sich der Spieler Bragula dabei eher weniger anfreunden. „Wenn ein Coach völlig unvorbereitet zum Training kam, erst einmal die Hütchen aufgestellt und uns Spieler gleichzeitig zu 30 Runden laufen verdonnert hat, war meine Motivation schon gleich im Keller“, erzählt der 41-Jährige.

Seine Akteure stumpf um den Platz laufen lassen? Das würde dem Trainer Bragula nie in den Sinn kommen. Nicht bei seiner ersten Trainer-Station 1999 als A-Jugendtrainer beim FC Dahl Dörenhagen (Ostwestfalen), nicht als Übungsleiter von Auswahlmannschaften der Bundeswehr in den Nuller Jahren, erst recht nicht als Herren-Coach beim VfL Wildeshausen. „Die Spieler“, meint Bragula, „wollen heute beim Training gefordert und gefördert werden.“

Seit 2010 coacht der gebürtige Wildeshauser Bragula, der wegen seines Jobs als Berufs-Soldat schon oft seinen Wohnort wechselte, Herren-Teams im Krandelstadion. Erst für vier Jahre erfolgreich die VfL-Reserve (inklusive Kreisliga-Aufstieg), seit vergangenem Sommer die Bezirksliga-Mannschaft. „Es ist doch ein Traum, diese talentierte Mannschaft trainieren zu dürfen“, schwärmt Bragula. Ein Traum, für den sich der B-Lizenz-Inhaber täglich mit dem VfL und der Liga beschäftigt. Auch in diesen Tagen – nach dem Spiel beim Heidmühler FC (0:0) und vor dem Spitzenspiel am Sonntag (15 Uhr) gegen den SV Tur Abdin – diktiert für Bragula dieser Ablauf seine Woche: Sonntag Spiel, Montag Spielanalyse, Dienstag Training, Mittwoch Spielvorbereitung, Donnerstag Training, Freitag Training, Samstag Gegnerbeobachtung.

Mit Elia einen „kongenialen Partner“ gefunden

Immer an Bragulas Seite: Sein Torwart- und Co-Trainer Marco Elia (39). „Mein kongenialer Partner“, wie Bragula seinen Freund beschreibt. Über die Bundeswehr lernten sich die beiden Fußball-Enthusiasten vor 20 Jahren kennen. Während Bragula früher als Mittelstürmer zwischen Bezirksliga und Kreisliga pendelte, hütete Keeper Elia höherklassig unter anderem für den VfB Oldenburg in der Regionalliga das Tor. Auch in der nächsten Saison stehen beide Trainer für den VfL weiter an der Seitenlinie, vermutlich dann sogar als gleichberechtigte Partner. Denn Bragula wird ab Juli von seinem aktuellen Bundeswehr-Standort Osterholz-Scharmbeck nach Delmenhorst versetzt und wird deshalb beruflich stärker eingespannt sein.

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Das Trainer-Duo beschäftigt sich lieber mit der aktuellen Saison. Und dort hat der VfL trotz des Rückschlags in Heidmühle als Zweiter den Kampf um die Meisterschaft nicht aufgegeben. „Ich denke nicht sieben Tage die Woche an Fußball, um dann nur Vizemeister zu werden“, schickt Bragula eine kleine Kampfansage in Richtung Spitzenreiter Atlas Delmenhorst. Auf verbale Scharmützel mit dem Tabellenführer verzichtet Bragula aber. Vielmehr will er das Titelrennen auf sportliche Art klären. „Ich bin ein Freund des SV Atlas und blicke nicht mit Neid nach Delmenhorst.“ Der SVA habe mit höherklassigen Spielern und guten Leuten im Hintergrund seinen Weg gefunden, der VfL gehe eben einen anderen.

Videoanalyse, Datenbank und Leitsätze

Der sieht so aus: Den talentierten Nachwuchs im Herren-Bereich integrieren, gute Kreisligaspieler zu ordentlichen Bezirksliga-Akteuren formen, starke Einzelkönner noch besser machen. Dafür überlassen Bragula und Elia nichts dem Zufall. Beispiele gefällig? Jedes zweite, dritte Spiel lassen die Trainer filmen, um es später zu analysieren. Erst intern, dann mit der Mannschaft. Dazu führen Bragula und Elia eine Datenbank, in der alle (!) Bezirksliga-Spieler aufgelistet sind. „Wir kennen von jedem Gewicht, Körpergröße oder den schwachen Fuß“, sagt Bragula stolz.

Er sei als Spieler schon fleißig gewesen, dieses Engagement führe er als Trainer („Ich bin eher der Kumpeltyp, kann aber auch strenger werden“) nun fort. Wichtigste Bausteine sind für den früheren Marathonläufer fünf Leitsätze, die jedes VfL-Spiel prägen sollen: ein mitspielender Torwart, Zweikämpfe möglichst ohne Foul führen mit dem Ziel der schnellen Balleroberung, dazu ein geordneter Spielaufbau – um nur drei Beispiele zu nennen.

Höherklassiges Angebot in der Winterpause abgelehnt

Mit seiner akribischen und detailverliebten Arbeit hat sich Bragula in der Fußball-Szene einen guten Namen gemacht. In der Vergangenheit gab es deshalb einige Anfragen. Wie in der Winterpause, als ein Landesligist beim Familienvater anklopfte. Vergebens. Bragula sagt: „Ich fühle mich im Moment in Wildeshausen pudelwohl. Ich war als Spieler kein Wandervogel und bin es auch nicht als Trainer.“ Ausschließen will er einen Wechsel irgendwann zwar nicht. „Ich möchte schon gerne höherklassig trainieren“, sagt Bragula. Am liebsten aber mit dem VfL. „Das ist mein Verein.“