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Trainer im Interview Tur Abdins Coach Keller: Es ist fünf vor Zwölf

Von Daniel Niebuhr | 29.08.2016, 17:12 Uhr

Nach dem Fehlstart in die Fußball-Bezirksliga und dem Absturz auf den letzten Platz analysiert Trainer Stefan Keller vom SV Tur Abdin die Lage.

Eine Fußball-Saison ist lang, für manche beginnt der Abstiegskampf aber schon im August. Nach vier Niederlagen und 19 Gegentoren aus vier Bezirksliga-Spielen ist der SV Tur Abdin völlig unerwartet Schlusslicht, in der Vorbereitung hatten die Delmenhorster noch mit starker Form aufhorchen lassen. Trainer und Sportdirektor Stefan Keller wirkte nach dem jüngsten 3:4 bei Frisia Wilhelmshaven nachdenklich, vor dem ersten Schlüsselspiel am Freitagabend beim ebenfalls sieglosen VfL Oldenburg II klingt Keller mehr als nur besorgt.

Herr Keller, was geht einem durch den Kopf nach so einem Start?

Es ist schon komisch. Man sollte meinen, dass man vor Ärger keinen klaren Gedanken fassen kann. Aber ich bin beängstigend ruhig. Ich sehe die Probleme, nur sind die nicht auf einmal abstellbar.

Besonders die Defensive ist offensichtlich eine Problemzone.

Ich bin ehemaliger Abwehrspieler, von daher schmerzt es besonders, wenn ich sehe, wie unglaublich leicht es ist, gegen uns Tore zu schießen. Aber natürlich verteidigen nicht nur die Abwehrspieler alleine. Es ist eine Kette: Wir lassen zu viele Bälle in die Gefahrenzone zu und sind da dann mit den Gedanken woanders.

Lässt sich das nicht irgendwie im Training beheben?

Naja, zur Feinabstimmung, zu taktischen Dingen komme ich überhaupt nicht. Es sind so einfach Fehler, solche Grundlagen, die fehlen, dass man gar nicht bis ins Detail vordringen kann. Die Spieler können es theoretisch, aber die Umsetzung liegt an jedem selbst. Wenn ich in der Halbzeit in Wilhelmshaven zum Beispiel über klare Aktion spreche, über Konsequenz beim Verteidigen, dann nicken sie alle. Und dann senst in der ersten Aktion wieder einer über den Ball und wir fangen uns einen. Da kannst du nicht gegen an trainieren.

Die individuelle Qualität stimmt auf dem Papier aber eigentlich, oder?

Es sind Dinge, die im Kopf schieflaufen. Ich habe auch keine Erklärung dafür, wie wir in der Vorbereitung eine gute Ordnung haben können und mit dem Anpfiff in der Liga plötzlich alles vergessen. Es ist unheimlich schwer, da wirklich durchzudringen. Vielleicht muss ich mit den Leuten anders reden.

Kann das Spiel in Oldenburg am Freitag zum Wendepunkt werden? Die Oldenburger haben ja auch ihre Probleme.

Das scheint in der Tat eine Mannschaft zu sein, die es auch schwer haben wird. Davor werde ich intern einige Dinge klarstellen. Denn für uns ist es jetzt schon fünf vor Zwölf. In dieser Verfassung sind wir nicht ligatauglich.

Was muss passieren, damit der Knoten platzt?

Wir müssen eine andere Einstellung zum Fußball gewinnen, so einfach ist das. Uns wird kein anderer helfen. Kein Gegner wird aus Mitleid einfach absichtlich vorbeischießen. Rausziehen können wir uns da nur selbst. Ich denke eigentlich, dass die Grundlagen geschaffen wurden. Die Spieler sind in der Pflicht. Natürlich mach ich mir auch Gedanken. Und es klingt immer so abgenutzt: Aber die Spiele werden auf dem Platz gespielt.