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Trend auch bei den Amateuren Die bunte Welt der Fußballschuhe

Von Elisabeth Wontorra | 31.12.2015, 13:20 Uhr

Fußballstars setzen Trends: Sei es mit Frisuren oder Kopfhörern. Für Spieler aus unteren Ligen geht es aber hauptsächlich um ein Thema: die Schuhe. Auch in den Vereinen in und um Delmenhorst wird der immer bunter werdende Trend verfolgt und diskutiert.

Predator, Mercurial, Hypervenom. Für viele Menschen klingen diese Namen nach Filmtiteln. Fußballer aber wissen: Es handelt sich um Schuhe. Wenn Jugendliche mit ihren Eltern neue Treter kaufen und die Mutter sagt „Nimm doch einfach irgendwelche“, verdrehen die Kinder nur die Augen. Schließlich gibt es feine Unterschiede, wie Lionel Messi, Cristiano Ronaldo oder Marco Reus demonstrieren. Nicht nur die Namen werden dabei kreativer, sondern auch die Farben. Von schwarz oder weiß ist nicht mehr viel zu sehen. Bunt lautet die Devise und vor allem: auffallen. Von rot-bronzenem Metallic zu neon-orange. Für jeden ist etwas dabei. Oder?

Jakob Regner fordert mehr Tradition und weniger Kommerz

Jakob Regner vom TV Jahn Delmenhorst steht dieser Modeerscheinung kritisch gegenüber. „Ich bin nicht so überzeugt von den bunten Farben. So etwas tut in der Kreisliga nicht Not“, sagt er. Der Abwehrspieler trägt hauptsächlich schwarze Schuhe – die klassische Variante. „Vor allem bei jüngeren Spielern ist das Kaufargument, dass ein bestimmter Spieler das Modell trägt“, weiß der 27-Jährige. Dafür zahlen vereinzelte Personen in seiner Mannschaft auch über 200 Euro.

Dennoch greift Regner zwischendurch auch zu bunten Farben, aber nur „wenn es sein muss“. Denn der Trend zeigt sich auch in den Sportgeschäften. Nur noch wenige schwarze Modelle stehen zum Verkauf. Regner würde es begrüßen, wenn wieder mehr dezentere Varianten in den Läden stehen würden. „Ich bin für mehr Tradition und weniger Kommerz“, so der Sportler. Regner muss sich öfters neue Sportschuhe kaufen. „Ich verbrauche ziemlich viele. Ich habe keine Ahnung, woran das liegt, vielleicht an meiner Spielweise“, sagt er lachend.

Experte: Jüngere Spieler wählen Schuhe nach Stars aus

Regner ́s Meinung es gäbe zu wenig schwarze Modelle, stimmt auch Horst-Peter Wunderlich zu. Der Mitarbeiter eines Delmenhorster Sportgeschäfts weiß, dass gerade ältere Sportler lieber zu den Klassikern greifen. „Die Jüngeren fragen oft nach einem Modell, das ein Star trägt. Da steht die Optik im Vordergrund und nicht die Passform“, sagt er. Wenn der Schuh nicht richtig sitzt, kann es zu gesundheitliche Folgen kommen.

Trotz guten Zuredens beharren die Kunden meistens auf ihre Wahl. Im Laden selbst wird es immer bunter: „Alle drei Monate bekommen wir neue Farben“, sagt Wunderlich. Denn jedes Geschäft muss sich nach dem Trend richten. Enttäuschungen gibt es bei einigen Kunden dennoch. „Die Modelle von den Profis sind oft so teuer, dass wir sie gar nicht aufführen“, sagt Wunderlich.

Altas-Spieler Kevin Radke trägt schwarze und blaue Fußball-Schuhe

Das Problem bezüglich des Schuhkaufs kennt auch Kevin Radke vom SV Atlas Delmenhorst: „Es gibt kaum noch Schwarze, da folgt man eben automatisch dem Trend.“ Er selbst trägt schwarze und blaue Fußballschuhe. Aber das sei Zufall gewesen. „Die Schwarzen hab ich schon ewig und die anderen habe ich einem Mannschaftskollegen abgekauft“, sagt er. Für den Mittelfeldspieler steht an erster Stelle die Passform. Wenn von den klassischen Modellen keine in der passenden Größe vorrätig seien, dann greife er auch zu den farbigen: „Es bleibt einem dann ja nichts anderes übrig.“

Sonst steht Radke dem Trend gleichgültig gegenüber: „Mir ist das recht egal, solange es nicht zu extrem wird.“ Dennoch findet der 25-Jährige bestimmte Modelle recht „abgefahren“. Wie den EvoSpeed von Puma, der bei der WM 2014 erstmals in Erscheinung trat und die Fußballfans mit seinen zweifarbigen Schuhen begeisterte. Stars haben ihre Vorlieben. Teilweise sehr Extravagante, wie Pierre-Emerick Aubameyang von Borussia Dortmund. Vor seiner Station beim deutschen Bundesligisten spielte er bei AS Saint-Étienne. Dort trug er unter anderem ein Paar Schuhe mit mehr als 4000 Swarovski-Kristallen. Radke sieht selbst das gelassen: „Er bringt ja seine Leistungen.“ Seiner Meinung nach sei es in so einem Fall in Ordnung. Aber: „Wenn Profis ihre Leistungen nicht bringen, dann ist so etwas nur peinlich.“

Ganderkesees Trainer Daniel Lachmund lässt seinen Spielern freie Hand

„Gibt es überhaupt noch schwarze Schuhe?“, fragt sich Daniel Lachmund, Trainer des TSV Ganderkesee, scherzhaft, wenn er an seine 1. Herrenmannschaft denkt. Dort sieht er hauptsächlich Farbige. „Ich bin eher ein Verfechter der herkömmlichen Schuhe, aber es ist mir relativ gleich, was alle tragen“, so der Trainer. Er höre seine Spieler oft über die Sportausrüstung reden, sei es über ihre eigene oder die der Profis. „Es ist auch oft so: Kaum sind neue Modelle raus, dann haben sie die schon.“ Er gewährt dem Team freie Wahl. Ob quietsch-orange oder am linken Fuß blau und am rechten pink, es sei ihm egal. „Wenn sie das Gefühl haben, genau in diesen Schuhen besser zu laufen und zu spielen, dann ist es förderlich diese zu tragen“, sagt Lachmund. Er frage sich, welcher Trend der Profis als nächstes Aufsehen erregt. „Vielleicht geht es dann ja um ihre Unterhosen“, sagt er amüsiert.