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Triathlon-WM 2017 Oliver Sebrantke und Jan Neubauer finishen Ironman auf Hawaii

Von Richard Schmid | 29.10.2017, 07:52 Uhr

Die Triathleten Oliver Sebrantke und Jan Neubauer vom LC Hansa Stuhr haben den Ironman auf Hawaii gefinisht – und sind nach den Strapazen wahnsinnig stolz auf ihre Leistungen nach ihrer sportlichen Tortur. Sie berichten über lange Steigungen und wenig Schatten, einen teuren Start und bunte Fische, ärgerlichen Sonnenbrand und einen Unterwäschelauf für den guten Zweck.

Wenigstens einmal beim legendären Iron Man auf Hawaii starten zu dürfen – das wird vermutlich für die allermeisten Sportler, die sich dem Triathlon verschrieben haben, immer ein nicht zu erfüllender Traum bleiben. Nicht so für Jan Neubauer und Oliver Sebrantke vom LC Hansa Stuhr. Beide qualifizierten sich Mitte August beim Hamburger Iron Man für den wohl extremsten Ausdauerwettkampf, den der Triathlonsport zu bieten hat. Und beide waren nicht nur irgendwie dabei, beide erreichten nach einer elend langen Strecke von 3,84 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen bei brütender Hitze und böigen Winden das Ziel – kaputt, aber überglücklich.

Vor allem Sebrantke, der noch 14 Tage vor seinem Hawaii-Start den Bremen-Marathon auf einem hervorragenden zweiten Platz beendet hatte, überraschte. Mit seiner Zeit von 9:43:32 Stunden lag er bei ungleich schwierigeren Bedingungen nur etwas mehr als 20 Minuten über seiner in Hamburg erzielten Bestzeit. Am Ende bedeutete das Platz 236 von allen 2364 Startern.

In seiner Altersklasse belegte der 41-jährige Ausdauersportler aus Varrel als viertbester Deutscher Platz 32. „Ich bin wahnsinnig stolz, dass ich das geschafft habe“, sagt Sebrantke. Vor allem, weil viele Skeptiker nicht glaubten, dass eine solche Leistung so kurz nach den Strapazen eines Marathons überhaupt zu schaffen sei. „Die 14 Tage nach Bremen waren schon verdammt knapp, aber nach den Erfahrungen jetzt hätte ich mich schon geärgert, wenn ich nicht beides angegangen wäre“, erzählt Sebrantke.

Jan Neubauer macht die Hitze zu schaffen

Auch Jan Neubauer schaffte es ins Ziel. Aber im Gegensatz zu seinem Vereinskollegen machte dem Bremer die Hitze doch deutlich mehr zu schaffen. Nach 10:42:58 Stunden kam er ins Ziel. Erschöpft, aber glücklich, der Herausforderung getrotzt zu haben. „Klar habe ich mir zeitlich mehr erhofft, aber ich bin mehr als zufrieden, es geschafft zu haben“, sagt Neubauer, der sich mit dieser Leistung am Ende auf Platz 809 aller Teilnehmer wiederfand.

Begonnen hatte das Abenteuer Hawaii nach einer Flugdauer einschließlich der Umsteige- und Wartezeiten von gut und gerne 24 Stunden. Wer nun meint, danach wären erstmal ein paar Tage relaxen angesagt gewesen, sah sich getäuscht. Lag doch zwischen Ankunft im hawaiianischen Kona und dem Start gerade mal eine Woche.

Sich dem Jetlag hinzugeben war also nicht möglich, zumal bereits am ersten Tag ein gemeinsames Einschwimmen aller Teilnehmer auf dem Programm stand. Zudem hatte vor dem eigentlichen Wettkampf der Veranstalter noch ein Spaßevent im Angebot: ein Unterwäschelauf quer durch Kona für einen guten Zweck.

Ironman-Start ein teures Vergnüngen

Selbstredend, dass die beiden Stuhrer Triathleten sich diesen Spaß nicht entgehen ließen und jeweils 25 Dollar Startgeld für die Sportförderung von Kindern gerne berappten. Apropos Startgeld: Um überhaupt in Hawaii starten zu können ist neben der sportlichen Qualifikation erstmal ein Obolus von 1000 Dollar fällig. Fürwahr kein billiges Vergnügen. „Ohne Sponsoren ist das gar nicht zu schaffen, zumal ja auch noch Flug, Unterkunft, Mietauto und noch so einiges mehr an Kosten auf einen zukommen“, berichtet Sebrantke.

Am 14. Oktober war es dann endlich soweit. Für Sebrantke, der mit seiner Freundin etwas außerhalb von Kona ein Appartement bezogen hatte („In Kona gibt es nirgendwo eine ruhige Ecke, da ist überall Remmidemmi“) war die Nacht um halb vier zu Ende. Neubauer, der in Kona mit seiner Familie Quartier bezogen hatte, durfte zwei Stunden länger das Bett hüten.

Start mit 2500 weiteren Triathleten

Pünktlich um sieben Uhr standen dann die beiden Triwölfe neben weiteren 2500 Triathleten am Start und stürzten sich in das angenehm warme Wasser des Pazifischen Ozeans. Allerdings, ein gemütliches, stressfreies Schwimmen war es nicht, wie Sebrantke berichtet „Das war bei dem Gewusel vor allem nach dem Start und bei den Wendebojen ein ständiges Hauen und Stechen“, erzählt er. Gleichwohl hat er ebenso wie Neubauer das Schwimmen sehr genossen: „Glasklares, sauberes Wasser, angenehm temperiert. Unter mir zahlreiche bunte Fische. Das war trotz Wettkampfstress, einfach nur schön.“

Gut zwei Minuten nach Neubauer entstieg Sebrantke nach einer Schwimmzeit von etwa 1:12 Stunden den Fluten. 180 Kilometer Radfahren standen als nächste Herausforderung vor den Athleten. 180 Kilometer durch wüstenähnliches Gelände, über endlos lange Steigungen, kaum Schatten, kurzum für jeden Normalsterblichen eine Tortur. Bereits nach gut 60 Kilometern fuhr Sebrantke auf Neubauer, den eigentlich besseren Radfahrer, auf und überholte ihn letztendlich.

Jan Neubauer stellt den Sparmodus an

„Ich hatte schon bessere Tage auf dem Rad. Aber dieser Hitze war mein Körper nicht gewachsen“, erzählt Neubauer. Das zeigte sich dann auch beim abschließenden Marathonlauf. „Ich hatte von Anfang an das Gefühl, der Körper kann so nicht mehr mithalten.“ Sparmodus war angesagt, denn eins wollte Neubauer unbedingt: Das Ziel in Kona erreichen. Auch Sebrantke musste den Temperaturen weit über 30 Grad sowie der hohen Luftfeuchtigkeit Tribut zollen. „Ich habe mich verdammt schwergetan. Die letzten 20 Kilometer bin ich fix und fertig gewesen“, sagt er.

Doch am Ende ging für die beiden Triwölfe alles gut. Sie erreichten das Ziel und beide waren nach den Strapazen voll zufrieden. „Mir hat mein Muskelkater viel weniger zu schaffen gemacht als der Sonnenbrand“, sagt Sebrantke schmunzelnd. Beide genossen noch ein Woche Hawaii und nutzten die Zeit zum Entspannen und Relaxen. „Egal mit welcher Zeit du hier finisht: Jeder, der ins Ziel kommt, ist ein Gewinner“, bilanzierte Sebrantke.