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TV Jahn Delmenhorst Vivien Endemann, das Talent mit Torriecher

Von Klaus Erdmann | 23.11.2018, 08:27 Uhr

Die siebzehnjährige Vivien Endemann spielt bei den Regionalliga-Fußballerinnen des TV Jahn Delmenhorst eine starke Saison. Nach zehn Einsätzen in den Punktspielen bereits zehn Treffer zu Buche. Die Dinklagerin profitiert von ihrer dreieinhalbjährigen Ausbildung beim SV Werder Bremen.

Vivien Endemann besucht ein Gymnasium. „Ich gehe in die elfte Klasse und will 2021 mein Abitur machen“, sagt sie. Die 17-jährige hat die Reifeprüfung fest im Blick. Seit Saisonbeginn spielt sie für die Regionalliga-Fußballerinnen des TV Jahn. Wer die Auftritte des Talents beobachtet, stellt schnell fest, dass der fußballerische Reifeprozess auf Hochtouren läuft. Sie avancierte schnell zu einer Stammspielerin und sorgt (nicht nur) als Torjägerin für Aufsehen. „Wir freuen uns darüber, dass sie bei uns ist“, betont Jahn-Abteilungsleiter Bernd Hannemann. Nach Gesprächen, die er mit Vater Werner Endemann geführt hat, wechselte die junge Spielerin im Sommer vom SV Werder Bremen zum Zweitliga-Absteiger.

Die gebürtige Lohnerin startete ihre Fußball-Laufbahn als Fünfjährige beim TV Dinklage. „Anfangs war mein Vater mein Trainer“, sagt sie, die stets in Mädchenmannschaften spielte. Das vorbildliche Engagement, mit dem sich die Werderaner dem Mädchen- und Frauenfußball widmen, blieb Endemann nicht verborgen. „Ich habe in Bremen ein Probetraining gemacht.“ Talent und Verein fanden zueinander und die Spielerin blieb dreieinhalb Jahre bei den Grün-Weißen.

Die Zeit an der Weser ging mit beachtlichen Fortschritten einher. Endemann wurde eine feste Größe, verweist auf 14 Einsätze in Bremer U14-, U16- und U18-Auswahlteams. „Über die Ausbildung bei Werder kann man sich nicht beschweren“, stellt sie fest. „Vivien wurde bei Werder super ausgebildet“, unterstreicht Hannemann.

„Ich hätte auch bei Werder II in der Regionalliga spielen können, aber das wäre zu zeitaufwendig gewesen“, nennt die Fußballerin einen Grund für ihren Wechsel. Diesen bereut sie nicht: „Ich bin super aufgenommen worden.“ Den teilweise großen Altersunterschied merke man „nicht so“.

Wie beurteilt sie, die meistens von ihrem Vater zum Training und zu den Spielen gefahren wird, ihrer bisherigen Leistungen? Antwort: „Es geht immer noch besser. Aber es freut einen als neue Spielerin, wenn man mit Toren helfen kann.“ Auf Endemanns Konto befinden sich zehn Punktspiele und 892 Einsatzminuten. Und zehn Treffer, die beweisen, dass das Talent einen Torriecher besitzt, und die ihr in der Liste der Regionalliga-Torjägerinnen hinter der elfmal erfolgreichen Alina Witt (Henstedt-Ulzburg) Platz zwei bescheren.

Zwei dieser zehn Tore hat Endemann Sonntag beim 8:2 der Delmenhorsterinnen gegen den TuS Büppel erzielt. „Das 8:2 ist bestimmt noch mal ein Motivationsschub“, sagt sie mit Blick auf den bislang eher durchwachsenen Saisonverlauf. Endemann: „Nach dem Abstieg aus der 2. Liga hat es sich jeder besser vorgestellt. Aber wir hatten Verletzungspech.“ Bei Holstein Kiel bestreiten Jahns Frauen am Sonntag, 14 Uhr, das letzte Spiel des Jahres. Wenn alles gut läuft, überwintert der aktuelle Tabellensiebte im oberen Drittel.

In vorderster Reihe fühlt sich die die Dinklagerin wohl: „Ich habe früher auf der Sechser-Position und außen gespielt, aber zur Zeit spiele ich am liebsten im Zentrum.“ Letzte Saison B-Juniorinnen-Bundesliga, aktuell Frauen-Regionalliga – fiel ihr die Umstellung schwer? Antwort: „Natürlich ist es ein großer Sprung. Aber als ich bei Werder Bremen zum älteren Jahrgang gehörte, habe ich auch schon Spiele für die Frauen gemacht und Regionalliga-Luft geschnuppert.“

Spätestens seit Peggy Marchs Hit wissen wir, dass man mit 17 noch Träume hat. Wie sieht es in dieser Hinsicht bei der Neuen des TV Jahn aus. „Natürlich ist es ein Traum, in der Zweiten Liga oder Bundesliga zu spielen“, sagt Vivien Endemann. Es ist ihr zuzutrauen, das sie diesen Traum verwirklicht – nach Beendigung des Reifeprozesses.