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TV Neerstedt Torwart Christoph Kuper beendet seine Laufbahn

Von Lars Pingel | 14.05.2017, 12:01 Uhr

Das letzte Spiel der Oberliga-Saison 2016/2017 war auch das letzte Handballspiel von Christoph Kuper. Der 34-jährge Torwart des TV Neerstedt beendete seine Laufbahn.

Nach dem letzten Schlusspfiff gab es vom Konkurrenten große Anerkennung und eine besondere Geste. Im Kabinengang der Halle am Sportplatz in Neerstedt machte sich Olaf Abshagen, Torwart des Oberliga-Meisters und Drittliga-Aufsteigers ATSV Habenhausen, auf die Suche nach Christoph Kuper. Der Keeper des gastgebenden TV Neerstedt hatte zuvor maßgeblich dafür gesorgt, dass die Bremer mit einer 29:30-Niederlage aus ihrer so erfolgreichen Saison 2016/2017 gingen. Kuper hatte, an seinem 34. Geburtstag, mit dieser ganz starken Leistung noch ein dickes Ausrufezeichen hinter seine 17-jährige Karriere im Männer-Bereich gesetzt, in der er einige Kapitel der Handball-Geschichte im Landkreis mitgestaltet hatte. Abshagen wollte das Trikot von Kupers letztem Spiel mitnehmen – und bekam es im Tausch gegen seines. „Mit dem Tag bin ich wahnsinnig zufrieden“, sagte Kuper in Oldenburg ein paar Tage nach der Partie. „Das war ein schönes Abschlussspiel.“

Kuper macht sich selbstständig

Dort in Oldenburg, genauer an der Alexanderstraße, ist der Hauptgrund dafür zu finden, dass Kuper keine Würfe mehr abwehren wird. In frisch renovierten, hellen und freundlichen Räumen standen die letzten Vorbereitungen auf dem Programm, eine eigene Praxis zu eröffnen. Von Montag, 15. Mai, an ist der Physiotherapeut und Heilpraktiker in dieser für seine Patienten da. „Ich möchte einfach am Wochenende frei haben“, erklärte Kuper den Entschluss, künftig nicht mehr im Handball-Tor zu stehen.

Früher im Spiel als erwartet

Mit dem Spiel gegen Habenhausen endete Kupers vierte Saison im TVN-Trikot. Nicht zuletzt „Kuper, Kuper“-Sprechchöre nach seinen Paraden trugen dazu bei, dass diese Partie auch für ihn zu einer besonderen wurde. „Ich finde es großartig, dass die Leute anerkennen, was man geleistet hat“, lobte der 34-Jährige die TVN-Fans. Er war viel früher auf dem Parkett erschienen als geplant. Eigentlich sollte Lukas Oltmanns, der das Oberligateam ebenfalls aus beruflichen Gründen verlässt, die erste Halbzeit durchspielen, Kuper dann die zweite. Die beiden hatten mit Stammtorwart Hendrik Legler ein starkes Gespann gebildet. Doch Oltmanns knickte bereits in der dritten Minute um, musste ausgewechselt werden. Kuper kam. „Ich brauchte schon ein paar Minuten, um reinzukommen“, erzählte er. Dann lief es aber perfekt.

Kuper hatte sich schon im zurückliegenden Sommer dazu entschlossen, aus beruflichen Gründen in der Saison 2016/2017 etwas kürzer zu treten. Die Gelegenheit, sich selbstständig zu machen, sei dann sogar noch früher entstanden, als er gedacht hatte. Er nahm sie wahr – und war erst recht froh über die gewonnene Zeit. Viele Termine und jede Menge Arbeit, bei der er von seinem Bruder Thomas Kuper unterstützt wurde, verhinderten immer wieder die Teilnahme an Trainingseinheiten. Verlernt, das zeigte das Habenhausen-Spiel noch einmal, hat er deshalb nichts. Christoph Kuper weiß aber, dass er fortan noch weniger Zeit für Übungseinheiten haben wird. Dazu kam eben der Wunsch nach freien Wochenenden – vor allem für seine Familie. Die Konsequenz: Er machte Schluss. Nach unzähligen Oberligaspielen und einer ganzer Reihe von Begegnungen in der dritthöchsten Spielklasse.

Zwei Aufstiege in dritthöchste Spielklasse

Als Fünfjähriger kam Kuper zu den Mini-Handballern der TSG Hatten-Sandkrug. „Ins Tor bin ich so reingestolpert“, sagte er. Ein Trainer hatte die Idee, ihn mal Würfe abwehren zu lassen. „Ich konnte das wohl ganz gut“, erzählte Kuper. „Und ich habe daran immer Spaß gehabt.“ Das galt für viele Gegner seiner Mannschaften, die er mit seinen Paraden entnervte, nur bedingt. Mit der B-Jugend der TSG wurde er Oberliga-Meister und Zweiter der Norddeutschen Meisterschaft. Mit 17 kam er zu ersten Einsätzen im Männerteam der Sandkruger, mit dem er dann als Oberliga-Meister 2004 in die Regionalliga (damals die dritthöchste Klasse) aufstieg. Nach drei Spielzeiten ging es zurück in die Oberliga. Dort wurde die TSG 2009/2010 Vizemeister, stieg in die nun auch so genannte 3. Liga auf, konnte sich dort aber nicht behaupten. 2012 verließ Kuper den Club, schloss sich für eine Saison dem Verbandsligisten TvdH Oldenburg an und wechselte dann zur Saison 2013/14 zum TVN. „Das war im Nachhinein eine gute Entscheidung“, sagte er noch – und machte sich wieder an die Arbeit in seiner Praxis.