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Veränderte Prioritätenliste SC Rote Teufel Ganderkesee sind auf gutem Weg

Von Klaus Erdmann | 22.12.2015, 22:45 Uhr

Der Fußballverein SC Rote Teufel Ganderkesee wurde am 11. April 2011 gegründet. Das habe sich als richtig erwiesen, erzählt Trainerin und Sozialpädagogin Jutta Lobenstein. Sie zieht ein positives (Zwischen)-Fazit. Ihre Mannschaft tritt in der 5. Kreisklasse an.

Jutta Lobenstein schmunzelt. „Heute geht es beispielsweise darum, ob wir mit zwei Spitzen spielen. Diese Frage hat sich vor einigen Jahren nicht gestellt.“ Sie, die seit 1979 als Sozialpädagogin bei der Lebenshilfe Delmenhorst und Landkreis Oldenburg arbeitet und Trainerin des SC Rote Teufel Ganderkesee ist, liefert mit diesem Beispiel einen Beleg dafür, dass sich die Prioritätenliste bei den Fußballern verändert hat.

Natürlich schwebt nach wie vor der Begriff „Inklusion“ (Teilhabe, Zugehörigkeit, Barrierefreiheit) über dem Projekt, das längst Vorbildcharakter erlangt hat. Doch mittlerweile ist die Inklusion innerhalb der Mannschaft, die in der 5. Kreisklasse spielt, in den Vordergrund gerückt.

Erstes Turnier macht Mut

Vor ziemlich genau sieben Jahren – am 27. Dezember 2008 – beteiligten sich die Fußballer mit mentaler Behinderung auf Einladung der SG Bookhorn erstmals an einem Turnier, an dem ansonsten ausschließlich Vertreter aus Kreisklassen teilnahmen. Lobenstein: „Das erste Turnier hat uns Mut gemacht.“ Man habe den Schritt zur „absoluten Inklusion“ machen wollen. „Anschluss an einen Verein oder eigener Verein?“ Diese Frage stellte sich für die Lebenshilfe-Fußballer schon bald. Am 11. April 2012 wurde der SC Rote Teufel Ganderkesee gegründet. „Wir haben alles richtig gemacht“, stellt die Delmenhorsterin fest.

Beim Einstieg in die 5. Kreisklasse – 2012/13 – gehörten nur wenige Spieler ohne Behinderung zum Team. „Heute“, sagt Lobenstein, „sind es zu 50 Prozent Behinderte und zu 50 Prozent Nicht-Behinderte.“ Bei der Nominierung Nicht-Behinderter stehe sie vor der „Qual der Wahl“.

Warum schließen sich Spieler ohne Behinderung den „Teufeln“ an? Die Sozialpädagogin hat sich diese Frage gestellt und drei Antworten gefunden: „Sie sehen uns als ganz normalen Fußballverein. Das Projekt gilt als hochgradig interessant, sie tragen den Inklusionsgedanken und nehmen Niederlagen in Kauf. Und einige haben keinen Bock auf Leistungsstress.“

Die Haltung anderer Teams habe sich geändert. Früher, als man sich noch nicht am Punktspielbetrieb beteiligt habe und auch während der Anfangszeit in der 5. Kreisklasse, sei man „besonders beachtet“ worden Lobenstein: „Das ist nun anders. Und das ist positiv.“ Aber es gibt auch negative Beispiele: „Vereinzelt zeigen Spieler einen sehr hohen Frust, wenn sie gegen uns verlieren. Das schockt mich immer noch. Und ich mache seit 35 Jahren Behindertenarbeit.“

Schon elf Punkte gesammelt

Der SC Rote Teufel spiele – während der vierten Saison – in einem „normalen Fußballkreis“. Und innerhalb dieser Region sei die sportliche Inklusion erreicht. Lobensteins (Zwischen-)Fazit fällt positiv aus. In der 5. Kreisklasse hat die Mannschaft elf Punkte gesammelt – so viele waren es nach der gesamten letzten Spielzeit, die das Lebenshilfe-Team als Schlusslicht beendete. „In dieser Saison wollen wir nicht Letzter werden“, nennt Jutta Lobenstein das Ziel. Noch ein Beleg für die veränderte Prioritätenliste.