Ein Angebot der NOZ

Viele Tore, wenig Karten Die Frauen-Kreisliga hat viele Attraktionen

Von Daniel Niebuhr | 22.12.2016, 09:44 Uhr

In der Kreisliga der Fußballerinnen ist Platz vier so wertvoll wie nie. Dabei mischt eine der besten Torjägerinnen des Landes mit – und eine Mannschaft mit fünf Aushilfstorhüterinnen.

Matthias Tytko war neu bei den Frauen, deshalb muss man ihm seine anfänglichen Experimente verzeihen. Im Sommer übernahm der durch einen Achillessehnenriss gehandicapte Fußballer die Damen des TuS Vielstedt in der Kreisliga, nach der Vorbereitung stellte er seine beste Spielerin erst einmal ins Zentrum – kluge Idee so weit, nur leider hieß diese Spielerin Merle Janine Behrens und war 43-fache Torschützin der Vorsaison. Mit ihr im Mittelfeld gab es prompt vier Pleiten in fünf Spielen, Tytko zog Behrens daraufhin lieber wieder in die Spitze vor – und sie dankte es ihm mit Toren am Fließband. Mittlerweile steht sie schon wieder bei 31 Treffern und liegt damit niedersachsenweit auf Platz fünf. „Und das, obwohl sie dauernd auf die Socken kriegt“, wie Tytko erklärt.

Neue Kreisliga mit den Nachbarkreisen

Die Vielstedterinnen rollen das Feld seitdem von hinten auf und träumen bei sieben Punkten Rückstand noch von Platz vier, der in dieser Saison wichtiger ist als jemals zuvor – denn die zweit- bis viertplatzierten Teams erreichen die neue Kreisliga, in der auch die Besten der Kreise Vechta und Cloppenburg spielen werden. Noch aber sind sich nicht alle einig, was bei dieser Aussicht überwiegt: die Freude über den sportlichen Reiz oder der Ärger über die weiten Fahrten.

Jahn III noch im Rennen – auch ohne Torwart

Akut wird diese Frage für den TV Jahn III, der Fünfter ist und im Frühjahr nur einen Punkt Rückstand aufholen muss. Und auch will, wie Trainer Andreas Matzdorf eindeutig klarstellt: „Sollen wir jetzt absichtlich schlechter spielen, damit wir nicht in die neue Liga müssen? Natürlich wollen wir Platz vier erreichen, das ist ein großer Anreiz.“

Jahns Weg ist allerdings beschwerlich, denn die Delmenhorsterinnen schlagen sich bereits die ganze Saison über ohne Torfrau durch. Fünf verschiedene Spielerinnen streiften sich schon die Handschuhe über, manche Aushilfen aus oberen Mannschaften, andere Feldspielerinnen, die nicht rechtzeitig weggeschaut hatten. Unter anderem freute sich Merle Janine Behrens darüber, die beim Vielstedter 8:0 gegen Jahn III siebenmal traf.

Mal Elf gegen Elf, mal Neun gegen Neun

Mit 46 Toren stellt Vielstedt ohnehin die zweitbeste Offensive, übertroffen nur noch von den 60 Treffern des Tabellenführers FC Huntlosen, der mit den zwei beziehungsweise drei Punkten zurückliegenden Nachbarn VfL Wildeshausen II und Ahlhorner SV um die Meisterschaft kämpft. Nicht alle Statistiken sind allerdings vollständig belastbar, denn in der Frauen-Kreisliga wird nicht immer Elf gegen Elf gespielt, sondern manchmal auch – was in der neuen Kreisliga nicht mehr erlaubt sein wird – Neun gegen Neun über das gesamte Feld. Vielstedt und die SG Bookhorn hatten schon vor der Saison Neunerteams gemeldet, andere liefen mal zu Neunt und mal zu Elft auf, wie Schlusslicht BSV Benthullen. Oft entscheidet sich das erst kurzfristig, doch Ärger gibt es deswegen nie. „Wir wollen doch alle Spaß haben“, sagt Holger Grützmacher, der bei der SG Falkenburg/Kickers Ganderkesee ein Elferteam traininert. Überhaupt geht es friedlich zu: Drei Platzverweise gab es in 67 Spielen – alle drei gegen die Sportfreunde Littel.

Am Ehrgeiz mangelt es jedoch nicht, manchmal sei das „schlimmer als bei den Männern“, findet Vielstedts Coach Tytko: „Wenn sich die Mädels reinbeißen, dann richtig.“ Für ihn gilt das auch, die sieben Punkte Rückstand auf Rang vier schocken ihn nicht: „Wir sind stark genug.“ Und eine ziemlich gute Stürmerin haben sie auch.