Ein Angebot der NOZ

Vielseitigkeit 2015 in Aachen Sandra Auffarth ist mit erstem Tag zufrieden

Von Lars Pingel | 14.08.2015, 08:00 Uhr

Die 28-jährige Vielseitigkeitsreiterin Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee hat nach dem ersten Tag der Vielseitigkeit in Aachen ein positives Fazit gezogen. Sie zeigte mit Opgun Louvo („Wolle“) am Donnerstag eine starke Dressur. Im Springen fing sie sich dann zwar vier Fehlerpunkte ein, zog später aber trotzdem ein positives Fazit. Die Entscheidung fällt an diesem Freitag.

Nein, sagte Sandra Auffarth, das habe weder sie noch Wolle gestört. Zum vierten Mal war die 28-jährige Vielseitigkeitsreiterin vom RV Ganderkesee nach Aachen gereist, um dort an der internationalen Prüfung teilzunehmen, die in der zweithöchsten Schwierigkeit, auf Drei-Sterne-Niveau, ausgetragen wird. Da in der Soers aber seit Dienstag alle anderen Reitsportler ihre Europameister ermitteln, gehört die Vielseitigkeit 2015 mit ihrem Nationenpreis nicht zum traditionsreichen CHIO, sondern ist so etwas wie ein EM-Rahmenprogramm mit Weltklassesportlern. Das bedeutete aber, dass diese an diesem Donnerstag an ungewohnter Stelle auftraten. Statt im Dressur- und im Hauptstadion starteten sie in der Dressur und im Springen im Stadion 2, in dem für gewöhnlich Gespannfahrer Wettbewerbe austragen. Das ist sehr weitläufig und hat einen Grasboden. In einem Dressurviereck ist die Unterlage allerdings in aller Regel mit Sand bedeckt. „Der Boden war so super, dass kaum ein Unterschied zu merken war“, erklärte Auffarth, die nach den zwei Teildisziplinen im Einzel mit 37,20 Strafpunkten Sechste ist und mit dem Team im Nationenpreis auf Platz eins liegt, warum sie und ihre Mitstreiter den Zuschauern hochklassigen Sport bieten konnten. „Außerdem kennen Vielseitigkeitspferde so etwas.“

Die pferdesportlichen Dreikämpfer suchen ihre Kontinental-Meister übrigens vom 10. bis 13. September in Schottland.

Ingrid Klimke liegt vorn

Die Aufgaben des ersten Wettkampftags in Aachen meisterte Ingrid Klimke am besten. Die Münsteranerin erhielt für ihre Dressur mit Escada 78,59 Prozent, das sind umgerechnet für die Vielseitigkeit 32,10 Punkte. Ihre Führung verteidigte sie dann mit einem Null-Fehler-Ritt im Springen. Zweite ist Holly Woodhead aus Großbritannien mit Lupison (34,30) vor dem Australier Andrew Hoy mit Cheeky Calimbo (34,50).

Zweitbeste Dressur

Auffarth und Opgun Louvo, den sie Wolle nennt, hatten die zweitbeste Note der 43 Dressuren erhalten, die die Wertungsrichter beurteilten. 77,89 Prozent bedeuteten 33,20 Punkte. Das war wiederum die stärkste Wertung für die deutsche Equipe. Im Teamwettkampf werden die drei besten Ergebnisse pro Disziplin der Vierer-Teams addiert, die die Nationaltrainer nominiert haben. Der deutsche Chefcoach Hans Melzer benannte für die Aachener Konkurrenz außer Auffarth auch Klimke – aber mit Horseware Hale Bob (37,00 Punkte nach zwei Disziplinen) –, Michael Jung (Horb) mit Halunke (43,90) und Dirk Schrade (Sprockhövel) mit Hop and Skip (47,60) an. Nach der Dressur hatte das Quartett 110,10 Punkte auf dem Konto und lag bereits vorn. Zweiter war Großbritannien (118,6) vor Neuseeland (121,20).

Deutsches Team verteidigt Führung

Im Springen verteidigten das deutsche Team seinen Vorsprung, doch die Konkurrenz rückte nah heran. Vor allem die Neuseeländer (121,20), für die Jonelle Price mit Faerie Danimo, Tim Price mit Wesko und Mark Todd mit Campion fehlerfreie Ritte in die Wertung brachten. Für „den Spitzenreiter“ (118,10) schaffte das nur Klimke. Jung, Schrade und auch Auffarth fingen sich in dem anspruchsvollen Parcours jeweils für eine gefallene Stange vier Fehlerpunkte ein. Trotzdem, der Bundestrainer beendete den Tag lächelnd. „Wir sind eigentlich zufrieden“, sagte Melzer. „Wir hatten zwar ein paar Abwürfe, aber das war kein Desaster. Und die Dressur war sehr gut.“ Dritter ist Großbritannien (123,60).

„Besondere Atmosphäre“

Der Fehler in der dreifachen Kombination, der sie in der Gesamtwertung ein wenig zurückwarf, störte auch Auffarth nicht. „Ich bin super zufrieden“, bestätigte sie. Seit Juni hatte sie Wolle geschont, weil er sich eine Hufprellung zugezogen hatte. Die Freude, endlich wieder antreten zu können, habe sie ihm deutlich angemerkt, sagte die Doppel-Weltmeisterin, die vor einem Jahr in Aachen gewonnen hatte (nach Platz vier und zwei). „Er war nach dieser Pause übermotiviert“, erzählte Auffarth. „Das darf und kann man ihm aber nicht übelnehmen. Dazu kommt, dass die Atmosphäre in Aachen immer ganz besonders ist. Ich hatte das Gefühl, dass er am liebsten alle Sprünge auf einmal nehmen wollte.“

Entscheidung am Freitag

Auffarth freut sich auf die Geländeprüfung, in der an diesem Freitag die Entscheidung fällt. Es sei eine schöne Strecke „auf super Geläuf“. Möglichst schnell und möglichst fehlerfrei wolle sie sie bewältigen, sagte sie.

Ein Pferd hatte aber doch auf das Dressurviereck auf Gras reagiert. Designer, der Hengst von Bettina Hoy (Warendorf), biss, nachdem die beiden eingeritten waren und die Reiterin die Richter gegrüßt hatte, einmal ins knallgrüne Gras. Dann lieferte er eine gute Leistung ab. Das Paar belegt Rang 19.