Ein Angebot der NOZ

Vielseitigkeit 2016 in Luhmühlen Sandra Auffarth und Wolle sind Deutsche Meister

Von Lars Pingel | 19.06.2016, 14:30 Uhr

Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee und ihr Wolle sind Deutsche Meister 2016 in der Vielseitigkeit. Die 29-jährige Reiterin gewann mit dem französischen Wallach Opgun Louvo in Luhmühlen die Drei-Sterne-Prüfung. In der Vier-Sterne-Konkurrenz war Andreas Dibowski aus Döhle mit It‘s Me siegreich.

Mehrere Tausend Zuschauer, die rund um den Turnierplatz in Luhmühlen saßen und standen, wurden an diesem Sonntagnachmittag gegen 15.40 Uhr still. Nur noch der Hufschlag von Wolle war zu hören. Er war mit seiner Reiterin Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee auf dem Weg zu den letzten drei Hindernissen im Springparcours. Das war die technisch anspruchsvollste Passage – und Auffarth und Wolle waren das letzte Paar, das sie in Angriff nahm; sie beendeten die viertägige Veranstaltung in Luhmühlen. Es ging um den Sieg in der internationalen Drei-Sterne-Vielseitigkeitsprüfung und um den deutschen Meistertitel. Die Bergedorferin und der französische Wallach meisterten Oxer, zweifache Kombination und noch einen Oxer genauso souverän wie die acht Hindernisse mit elf Sprüngen zuvor. Schon Wolles letzte Landung ging im Jubel der Reitsportfans unter. „Fantastisch“ schwärmte der Stadionsprecher. Die 29-Jährige und ihr Pferd, in dessen Geburtsurkunde der Name Opgun Louvo steht, holten bei ihrem ersten DM-Start den Titel und lagen mit ihren 32,70 Strafpunkten auch in der internationalen Gesamtwertung auf Platz eins.

Titelverteidiger auf Platz drei

Zweite in der Prüfung und in der DM wurde Ingrid Klimke aus Münster mit Horseware Hale Bob (36,80). Auf Rang drei in der DM-Wertung ritt Titelverteidiger Andreas Ostholt aus Warendorf mit Pennsylvania. Mit seinen 46,50 Punkten wurde er in der internationalen Wertung Vierter. Dort belegte Tim Lips aus den Niederlanden mit Bayro N.O.P. den dritten Rang (43,50).

Auffarth ist „total zufrieden“

„Das war ein ganz, ganz tolles Wochenende“, sagte Auffarth. „Wir hatten hier überall super Bedingungen.“ Turnierplatz, Abreite- und Trainingsplätze und die Geländestrecke – alles sei perfekt gewesen. Klar, dass auch das sportliche Fazit positiv ausfiel. „Ich bin natürlich mit allen drei Teildisziplinen total zufrieden“, sagte Auffarth. „Wolle ging eine tolle Dressur, war im Gelände hochmotiviert und auch im Springen wieder supergut.“

Die 32,70 Strafpunkte hatte Auffarth am Freitag aus der Dressur mitgenommen. Ihr Ritt war mit 78,17 Prozent bewertet worden. Damit lag sie bereits in Führung, die sie dann am Samstag mit einer glänzenden Leistung im Gelände verteidigt hatte.

Bergedorferin beweist Nervenstärke

Am Sonntag musste Auffarth warten, bis 30 Paare – die bis dahin auf Platz drei liegende Belgierin Karin Donckers verzichtete – durch den Parcours gegangen waren. Als sie und Wolle auf den Turnierplatz ritten, kam ihnen eine strahlende Ingrid Klimke entgegen, die Horsware Hale Bob für eine Null-Fehler-Runde feierte. Das bedeutete, dass sich Auffarth und Wolle keinen Hindernisfehler leisten durften. Was dachte sie in diesem Moment? „Ich mache mich mit so etwas nicht verrückt. Ich weiß, dass ich einen guten Springer habe, trotzdem kann ein Fehler immer passieren. Aber hier Zweite zu werden, wäre ja auch nicht dramatisch gewesen“, antwortete die Deutsche Meisterin, nachdem sie als achte Starterin das Springen ohne Strafpunkte beendet hatte.

Dibowski siegt in der Vier-Sterne-Prüfung

Andreas Diboswski aus Döhle und sein zwölfjähriger Wallach It‘s Me haben an diesem Sonntagmittag die Vier-Sterne-Prüfung des internationalen Wettbewerbs in der Lüneburger Heide gewonnen. Mit einem fehlerfreien Springen verteidigte Dibowski mit 43,80 Fehlerpunkten seine Führung, die er nach dem Geländeritt und der Dressur innehatte. Zweiter wurde der Franzose Maxime Livio mit Qalao des Mers (44,90). Er war ebenfalls ohne Fehler durch den Springparcours gekommen. Das gelang auch Julia Krajeweski aus Warendorf mit Samourai du Thot, die damit ihre erste Prüfung auf höchsten Niveau auf Platz drei (49,00) beendete.

Dibowski von seinem Erfolg überrascht

Dibowski atmete nach seinem Ritt ersteinmal tief durch. „Ich, das Team und die Besitzer können noch gar nicht so recht glauben, dass wir mit einem so kleinen Pferd hier gewonnen haben“, sagte er. It‘s Me sei nur „ein bisschen über 1,60 Meter“ groß. Hinzu kam, dass der Zwölfjährige einige gesundheitliche Probleme überwinden musste, ehe er in den großen Vielseitigkeitssport einsteigen konnte. Dort habe er sich dann in diesem Jahr aber etabliert. „Er hat mir da draußen ein sehr sicheres Gefühl gegeben“, sagte Dibowski über seinen Ritt. „Er kann eigentlich nicht so hoch springen, aber er weiß es nicht.“

Starke Premiere auf Vier-Sterne-Niveau

Hoch und fehlerfrei gesprungen war auch Krajewskis fanzösischer Wallach Samourai du Thot, der so die Vier-Sterne-Premiere mit seiner 27-jährigen Reiterin gekrönt hatte. „Wenn er so springt, weiß ich: Er macht keinen Fehler, dann kann ich vorwärts reiten“, sagte Krajewski, die sich am Sonntag noch vom vierten auf den dritten Rang verbessert hatte.

Auffarth gehört zum engsten Anwärterkreis auf Olympia-Start

Der Blick auf die Ergebnislisten beider Prüfungen sorgte bei Bundestrainer Hans Melzer für gute Laune. „Damit muss man zufrieden sein. Mehr geht nicht. Die Form der Reiter war überragend“, sagte er. Das Turnier galt als wichtiger Test in der Sichtung des Kaders für die Olympischen Spiele. Gestern stellte Melzer dann noch die Longlist mit Rangierung vor, die die Arbeitsgruppe Spitzensport des Deutschen Olympiade Komitees für Reiterei aufgestellt hat. Unter den ersten Vier, die „Stand jetzt nach Rio sollen“, sind Auffarth und Wolle. Außerdem gehören Michael Jung (Horb), der nicht in Luhmühlen war, mit fischerTakinou, fischerRocana oder La Biosthetique Sam, Klimke mit Horseware Hale Bob und Ostholt mit So is et dazu. Als erste Reserve wurden Bettina Hoy (Rheine) mit Designer, Krajewski mit Samourai du Thot und Dirk Schrade (Sprockhövel) mit Hop and Skip benannt, als zweite Reserve Claas Hermann Romeike (Nübbel) mit Cato und Dibowski mit It’s Me. Die endgültige Nominierung wird nach dem CHIO in Aachen (8. bis 17. Juli) vorgenommen, erklärte Melzer.