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Vielseitigkeit in Luhmühlen Sandra Auffarth liegt nach Geländeritt vorn

Von Lars Pingel | 18.06.2016, 15:15 Uhr

Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee hat ihre Führung in der internationalen Vielseitigkeitsprüfung in Luhmühlen verteidigt. Ihr gelang am Samstagmittag mit Opgun Louvo („Wolle“) in der Drei-Sterne-Konkurrenz ein fehlerfreier Geländeritt. Im Vier-Sterne-Wettbewerb hat sich Andreas Dibowski aus Döhle mit It‘s Me auf den ersten Platz vorgeschoben.

Der letzte von 33 Sprüngen, die sie in den 24 Hindernissen der 3471 Meter langen Geländestrecke der Drei-Sterne-Prüfung in Luhmühlen absolviert hatten, lag fünf, sechs Galoppsprünge hinter Sandra Auffarth und ihrem Wolle. Ein Lächeln huschte über das Gesicht der 29-jährigen Vielseitigkeitsreiterin vom RV Ganderkesee; wenige Sekunden und noch einige schnelle, entspannte Galoppsprünge später strahlte sie. Der Sprecher hatte die Zeit bekannt gegeben, in der Auffarth und der 14-jährige Wallach am Samstag die zweite Teildisziplin beendet hatten: 6:24 Minuten. Zehn Sekunden unter der vorgegebenen „Bestzeit“. Das bedeutete, dass sich Wolle wie schon nach der Dressur eine große Einheit Streicheleinheiten verdient hatte, denn er und seine Reiterin liegen weiterhin auf Platz eins, da ihnen auch kein Hindernisfehler unterlaufen war. So blieb es bei den 32,70 Strafpunkten, mit denen Auffarth am Freitag die Führung in der internationalen Gesamtwertung und in der deutschen Meisterschaft, die ebenfalls in diesem Wettbewerb ausgetragen wird, übernommen hatte. Die Entscheidung fällt an diesem Sonntag im Springen.

Auffarth muss Wolle sogar bremsen

Auffarth lobte nach dem Ritt ihr Pferd. „Er zog gut durch“, sagte sie über Wolle, der Opgun Louvo getauft worden war: „Er ist sehr motiviert. Das war eine richtig gute Runde.“ Zu der souveränen, beeindruckenden Geländerunde hatte sie aber natürlich auch einen großen Teil beigetragen.

Wie motiviert Wolle die zweite Teildisziplin angegangen war, zeigte sich bereits am Start. „Ich habe ihn vor dem ersten Sprung gebremst, damit er nicht wie aus der Pistole geschossen losstürmt“, erzählte Auffarth. Anschließend durfte Wolle einige Zeit lang (fast) alleine das Tempo bestimmen. „Vor Sprung fünf, der ersten technischen Aufgabe, habe ich ihn wieder aufgenommen.“ Die beiden bewältigen diese und alle folgenden sehr beherrscht und völlig sicher. Die Bergedorferin musste Wolle sogar noch einmal ein wenig zurückhalten. „Im DHL-Complex war er etwas übermotiviert“, erzählte Auffarth grinsend und fügte sofort hinzu. „Er ist schön frisch vorwärts gegangen.“ Und so setzte sie ihr Vorhaben glänzend in die Tat um. „Mein Plan war es, in der Zeit zu bleiben“, erzählte sie.

Ingrid Klimke auf Platz zwei

Ähnliches gelang am Samstag nur noch Ingrid Klimke. Die Münsteranerin war mit Horseware Hale Bob die andere Reiterin, die die vorgegebene Zeit einhalten konnte. Sie war nach 6:33 Minuten im Ziel, Hindernisfehler hatte auch sie nicht gemacht. Klimke verbesserte sich mit 36,60 Minuspunkten vom dritten auf den zweiten Platz, den sie natürlich auch in der DM-Wertung innehat. „Bobby hat alles richtig gemacht. Er lief immer schön sein Tempo“, lobte sie den zwölfjährigen Oldenburger.

Belgierin Karin Donckers rückt vor

Alle anderen der 43 Teilnehmer, die auf die Strecke gegangen waren, fingen sich Fehlerpunkte für das Überschreiten der Zeit ein. Sieben schieden dort aus. Nur zwei Strafpunkte kassierte die Belgierin Karin Donckers mit Fletcha van‘t Verahof. Mit nun 43,30 Strafpunkten verbesserte sie sich vom sechsten auf den dritten Platz. Der Australier Andrew Hoy, der mit Cheeky Calimbo nach der Dressur Zweiter war, fiel nach einer Verweigerung auf den 25. Platz zurück.

In der Gesamtwertung liegt der Niederländer Tom Lips mit Bayro N.O.P. (43,50) auf Rang vier. Es folgen Bettina Hoy aus Rheine mit Designer (45,00) und Stephanie Böhe aus Döhle mit Haytom (45,30), die damit in der DM die Plätze drei und vier belegen.

Führungswechsel in der Vier-Sterne-Prüfung

In der Vier-Sterne-Prüfung hat Andreas Dibowski aus Döhle am Samstag die Führung übernommen. Mit It‘s Me bewältigte er die 6500 Meter lange Geländestrecke ohne Hindernisfehler und blieb nur eine Sekunde über der vorgegebenen Zeit von 11:10 Minuten. Mit den 0,4 Strafpunkten, die er dafür erhielt, steht er vor dem abschließenden Springen an diesem Sonntag bei 43,80 Minuszählern. „Keiner, und ich schon gar nicht, hat damit gerechnet, dass ich mit diesem Pferd hier vorn liegen könnte“, sagte er. Der zwölfjährige Wallach habe aber bereits das ganze Jahr über konstante Leistungen gezeigt. Er habe mit ihm darauf hingearbeitet, dass er in Luhmühlen topfit starten kann, erklärte Dibowski. Das habe sich bereits in der Dressur ausgezahlt. Es sei die beste gewesen, „die er bisher präsentiert hat.“ Mit 43,80 Strafpunkten war er vor dem Geländeritt Vierter.

18 Paare ohne Hindernisfehler

Dibowski lobte zudem den Parcoursbauer Mark Phillips. „Der Kurs war sehr fair gebaut“, sagte Dibowski. „Mit klaren Linien und klaren Aufgaben.“ Jeder Reiter habe für sein Pferd einen optimalen Weg finden können. 18 der 28 gestarteten Paare beendeten die Geländeprüfung ohne Hindernisfehler, zwei schieden aus. 

Hinter Dibowski belegt der Franzose Maxime Livio mit Qalao des Mers (44,90) den zweiten Rang. Dritter ist der Neuseeländer Tim Price mit Ringwood Sky Boy (46,20).

Krajewski freut sich über gelungene Premiere

Derweil störte es Julia Krajewski aus Warendorf ganz und gar nicht, dass sie am Samstag vom ersten auf den fünften Rang zurückgefallen war. Sie und ihr zehnjähriger französischer Wallach Samourai du Thot starten in Luhmühlen zum ersten Mal in einer Prüfung der höchsten Schwierigkeits. Am Freitag war sie nach einer starken Dressur mit 39,00 Fehlerpunkten als Führende aus der ersten Teildisziplin gegangen. Dass sie sich im Gelände einige Zeitfehler einhandeln würde, hatte sie einkalkuliert: „Ich bin es so angegangen, dass Sam mit einem guten Gefühl ins Ziel kommt.“ Das sei ihr gelungen. „Er war dort ganz frisch“, sagte die 27-Jährige.

Nervosität legt sich schnell

Zehn Strafpunkte waren es nach der schön gerittenen Geländerunde ohne Hindernisfehler, die Krajewski auf 49,00 Zähler und den fünften Rang brachten. „Ich würde lügen, wenn ich nein sagen würde“, antwortete sie auf die Frage, ob sie vor dem Start nervös gewesen sei. „Das hat sich aber gelegt, als ich losgeritten bin.“ Im Ziel war dann die Freude groß. „Ich bin so stolz auf mein Pferd“, sagte Krajewski, Mitglied der Perspektivgruppe der deutschen Reiterlichen Vereinigung.