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Vielseitigkeit Luhmühlen 2017 Sandra Auffarth und Wolle nach Geländeritt auf Rang sechs

Von Lars Pingel | 17.06.2017, 18:01 Uhr

Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee und ihr Wallach Wolle (Opgun Louvo) belegen nach dem Geländeritt der Drei-Sterne-Püfung 2017 der internationalen Vielseitigkeitsprüfung in Luhmühlen den sechsten Platz. Ingrid Klimke (Münster) war derweil mit einer falsch berechneten Zeitvorgabe gestartet. In dieser und in der Drei-Sterne-Prüfung liegte Bettina Hoy (Rheine) in Führung.

Der Sprecher, der die Geländeprüfung der Drei-Sterne-Prüfung des internationalen Vielseitigkeitswettbewerbs in Luhmühlen für die sehr vielen Zuschauer, die am Samstag auf das Turniergelände in der Lüneburger Heide gekommen waren, moderierte, geriet ins Schwärmen: „Eine super Runde“, rief er schon, als Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee mit ihrem Wolle, der mit seinem Taufnamen Opgung Louvo angekündigt wurde, auf die letzten beiden Hindernisse der 3810 Meter langen Strecke zugaloppierte. Die beiden bestätigten diesen Eindruck dann allerdings glänzend. Sie meisterten die letzten drei Sprünge ebenso souverän wie die 30 anderen in 21 weiteren Hindernissen. Nach 6:42 Minuten waren sie im Ziel, eine Sekunde über der vorgegebenen Zeit. „Ich bin absolut zufrieden“, sagte Auffarth. „Wolle hat das super gemacht.“

Auffarth mit 36,20 Minuspunkten

Für die Zeitüberschreitung erhielt Auffarth 0,4 Strafpunkte. Damit hat sie nach der zweiten Teildisziplin 36,20 Minuszähler auf ihrem Konto. Sie belegt den sechsten Rang - in der Gesamtwertung und in der Rangfolge der deutschen Meisterschaft, die ebenfalls in dieser Prüfung vergeben wird. Von Platz sechs aus war die 30-jährige Bergedorferin  nach der Dressur, die am Donnerstag und Freitag ausgetragen worden war, auch ins Gelände gegangen. „Ich habe es zu Beginn etwas ruhiger angehen lassen“, erzählte sie. Nach den ersten Hindernissen habe sie Wolle auf den Galoppstrecken volles Tempo laufen lassen. „Vor den Hindernissen habe ich ihn dann wieder aufgenommen, damit er wusste, dass die Aufgaben kommen, die er konzentriert lösen muss. Das hat sehr gut geklappt.“ Dass eine Sekunde zur Null-Fehler-Runde fehlte, ärgerte sie „schon ein bisschen, weil es mich einen Platz gekostet hat“.

Bettina Hoy souverän in Führung

Ohne die Strafpunkte wäre die Doppel-Weltmeisterin und DM-Titelverteidigerin auf den fünften Platz vorgerückt. Den hat Julia Krajewski (Warendorf) mit Chipmunk FRH mit 36,00 Minuspunkten inne. Sie hatte den Geländeritt ebenfalls in 6:42 Minuten absolviert. Vierter ist Olympiasieger Michael Jung (Horb) mit seinem Nachwuchspferd Star Connection (35,60). Die Ränge zwei und drei belegt Ingrid Klimke (Münster). Mit Weisse Düne verdrängte sie sich mit einem hindernis- und zeitfehlerfreien Geländeritt selbst von zweiten Platz nach der Dressur. Mit der Holsteiner Stute weist sie 32,70 Minuspunkte auf, mit Horseware Hale Bob sind es 33,30 nachdem sie 2,00 Strafzähler für das Überschreiten der vorgegebenen Zeit erhalten hatte. 

Klar in Führung liegt Bettina Hoy aus Rheine mit dem elfjährigen Wallach Seigneur Medicott. Sie kam ohne Strafpunkte aus dem Gelände, sodass sie mit ihrem Dressurergebnis von 26,30 Minuspunkten in das abschließende Springen geht. Das beginnt an diesem Sonntag nach einer Verfassungsprüfung um 11 Uhr im Stadion auf dem Turniergelände.

Auffarth freut sich über Wolles gute Form

Auffarths Fazit fiel positiv aus. „Es hat riesengroßen Spaß gemacht, hier zu reiten. Die Strecke war sehr gut, und es waren viele Leute da“, sagte sie: „Ich bin sehr glücklich, dass Wolle in so guter Form ist.“ Sie war mit dem französischen Wallach nach dessen Verletzungspause erst vor zwei Wochen in die Saison gestartet. Wolles gute Verfassung war in der flüssigen, souveränen und problemlosen Geländerunde deutlich zu sehen. Zum Beispiel an einem „Meßmer-Teich“ genannten Hinderniskomplex mit vier Sprüngen. „Im ersten Wasser hat er einfach einen Galoppsprung weniger gemacht. Das kann er eben. Das ist Wolle“, sagte Auffarth lachend.

Ingrid Klimke mit falschem Zeitplan

Ingrid Klimke war zunächst mit Horseware Hale Bob auf die Geländestrecke gegangen. Nach 6:46 Minuten war sie im Ziel, das brachte ihr die zwei Strafpunkte ein. Zunächst zu ihrer Überraschung, wie sie später erzählte. Die Frage warum, war dann aber schnell geklärt. Die Münsteranerin war mit einem Zeitplan, den sie mit einer falschen Voraussetzung erstellt hatte, gestartet. Das gestand sie lachend. 

Klimke benutzte für ihre Vorbereitung eine spezielle App auf ihrem Smartphone, mit der sich per GPS sehr genau sogenannte Minutenpunkte festlegen lassen. Sie zeigen, wo der Reiter wann sein muss, um die vorgegebene Zeit einhalten zu können. Die wird in die App eingegeben, ehe der Kurs abgelaufen wird. Das Programm, in dem dieser gespeichert ist, errechnet dann die Minutenpunkte. Diese App habe sie bereits am Donnerstag verwendet, als sie mit vielen deutschen Reitern die Strecke besichtigte, erzählte die 49-Jährige. Allerdings hatte sie eine Richtzeit von 6:50 Minuten eingegeben. „Die hatten wir am Donnerstag im Internet gefunden“, sagte Klimke. Dort war diese bei der Vorstellung des Kurzes aber mit dem Zusatz „ca.“ versehen worden.

Klimke war also erst „sehr zufrieden“ als sie mit Horseware Hale Bob im Ziel angekommen war, dann verblüfft - und bekam zu allem Überfluss auch noch ein wenig Stress als klar war, warum sie die Strafpunkte erhalten hatte. „Ich habe die Minutenpunkte an alle Reiter verteilt, die mit mir die Strecke besichtigt hatten“, erzählte Klimke. Nun galt es, alle zu warnen. Für Christoph Wahler (Bad Bevensen) kam das zu spät. Er war kurz nach Klimke gestartet. Im Ziel hatte er sich kurz über eine Zeit von 6:49 Minuten gefreut, die sich dann aber doch nicht als Punktlandung herausstellte, sondern ihm 3,20 Strafpunkte einbrachte. Das Mitglied der Perspektivgruppe am DOKR in Warendorf geht mit Green Mount Flight als 36. (58,70) in die letzte Teildisziplin.

Kein Vorwurf an Veranstalter

Auf der offiziellen Startliste des Geländeritts am Samstag war eine Richtzeit von 6:41 Minuten aufgeführt. Klimke machte den Veranstaltern dann auch keinen Vorwurf. „Wir hätten selber nachgucken müssen“, sagte sie. Einige Reiter aus dem deutschen Team hätten das ja auch gemacht. Andere wiederung hätten an der gemeinsamen Besichtigung nicht teilgenommen und eigene Pläne aufgestellt. Die anderen - außer Wahler - wurden noch rechtzeitig informiert.

Klimke zieht trotzdem positives Fazit

„Man macht doch immer wieder noch mal einen solchen Anfängerfehler“, staunte Klimke und fügte sofort hinzu: „Das passiert mir nie wieder.“

Klimke erklärte, dass die Drei-Sterne-Prüfung in Luhmühlen für Horseware Hale Bob ein „Motivationsturnier“ ist. Weil sie mit dem 13-jährigen Oldenburger Mitte Mai im britischen Badminton in einem Vier-Sterne-Wettkampf, dem höchsten Schwierigkeitsgrad, angetreten war (9.), sollte er in der Lüneburger Heide „locker gehen“ und ein „bisschen durchschnaufen“. Trotzdem, es wäre angesichts der guten Form des Wallachs kein Problem gewesen, die 6:41 Minuten einzuhalten, sagte Klimke: „Ich habe Bobby immer wieder gebremst.“ In der Gesamtwertung büßte sie mit ihm trotz der Strafpunkte nur einen Platz ein. Den zweiten Rang übernahm sie dann ja selbst, weil ihr mit der achtjährigen Weisse Düne noch ein fehlerfreier Ritt gelang. Deshalb fiel ihre Abschlussbilanz nach dem Geländetag völlig positiv aus: „Ich habe wirklich Spaß gehabt.“

Geringe Abstände im Vier-Sterne-Wettbewerb

Nach den 53 Teilnehmern an der Drei-Sterne-Prüfung starteten am Samstag 46 Sportler in den Vier-Sterne-Wettbewerb der 60. Auflage der Vielseitigkeit in Luhmühlen in ihre Geländeprüfung. Auch in dieser wird Bettina Hoy als Führende in das entscheidende Springen gehen, das an diesem Sonntag um 13.45 Uhr beginnt. Mit dem 13-jährigen Designer hat sie nach Dressur und einer Null-Fehler-Runde über die 6378 Meter lange Geländestrecke mit 30 Hindernissen mit 45 Sprüngen 36,00 Minuspunkte auf ihrem Konto. Am ersten Wasser-Hindernis, dem „Meßmer-Teich“ hatte sie zwar einige Probleme, bewältigte sie aber akrobatisch und, lobte sie, vor allem dank der Hilfe ihres Pferdes: „Ich habe etwas gezögert, Designer hat das dann sehr gut gemacht.“ Klar, dass sie hochzufrieden war. „Ich bin sehr erfeut über meine beiden Pferde“, sagte sie. 

Julia Krajewski ist „total glücklich“

Julia Krajewski tritt in Luhmühlen ebenfalls in beiden Konkurrenzen an. In der Vier-Sterne-Prüfung ist sie mit Samurai du Thot mit 37,00 Minuspunkten Zweite. Die 29-Jährige hatte den Geländeparcours ohne Hindernis- und Zeitfehler absolviert. „Ich bin total glücklich, dass das so toll geklappt hat“, sagte sie.

Ohne Strafpunkte blieb im Gelände auch Nicola Wilson aus Großbritannien mit Bulana (38,70), die sich vom vierten Rang nach der Dressur auf Platz drei vorschob. „Das ist Bulanas erster Vier-Sterne-Start“, erklärte sie. „Ich bin sehr stolz auf sie.“ Sarah Bullimore aus Großbritannien ist mit Lilly Corinne (39,30) Vierte.