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Vielseitigkeit Luhmühlen 2017 Sandra Auffarth und Wolle starten in Drei-Sterne-Prüfung

Von Lars Pingel | 13.06.2017, 15:02 Uhr

Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee startet mit ihrem französischen Wallach Opgun Louvo, den sie Wolle nennt, in der Drei-Sterne-Prüfung des internationalen Turniers 2017 in Luhmühlen. Es beginnt an diesem Donnerstag, 15. Juni, mit der Dressur.

Etwa 3790 Meter ist der Weg lang, den Sandra Auffarth an diesem Mittwochmittag etwas außerhalb von Luhmühlen, einem Ortsteil von Salzhausen, in der Lüneburger Heide zu Fuß zurücklegen wird. Die Doppel-Weltmeisterin in der Vielseitigkeit vom RV Ganderkesee kann dort ab 12.30 Uhr zum ersten Mal die Geländestrecke der internationalen Drei-Sterne-Kurzprüfung (CIC***) besichtigen. Die Konkurrenz beginnt am Donnerstag, 15. Juni, 8.30 Uhr, mit der ersten Teildisziplin, der Dressur. Die wird am Freitag ab 8.30 Uhr fortgesetzt. Der Geländeritt steht dann am Samstag ab 9.15 Uhr im Zeitplan, das abschließende Springen am Sonntag ab 11 Uhr. In dem Drei-Sterne-Wettkampf geht es auch um die Deutsche Meisterschaft. 2016 hatte Auffarth mit ihrem französischen Wallach Wolle, der in Luhmühlen aber mit seinem Taufnamen Opgun Louvo angekündigt werden wird, die Prüfung und damit den DM-Titel gewonnen.

Sandra Auffarth muss sich auf neue Strecke einstellen

Auffarth – und alle anderen Teilnehmer – schauen sich die Aufgaben der zweiten Teildisziplin ihres Wettkampfs immer sehr genau an, um in dieser gut vorbereitet zu starten. An diesem Mittwoch ist das trotzdem etwas Besonderes. Die 30-jährige Bergedorferin muss sich in Luhmühlen auf eine im Vergleich zu den Vorjahren wohl deutlich veränderte Strecke einstellen. „Es gibt einen neuen Parcoursbauer. Es wird spannend, sich das Gelände anzugucken“, bestätigt Auffarth. Der Brite Mike Etherington-Smith hat seinen Landsmannn Mark Phillips als Parcourschef fürs Gelände abgelöst. Philipps war zwölf Jahre lang für den Aufbau zuständig. „Ich glaube, dass ich in Großbritannien schon einmal auf einer Strecke geritten bin, die von Mike Ehrerington-Smith gestaltet wurde. Das ist aber lange her“, erzählt Auffarth. „Ich weiß daher nicht, worauf er besonderen Wert legt.“

Neuer Parcourschef mit viel Erfahrung

Etherington-Smith übernahm die Aufgaben des Parcourschefs vor der 60. Auflage der Veranstaltung in Luhmühlen, für die außer der Drei-Sterne- auch eine Vier-Sterne-Prüfung ausgeschrieben wurde. Reitsportler aus 16 Nationen haben sich dafür angemeldet. Der neue Parcourschef bringt viel Erfahrung mit: Er war unter anderem für die Strecken der Olympischen Spiele in Sydney (2000) und Hongkong (2008) sowie für den Kurs der Weltreiterspiele in Kentucky (2010) verantwortlich.

Auffarth möchte auch in Aachen starten

Auffahrt geht optimistisch in die Prüfung in Luhmühlen, da Wolle in sehr guter Form sei. „Ich werde schon versuchen, vorne mitzumischen“, sagt sie. „Allerdings ist die Zeit im Gelände manchmal sehr knapp. Deshalb werden wir dort schauen, was geht“, fügt sie angesichts der verspätet begonnenen Saisonvorbereitung, weil sich Wolle das Griffelbein gebrochen hatte, hinzu. Sie bestritt mit ihrem Paradepferd, mit dem sie außer der Einzel- und Team-WM (2014) auch Mannschaftsgold (2012) und -silber (2016) sowie Einzel-Bronze (2012) bei Olympischen Spielen gewonnen hat, erst am Pfingstwochenende im niederländischen Rendswoude den ersten Wettkampf im Jahr 2017 (CIC**). Daher werden Auffarth und Wolle auch nicht an der Europameisterschaft in Strzegom (17. bis 20. August) teilnehmen. Die Bergedorferin richtet den Blick stattdessen bereits ein wenig auf die Weltreiterspiele 2018, die in Tryon in den USA ausgetragen werden. Um sich dafür qualifizieren zu können, müssen Auffarth und Wolle laut der Vorschriften des Weltverbands FEI zuvor den Geländeritt einer langen Prüfung (CCI) auf Drei- oder Vier-Sterne-Niveau ohne Fehler bewältigen. „Wann und wo ich das angehen werde, steht noch nicht fest“, sagt Auffarth. Ein weiterer Start ist aber zumindest in Planung: „Ich würde nach Luhmühlen gerne in Aachen starten.“ Die Vielseitigkeit (20. bis 22. Juli) des CHIO ist auch eine Kurzprüfung.

Eine von sechs Vier-Sterne-Prüfungen

In Luhmühlen wird an diesem Wochenende, ebenfalls von Donnerstag bis Freitag, auch eine lange Prüfung auf dem höchsten, dem Vier-Sterne-Niveau, ausgetragen. Es ist eine der nur sechs der CCI****-Prüfungen, die der Weltreiterverband FEI mit diesem Schwierigkeitsgrad weltweit pro Jahr ausrichtet und in einer „FEI Classics“ genannten Serie zusammenfasst. Pau (Frankreich), Adelaide (Australien), Kentucky (USA), Burghley und Badminton (beide Großbritannien) sind deren andere Standorte. Auch die Vielseitigkeit in den Olympischen Spielen hat Vier-Sterne-Niveau. Bisher stand auch die Weltmeisterschaft auf diesem Schwierigkeitslevel. Die FEI sieht aber vor, dass die Geländeprüfungen der WM von 2018 an auf die Drei-Sterne-Anforderungen abgesenkt wird. Das WM-Springen und die WM-Dressur der Vielseitigkeitsreiter sollen aber weiter nach dem alten, dem höheren Anspruch bewertet werden.