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Vielseitigkeitsreiten Pauline Knorr vom RV Ganderkesee macht sich selbstständig

Von Lars Pingel | 05.10.2017, 19:37 Uhr

Die Vielseitigkeitsreiterin Pauline Knorr aus Wüsting, die für den RV Ganderkesee startet, macht den nächsten Schritt auf dem Weg zum Profi. Sie macht sich auf dem Reitstall des Mannschafts-Olympiasiegers Andreas Dibowski in Dölhe selbstständig.

Pauline Knorr schmiedet Umzugspläne. Das ist für eine Person ja schon aufwändig genug, doch im Fall der 21-Jährigen bedeutet das, dass auch acht Pferde ein neues zu Hause bekommen. Die Vielseitigkeitsreiterin aus Wüsting, die für den RV Ganderkesee startet, verlässt zum Ende des Jahres Warendorf und damit die Sportfördergruppe der Bundeswehr und macht sich auf dem Irenhof in Döhle selbstständig. „Ich möchte einfach den nächsten Schritt machen“, sagte Knorr am Donnerstag. „Ich möchte in Richtung Profi gehen.“

Lernen beim Olympiasieger

Diesen nächsten der vielen Schritte auf dem Weg dorthin macht Knorr aber nicht alleine. In Döhle betreibt Andreas Dibowski, 2008 Mannschafts-Olympiasieger, seinen Reit- und Ausbildungsstall. Der 51-Jährige ist Mitglied des A-Kaders Vielseitigkeit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung; er gehört also zu der Gruppe von Reitern, aus denen Bundestrainer Hans Melzer die Championats-Teams, zum Beispiel für die Weltmeisterschaften, zusammenstellt. „Ich werde bei ihm einen Stalltrakt beziehen“, erzählte Knorr. „Und ich werde mit ihm vieles gemeinsam machen, um von ihm zu lernen. Dazu gehört, dass wir zusammen die Trainings- und die Turnierpläne erstellen.“ Doch der Sport ist längst nicht alles, was sich Knorr von Dibowski abschauen möchte. „Ich kann auch sehen, wie so etwas finanziert wird“, bestätigte Knorr, die außerdem weiterhin Sportmanagement studiert.

Im Januar 2015 war Knorr von Wüsting aus nach Warendorf gegangen, war dort Sportsoldatin geworden. Eine richtige Entscheidung. „Ich habe dort ganz, ganz viel gelernt“, sagte sie. „Bei der Bundeswehr wirst du als Sportler immer aufgefangen. Es gibt mehrere Arme, die einen stützen.“ Auch die finanzielle Sicherheit helfe, sich voll auf den Sport zu konzentrieren und so die eigene Leistung zu steigern. Das gilt auch für sie, sagt Knorr: „Ich habe mich sehr gut weiterentwickelt.“ Doch im Laufe der langsam zu Ende gehenden Saison 2017 habe sie immer intensiver darüber nachgedacht, wie es denn für sie weitergehen soll. Das große Ziel steht schon lange fest. „Für mich war schon immer klar: Ich will Profi werden“, sagte Knorr. „Andreas Dibowski hatte mich schon vergangenes Jahr gefragt, ob ich nicht zu ihm kommen möchte.“ Nach gründlichem Überlegen habe sie sich nun dafür entschieden, nach Döhle zu gehen. „Ende des Jahres endet meine Dienstzeit. Ich hätte auch in Warendorf bleiben können und dürfen, doch ich wollte einfach einen neuen Schritt machen.“

Pauline Knorr trainiert schon lange bei Andreas Dibowski

Sie hätte auch andere Angebote gehabt, erzählte Knorr. Doch letztlich habe vor allem ihre gute persönliche Beziehung zu Andreas Dibowski den Ausschlag gegeben. Sie kennt den dreimaligen Olympia-Teilnehmer schon lange. „Seit ich 14 bin, trainiere ich jeden Winter beim ihm“, erzählte Knorr: „Wir verstehen uns sehr, sehr gut.“

Und so wird Knorr mit den acht Pferden, die ihr selbst oder auch Besitzern und Sponsoren, die sie ihr zur Verfügung stellen, gehören, von Januar an in Döhle, das am Rand der Lüneburger Heide liegt, leben und trainieren. Die Bedingungen sind optimal. Dazu kommt, dass die Entfernung zu den Geländeplätzen der Trainingszentren Luhmühlen und Sahrendorf sehr gering ist.

Nächster Start in Strzegom

Ein Turnier bestreitet Pauline Knorr noch als Sportsoldation und damit in Uniform: eine internationale Vielseitigkeit im polnischen Strzegom vom 12. bis 15. Oktober. Dort wird sie mindestens mit zwei Pferden starten. Mit Starlight, einem zehnjährigen Oldenburger, den sie ihr „Top-Pferd“ nennt. „Er hat eine sehr gute Saison hinter sich“, lobte Knorr. In Strzegom wird sie ihn in der langen Zwei-Sterne-Prüfung (CCI**) reiten. „Auf Drei-Sterne-Niveau war er schon sehr gut unterwegs, ich möchte ihn aber nicht überfordern.“

Trotzdem wird Knorr auch in dem Wettbewerb mit der höheren Schwierigkeit antreten, der langen Drei-Sterne-Prüfung (CCI***). Sie hat dafür mit dem erst achtjährigen Hannoveraner Wilbert gemeldet. „Er hat so eine Topsaison absolviert, dass ich ihm zutraue, dort zu bestehen“, sagte Knorr über den Wallach. Sollten ihr und Wilbert ein Coup gelingen, hätten sie sogar das Qualifikationsergebnis für Championate erreicht. Das hat sie, gab die 21-Jährige zu, zwar im Hinterkopf. Erwarten dürfe das aber niemand. „Wir sind noch ein sehr junges Team“, sagte sie. „Ich lass’ mich überraschen.“

Pauline Knorr möchte 2018 in Luhmühlen starten

Das Thema Championatsqualifikation werde sie 2018, also von Döhle aus, aber intensiver beschäftigen. Mit Starlight möchte Knorr diese erreichen. „Ein klares Ziel ist es auch, mit beiden Pferden in Luhmühlen dabei zu sein.“ Das internationale Turnier, in dem darüber hinaus der deutsche Meister ermittelt wird, steht vom 14. bis 17. Juni im Terminplan der Vielseitigkeitsreiter. „Außerdem möchte ich im kommenden Jahr natürlich die Nachwuchspferde weiter voranbringen.“ Eines ist die siebenjährige Hannoveraner Stute Lucy Dynamik, mit der Knorr 2016 in Bergedorf Meisterin des Kreisreiterverbands Delmenhorst geworden war. „Ich hoffe, dass ich mit ihr 2018 den Sprung in die Drei-Sterne-Prüfungen schaffe“, sagte Knorr. „Aber das wird sich zeigen, wir gehen das Stück für Stück an.“