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Vier Hallen gesperrt Delmenhorster Sportvereine suchen nach Alternativen

Von Lars Pingel | 21.10.2015, 21:37 Uhr

Vier Delmenhorster Sporthallen dienen als Flüchtlingsunterkunft. Die Vereine, deren Sportler dort aktiv waren, versuchen, die Trainingszeiten in andere Halle zu verlegen. Das gelingt nicht immer.

Jürgen Janßen sieht dringenden Gesprächsbedarf. „Der Stadtsportbund, die Verwaltung und Vertreter der Vereine müssen so schnell wie möglich an einen Tisch kommen“, sagte der Vorsitzende der HSG Delmenhorst am Mittwoch. Das Thema der Runde müsse die Frage sein, wie der Trainingsbetrieb der Sportler in der Stadt fortgesetzt werden kann, obwohl vier Sporthallen nicht mehr zur Verfügung stehen . In dieser Runde ließen sich besser und schneller Lösungen finden, glaubt Janßen. „Ich kann völlig nachvollziehen, dass den Flüchtlingen geholfen werden muss“, sagt er. Die Sportvereine dürften aber nicht alleine gelassen werden, weil sie sonst in ihrer Existenz bedroht seien. „Was machen Eltern, wenn wir den Kindern keine Trainingszeiten bieten können“, fragte der HSG-Vorsitzende und lieferte die Antwort sofort: „Die gehen weg.“

Vier Hallen gesperrt

„Wir wissen nicht mehr, wo wir noch Mannschaften unterbringen können“, sagte Janßen. 26 Übungsleiterstunden für ihre Handballteams habe die HSG verloren, weil sie die Halle am Stubbenweg und die Bundeswehrhalle in Adelheide nicht mehr nutzen kann. Von der Sperrung sind zudem die Hallen an der Holbein- und an der Lessingstraße betroffen, die vor allem vom TV Deichhorst, dem JC Bushido und dem TTSC 09 Delmenhorst genutzt werden.

Keine Alternative für drei HSG-Teams

Die HSG habe Trainingszeiten zusammengelegt, erklärte Janßen. Bis zu drei Mannschaften würden gemeinsam trainieren. Das reicht aber nicht, um allen Übungsmöglichkeiten zu bieten. Drei HSG-Teams „haben definitiv“ noch keine Alternative. Von der Sperrung betroffen sei auch die in der Oberliga spielende Männer-Mannschaft, die unter anderem in Adelheide trainierte. „Sie muss verzichten“, bestätigte Janßen. „Dabei ist sie das Aushängeschild des Vereins.“ Punktspiele tragen die HSG-Teams in der Stadion- oder der Wehrhahnhalle aus.

Ju-Jutsuka des JC Bushido betroffen

Das Gespräch mit dem Stadtsportbund wird der JC Bushido Delmenhorst suchen. Es werde darum gehen, „wo sind noch Hallenzeiten“, sagte der JCB-Vorsitzende Thorsten Stöver. 80 Ju-Jutsuka seines Vereins seien bislang in der Halle an der Holbeinstraße aktiv gewesen. Zunächst werde versucht, diesen Trainingsmöglichkeiten in anderen Hallen zu geben, die der JC Bushido nutzt. Der Klub hat 300 Mitglieder. Im Vorstand sei auch darüber gesprochen worden, Mitglieder, deren Training ausfällt, für diese Zeit beitragsfrei zu stellen, „um sie im Verein zu halten“, erklärte Stöver. Kurzfristig könne der Verein die Situation bewältigen, wenn die Sperrung aber mehrere Monate bestehen bliebe, „wäre das eine ganz große Herausforderung“.

TV Deichhorst lässt Stunden ausfallen

Der TV Deichhorst, der auch zur HSG gehört, hat durch die Sperrung der Holbein-Halle zudem Trainingszeiten für seine Rock‘n‘Roll-Tänzer, Badmintonspieler und eine Freitzeitgruppe verloren. Die Tänzer und Badmintonspieler hätten, auch in Zusammenarbeit mit dem Delmenhorster TV, Ausweichmöglichkeiten gefunden. „Trotzdem fallen auch Stunden aus“, erklärte der TVD-Vorsitzende Helmfried Unger. „Das lässt sich nicht ändern.“ Für die Freizeitsportler sei noch keine Trainingszeit in einer anderen Halle gefunden worden.

Ein großes Problem sei es gewesen, dass die Nachricht von der Sperrung so kurzfristig kam, merkte Unger noch an. Es wäre schwer gewesen, die betroffenen Sportler rechtzeitig zu benachrichtigen. „Die meisten haben aber Verständnis“, sagte Unger. „Allerdings nicht alle, auch das muss ich sagen.“

Der TTSC-Vorsitzende Thorsten Rosowski hatte bereits am Dienstag berichtet, dass sein Verein, der vor allem die Halle an der Lessingstraße nutzte, mit Hilfe des DTV eine Lösung gefunden habe. Er kann seinen Trainings- und Spielbetrieb in die Wehrhahn-Halle verlegen.

Noch keine Probleme für die VG Delmenhorst-Stenum

Auch die VG Delmenhorst-Stenum hat Trainingszeiten verloren. Einige ihrer Teams, darunter die Oberliga-Mannschaft der Männer, nutzten die Stubbenweghalle. „Wir sind noch in der glücklichen Lage, dass wir das regeln können“, sagte Kai Stöver, zweiter Vorsitzender des Volleyball Gemeinschaft (VG). „Stand jetzt können wir die Zeiten umlegen.“ Die betroffenen Mannschaften würden Termine in anderen Hallen gemeinsam mit ihren Vereinskameraden nutzen. Er gehe allerdings davon aus, dass bald „noch mehr geschoben werden muss.“ Er glaube aber daran, dass sich die Delmenhorster Vereine untereinander verständigen und helfen werden, sagte Stöver.