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Vier Vielseitigkeitsreiter für Rio Sandra Auffarth gehört zu den Olympia-Kandidaten

Von Lars Pingel | 12.04.2016, 21:56 Uhr

Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee gehört mit ihren Pferden Opgun Louvo („Wolle“) und Ispo zum Championatskader der Vielseitigkeitsreiter in der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Aus diesem werden vier Reiter ausgewählt, die bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro starten. Das Rennen darum sei offen, sagt Bundestrainer Hans Melzer.

Die Betonung liegt auf dem „der“. „Das ist für uns der Höhepunkt; darauf arbeiten wir vier Jahre lang hin“, sagt Dennis Peiler, Geschäftsführer des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR), 108 Tage bevor die Pferde der Vielseitigkeits-Mannschaft nach Rio de Janeiro fliegen. Die Mehrkämpfer unter den Reitsportlern, die einen Tag später abreisen, sind die ersten Aktiven der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), die dort im Einzel und in der Teamwertung um die Olympischen Medaillen kämpfen werden. Am 6. und 7. August beginnt der Wettkampf im „Olympic Equestrian Centre“ im Stadtteil Deodoro mit der Dressurprüfung; am 8. August folgt der Geländeritt. Am 9. August geht er mit den Springprüfungen zu Ende. Anschließend werden die Dressur- (10. bis 15. August) und die Springreiter (14. bis 19. August) im Reitstadion, in dem 14000 Sitzplätze zu Verfügung stehen, ihre Olympiasieger ermitteln. Drei bis fünf Medaillen sollen die deutschen Reiter schließlich gewonnen haben.

Alle Pferde „topfit“

In der Vielseitigkeit werden vier deutsche Reiter mit ihren Pferden starten, außerdem wird ein Ersatzreiter mit seinem Pferd die Reise nach Brasilien antreten. Erst am 17. Juli wird Bundestrainer Hans Melzer diese Olympia-Equipe nominieren. Zum Championatskader der Deutschen Reiterlichen Vereinigung gehört auch Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee mit Opgun Louvo („Wolle“) und Ispo. Genau wie die anderen Anwärter hat sie mit den Bundestrainern einen individuellen Vorbereitungsweg erarbeitet. Dazu gehörte die Teilnahme an dem Drei-Sterne-Wettbewerb im französischen Fontainbleau. Dort ritt sie, wie berichtet, mit Wolle auf Platz drei, mit Ispo auf Rang zehn. Michael Jung (Horb), der mit Sam und Fischerrocana Erster und Zweiter wurde, machte den Traumstart in die Olympia-Saison für das deutsche Team, das auch die Mannschaftswertung gewann, perfekt. „Alle Pferde im Championatskader sind topfit“, freut sich Melzer, der angesichts der vielen starken deutschen Vielseitigkeitsreiter vor der schweren Aufgabe steht, vier davon auszuwählen. „Der Wettkampf hat begonnen“, sagt er. Und, dass es offen sei. „Der schwierigste Teil ist es, einem Reiter zu sagen, dass er nicht dabei ist“, erzählt Melzer. „Es ist aber ja gut, dass wir so ein starkes Team haben. Ich glaube, wir kriegen das schon hin.“

Hohe Erwartungshaltung

Starkes Team ist fast untertrieben. Die Vielseitigkeitsreiter haben alle Championatstitel inne. Sie sind Mannschafts-Olympiasieger, -Weltmeister und -Europameister. Immer dabei: Sandra Auffarth und Wolle, die zudem Einzel-Weltmeister sind. In London 2012 ging Einzel-Gold an den Weltranglistenersten Jung (Bronze an Auffarth), der im vergangenen Jahr auch Europameister wurde (vor Auffarth). Die Erwartungshaltung, die die Vielseitigkeitsreiter verkraften müssen, ist daher hoch. Das weiß auch Melzer. „Druck ist ja gut“, findet er. „Wir haben eine schöne Serie hingelegt. Deshalb fahren wir auch nicht nach Rio und sagen: Wir gucken, was geht. Wir wollen sie fortsetzen.“

Pferdetransporter aus Deutschland

Die Bedingungen in Rio werden gut sein, erklärt Peiler: „Wir sind optimistisch, aber nicht euphorisch.“ Ställe, Stadion und Geländestrecke auf der Militärakademie in Deodoro seien fertig oder fast fertig. Ob die Straße zwischen dem Olympischen Dorf im Stadteil Barra und Deodoro rechtzeitig befahrbar sein wird, vermochte Peiler nicht zu sagen.

Die Strecke zwischen dem Flughafen und Deodoro sei derweil zu einer Quarantäne-Zone erklärt worden, damit sich die Tiere nicht an der Seuche „Rotz“ infizieren, an der in Brasilien immer wieder Pferde sterben. Für den Transport der vierbeinigen Sportler wurden extra fünf deutsche Transporter mit Fahrern per Schiff nach Rio gebracht.

Anspruchsvolle Geländestrecke

Der Vielseitigkeits-Wettkampf werde anspruchsvoll, sagt Peiler, der mit Melzer die Testwettbewerbe, die wegen der Reisestrapazen nur von brasilianischen Sportlern bestritten wurden, vor Ort verfolgte. Die Geländestrecke sei sehr hügelig, es würde viele Wasserhindernisse geben, berichtet Peiler. Melzer wird noch deutlicher. „Das ist vom Gelände her das Anspruchsvollste, was ich in meiner Zeit als Bundestrainer bei Olympischen Spielen gesehen habe“, sagt er. Das ist er seit 2001.