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Von Tannen und Kartoffelsalat Sieben Sportler verraten ihre Weihnachtsrituale

Von Elisabeth Wontorra | 24.12.2015, 11:00 Uhr

Das dk hat sieben Sportler aus sechs Nationen gefragt, wie sie Weihnachten feiern. Evangelos Karanikolas, Ali Mahmudzade, Daniel Kowalski, Dariusch Azadzoy, Michelle Doig, Dawid Brzedzinski und Edgaras Saldukas haben geantwortet.

„The same procedure as every year“: Diesen Satz von Miss Sophie aus dem Sketch „Dinner for one“ kennen viele und stimmen ihm zu. Während der Weihnachtstage werden Traditionen gepflegt, wie das gleichbleibende Essen und die Art des Geschenkeauspackens. Das Delmenhorster Kreisblatt hat sich bei sieben Sportlern aus sechs verschiedenen Nationen erkundigt, wie sie die Festtage verbringen – und ist auch bei ihnen auf viele Rituale gestoßen.

Dariusch Azadzoy

Dariusch Azadzoy ist Fußballer beim TSV Ganderkesee und in Afghanistan geboren. Der Muslime geht mit seiner Freundin am 1. Weihnachtstag bei seinen Eltern gemütlich essen, aber Weihnachten gefeiert wird mit ihnen nicht. Das tut er mit seinen vier Nichten. Diese besucht der 28-Jährige an Heiligabend: „Sie sind in Deutschland geboren und haben die Tradition angenommen. Sie glauben auch an den Weihnachtsmann.“ Daher verbringt Azadzoy einige Zeit mit ihnen und beschenkt sie. Danach geht es zu der Familie seiner Freundin. „Meistens werden die Geschenke ausgewürfelt, wenn sich der Bruder meiner Freundin nicht wieder ein Spiel ausdenkt“, sagt Azadzoy amüsiert. Für ihn ist dieses Beisammensein mit den zwei Familien wichtig: „Ich bin ein absoluter Familienmensch. Das hat für mich die höchste Priorität.“ Ein Tannenbaum steht bei ihm zuhause auch: „Meine Freundin schmückt, ich gucke zu“, so Azadzoy lachend. Ganz alleine ist seine Freundin aber nicht: „Ich hole meine Nichten immer zu uns und die fünf schmücken dann zusammen.“

Evangelos Karanikolas

Evangelos Karanikolas ist in Delmenhorst geboren. Sein Vater ist Grieche. Mit diesem geht er in der Nacht vom 23. auf den 24. Dezember in die Kirche. „Früher hatte ich nie Lust darauf, aber inzwischen weiß ich, wie wichtig das meinem Vater ist“, sagt der 27-Jährige. „Sonst feiern wir Weihnachten, wie jeder andere auch“, meint er. So gibt es Heiligabend Kartoffelsalat und Würstchen. „Das einzig Griechische ist das Moussaka, das mein Vater mitbringt“, erzählt Karanikolas. Vorher gab es zehn Jahre lang Rouladen bei seiner Großmutter. In diesem Jahr wird mit der engeren Familie bei Karanikolas und seiner Freundin gefeiert. Der Fußballspieler vom SC Rote Teufel wird vor der Feier allerdings beschäftigt sein, denn er ist in der Flüchtlingsarbeit tätig. Und auch wenn er Weihnachten feiert, einen Tannenbaum gibt es nicht: „Wir hatten früher zuhause immer einen, aber wir sind nun keine Kinder mehr.“

Edgaras Saldukas

Edgaras Saldukas ist in Litauen geboren und lebt seit vier Jahren in Delmenhorst. Weihnachten feiert er in seinem Wohnort aber nicht. Er besucht seine Mutter in Frankfurt am Main. „Das hat Tradition“, erklärt der 28-Jährige. Bis zum 27. Dezember bleibt er bei ihr, ehe es mit dem Auto zurückgeht. Besonders freut er sich auf das „schöne Essen“, was seine Mutter jedes Jahr vorbereitet. „Wir feiern wie alle Deutschen“, sagt der Basketballer der Devils vom Delmenhorster TV. Dazu zählt auch ein Besuch in der Kirche: „Der ist uns besonders wichtig.“ Zwischen Mutter und Sohn ist eigentlich ausgemacht, dass es keine Geschenke gibt, dennoch bekommt Saldukas oft etwas für seinen Haushalt. „Im letzten Jahr war es eine Kaffeemaschine.“ Der Sportwissenschaftsstudent arbeitet nebenbei an der Rezeption des Delmenhorster Hotels „Zur Riede“. „Ich hatte in letzter Zeit viel zu tun, daher freue ich mich über die freien Tage.“

Ali Mahmudzade

Ali Mahmudzade vom SC Rote Teufel ist in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, geboren und lebt seit 2012 in Delmenhorst. Auch wenn er Weihnachten nicht feiert, bestimmte Traditionen haben sich dennoch entwickelt: „Ich habe jedes Jahr einen Tannenbaum. Ich stelle ihn zwei Wochen vor Heiligabend auf und der bleibt bis zwei Wochen nach Silvester.“ Seine Freunde beschenkt er hin und wieder. „Für mich gibt es leider nichts“, sagt Mahmudzade mit einem Schmunzeln. Mit seinen Freunden besucht er gerne den Weihnachtsmarkt. Er kann sich auch vorstellen, mit ihnen das Fest zu feiern, „aber die fahren alle zu ihren Familien“. Ein großes Essen gibt es für ihn daher auch nicht. Meistens kocht er sich etwas aus seinem Land, wie an anderen Tagen auch. „Nur Silvester gibt es dann mal etwas Besonderes“, erzählt der 24-Jährige.

Michelle Doig

Michelle Doig ist Delmenhorsterin und fährt Kunstrad beim RV Adelheide. Für sie ist „Weihnachten nur für die Familie“. Ihr ist das Zusammensein sehr wichtig und sie freut sich jedes Jahr auf die damit verbundenen Traditionen. So schmückt die Familie den Tannenbaum immer zu dem Film „Der kleine Lord“. Am Morgen des 24. Dezember steht Doig mit ihrem Bruder und ihren Eltern mit den Nachbarn zusammen. „Unter einem Carport trinken wir Glühwein und essen Würstchen und Salat. Einmal haben wir sogar gegrillt“, erzählt die 19-Jährige. Nachmittags geht es in die Kirche. Abends sitzt die Familie zu viert beim Fondue zusammen, anschließend werden die Geschenke „erwürfelt“. Gemütlich klingt der Abend ohne Fernseher aus. „Meistens spielen wir Brettspiele“, sagt Doig. Am ersten und zweiten Weihnachtstag geht es dann zu ihrer Großmutter und zur Familie ihres Freundes. „Bei uns wird jeder von jedem beschenkt.“ Ihre Eltern bekommen von der 19-Jährigen jedes Jahr unter anderem einen selbst gemachten Fotokalender. „Die wissen immer schon, dass der kommt.“

Daniel Kowalski undDawid Brzedzinski

Daniel Kowalski und Dawid Brzedzinski sind Boxer beim TV Jahn, zwölf Jahre alt und Cousins. Dawid wurde in Polen geboren, Daniel erblickte in England das Licht der Welt. Sie sind polnische Roma und verbringen Weihnachten zusammen. „Wir feiern in einem gemieteten Saal mit vielen anderen Roma und tanzen und singen“, erzählt Kowalski. Dort gibt es ein großes Büffet mit verschiedenen Gerichten. „Aber wir können uns auch was anderes bestellen, wenn wir wollen“, sagt Brzedzinski. Die Jüngeren in den Familien besuchen später die älteren Verwandten, die nicht mit im Saal waren. Dann gibt es Geschenke. „Erst kommen die Jüngsten dran, danach geht es dem Alter nach aufsteigend“, so Kowalski. Die Jüngsten schmücken auch den Tannenbaum. Ganz wichtig ist der Besuch in der Kirche. Jedes Jahr besuchen die Familien einen katholischen Gottesdienst. Es sei seit Jahren der selbe Ablauf. Die Zwölfjährigen freuen sich aber jedes Mal aufs Neue.