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Vor allem Kampfrichter fehlen Steht die Leichtathletik vor einer existenziellen Krise?

Von Richard Schmid | 25.11.2016, 07:43 Uhr

Die Leichtathletik ist bei jungen Menschen nach wie vor attraktiv. Allerdings gibt zu wenig Ehrenamtliche, vor allem bei den Kampfrichtern. Das erklärte Wolfgang Budde, Vorsitzende des Leichtathletik-Bezirks Weser-Ems auf der Verbandstagung in Lastrup, und malte ein düsteres Zukunftsbild.

„Die Leichtathletik steht vor einer existenziellen Krise.“ Mit diesen drastischen Worten eröffnete der Vorsitzende, Wolfgang Budde, die kürzlich in Lastrup stattgefundene Verbandstagung der Leichtathleten im Bezirk Weser-Ems. Die sich abzeichnende Gefahr, dass die olympische Kernsportart in Zukunft nur noch ein Schattendasein führe, sehe er dabei nicht in der Zahl der Aktiven. „Viele junge Menschen finden das Laufen, Springen und Werfen nach wie vor attraktiv“, sagte Budde, auch würden sich in den Vereinen viele Kinder für die Leichtathletik begeistern. Das Problem liege vielmehr im ehrenamtlichen Engagement.

Altersstruktur bereitet Wolfgang Budde große Sorgen

Am Beispiel des Leichtathletik-Kreises Delme-Hunte, dem er vorsteht, machte Budde deutlich, dass vor allem bei den Kampfrichtern der Nachwuchs fehlt:. „Die Kampfrichter, die bei fast allen Wettkämpfen dabei sind, bewegen sich im Alter von 60 bis 80 Jahren.“ Angesichts dieser Altersstruktur sei absehbar, wohin die Reise gehe, wenn es nicht gelänge, gegenzusteuern. Budde: „Wenn uns nichts Gescheites einfällt, dann werden unsere Enkel den Wettkampfsport Leichtathletik nicht mehr kennenlernen.“

Zahl der Ehrenamtlichen in zehn Jahren um die Hälfte gesunken

Mit diesen an Deutlichkeit nicht zu überbietenden Worten sprach Budde vor den 16 Delegierten, die im Bezirk fast 17.700 Mitglieder vertreten, ein Problem an, dass generell im Sport zu beobachten sei. So habe eine kürzlich vom Landessportbund beauftragte Studie ergeben, dass die Zahl der im Sport engagierten Ehrenamtler drastisch zurückgegangen sei. Vor zehn Jahren, so die Studie, hätten sich in Niedersachsen noch rund 320.000 Menschen ehrenamtlich engagiert. Jetzt seien es nur noch etwa 176.000 Ehrenamtler.

„Ein weiter so, das geht nicht“

Budde machte deutlich, dass es nur mit den Vereinen gelingen könne, jüngere ehrenamtliche Mitarbeiter zu finden. Trainern, aber auch den Aktiven und deren Eltern müsse verdeutlicht werden, dass es „ein weiter so, nicht geben kann“. Er appellierte eindrücklich an die anwesenden Vereinsvertreter nichts unversucht zu lassen, um junge Menschen, aber auch die Elterngeneration der Kinder und Jugendlichen für ehrenamtliches Engagement zu gewinnen.

Mobiles Kampfrichterteam als Lösung?

In der anschließenden lebhaften Diskussion wurde in einem ersten Ansatz vorgestellt, dass auf freiwilliger Basis ein mobiles Kampfrichterteam für den ganzen Bezirk aufgestellt wird. Vorteil wäre, dass Ausrichter von Bezirks- oder höherwertigeren Meisterschaften auf dieses Team zugreifen könnten, um die eigenen Lücken zu schließen. Zudem werde bereits im kommenden Februar in Delmenhorst eine zusätzliche Grundausbildung für Kampfrichter angeboten, die allen, die der Leichtathletik verbunden sind, offen steht.

2017 keine Bezirks- oder höherwertigen Meisterschaften in Delmenhorst

Neben dieser für die Zukunft der Leichtathletik existenziellen Frage ging es bei diesem Verbandstag auch um die Vergabe der Bezirksmeisterschaften, die im kommenden Jahr stattfinden. Insgesamt zehn Titelwettkämpfe wurden vergeben. 2017 wird es neben den zahlreichen Sportfesten in Delmenhorst allerdings keine Bezirks- oder höherwertige Meisterschaften geben. Erst für 2018 sind Überlegungen im Gange, im Stadion an der Düsternortstraße wieder Titelkämpfe auf Bezirksebene durchzuführen.