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Vor dem EM-Halbfinale Das dk-EM-Orakel hat gesprochen: Deutschland besiegt Frankreich

Von Lars Pingel | 06.07.2016, 19:01 Uhr

Wer könnte den Ausgang eines EM-Halbfinals besser vorhersagen als ein Mitglied eines Europameisterschaftskaders? Das dachte sich die dk-Redaktion und befragte für ihr EM-Orakel deshalb Fridolin, alias Friend of Mine, den achtjährigen Wallach der Dressurreiterin Rebecca Horstmann vom RV Ganderkesee: Er „sagt“ einen Sieg der DFB-Auswahl über Frankreich voraus.

Frido, häufig auch Fridolin gerufen, zögert nicht. Er schnappt sich den Apfel von der deutschen Flagge; der, der auf einer französischen liegt, bleibt bis auf ein kurzes Schnuppern unbeachtet. Damit ist klar: Der achtjährige Oldenburger Wallach, der Friend of Mine getauft worden war, „sagt“ voraus, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft an diesem Donnerstag in Marseille das Halbfinale der Europameisterschaft gegen Gastgeber Frankreich gewinnt. Die dk-Praktikantin Alina Tiryaki hatte ihn auf dem Rasen vor seinem Stall in Ganderkesee mit einem Tablett vor die Wahl gestellt. Und Frido bewies mit seinem Orakel so ganz nebenbei, dass er und seine Reiterin Rebecca Horstmann, die für den RV Ganderkesee startet, wirklich ein eingeschworenes Team sind: Auch die 16-Jährige geht davon aus, dass die DFB-Auswahl ins Finale einzieht. „Das ist ein gutes Omen“, sagt sie über das dk-EM-Orakel.

Rebecca Horstmann und Frido für Dressur-EM nominiert

Neun Tage nach dem EM-Finale in Paris geht es dann übrigens für Frido und Horstmann um den EM-Titel. Im spanischen Oliva Nova treten sie für Deutschland bei den Junioren-Europameisterschaften der Dressurreiter an. Die Nominierung durch das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei (DKOR) am 12. Juni, nach dem internationalen Jugendreiterfestival Future Champions in Hagen, ist die Belohnung für den großen Trainingsfleiß der Reiterin und ihres Pferdes und für viele sehr, sehr starke Leistungen in den vergangenen Monaten. Horstmann, die schon seit längerem zum C-Kader der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) gehört, war Ende April nach ihrem Sieg in der Sichtung für den „Preis der Besten“ in Vechta zum ersten Mal für einen Nationenpreis nominiert worden. Im französischen Saumur trug sie dann am ersten Mai-Wochenende mit ihrem Friend of Mine mit einem klasse Ergebnis zum Sieg der deutschen Équipe bei. Anschließend bestätigten Horstmann und Frido ihre gute Form regelmäßig: beim Pfingstturnier in Wiesbaden , beim „Preis der Besten“ in Warendorf und eben in Hagen . Dort sprang unter anderem ein weiterer Sieg in einem Nationpreis heraus.

Von Nominierung überrascht

Viel Zeit über die vergangenen Monate und die EM-Nominierung nachzudenken, hatte sie bisher nicht, sagt Horstmann. „Das ist bei mir bis jetzt auch noch nicht so richtig angekommen“, gibt sie zu. „Ich glaube, ich realisiere das erst, wenn alle Sachen auf dem Anhänger verpackt sind und wir losfahren.“ Das liegt neben dem Trubel und der intensiven Vorbereitungsarbeit sicher auch daran, dass sie von ihrer EM-Teilnahme überrascht worden war. „Die hatte ich am Anfang des Jahres nicht geplant“, erzählt Horstmann. „Natürlich träumt man mal, wie es wäre, wenn man bei einem Championat starten dürfte. Wenn es dann aber passiert, kann man es fast nicht glauben.“

Trainingslehrgänge mit Bundestrainern

Rebecca Horstmann wird vermutlich wirklich bis zur Abfahrt nur ganz wenig Zeit bekommen, über die zurückliegenden Monate nachzudenken. Seit diesem Mittwoch weilt sie mit Frido in Lengerich, nimmt dort an einem dreitägigen Trainingslehrgang mit den Bundestrainern um Hans-Heinrich Meyer zu Strohen teil. Danach wird sie mit Unterstützung ihrer Eltern Anne und Klaus Horstmann, mit denen sie den Wallach ausgebildet hat, und ihres Bruders Marius Horstmann in Ganderkesee weiter intensiv trainieren. „Wir machen noch mehr Konditionstraining, um in der Hitze bestehen zu können. In Oliva Nova werden 40 Grad erwartet“, verrät Rebecca Horstmann eines der vielen Details, an denen sie arbeitet. Am 12. Juli kommen die EM-Kader der Junioren und Jungen Reiter bei der FN in Warendorf zur letzten Vorbereitung zusammen. Am 15. Juli geht es dann nach Spanien.

Team-Wettbewerb besondere Herausforderung

In der Vorbereitung stehen für Horstmann und Frido gemeinsam mit Semmieke Rothenberger (Bad Homburg) mit Geisha und Dissertation, Hannah Erbe (Krefeld) mit Carlos und Alexa Westendarp (Wallenhorst) mit Der Prinz unter anderem die Fußballern ebenfalls bestens bekannten teambildenden Maßnahmen auf dem Programm. Schließlich ist der Mannschaftswettbewerb der mehr als heimliche Höhepunkt des Championats. „Für ein Team zu reiten, ist etwas Besonderes“, bestätigt Horstmann. „Du fieberst mit jedem mit. Und wenn du ins Viereck reitest, dann willst du für das Team kämpfen.“ Dass das besonders spannend, besonders nervenaufreibend sein kann, weil auch andere von diesem Ritt abhängen, hat die 16-Jährige in ihren mittlerweile drei Nationenpreisen erfahren, vor allem aber als Schlussreiterin in Hagen. „Ich versuche eigentlich, das nicht an mich heranzulassen.“ Doch so ganz sei das nicht gelungen. In diesen Momenten – und schon in vielen anderen bei den gemeinsamen Turnierauftritten – ist Fridolin gefragt. „Wenn ich auf ihm sitze, bin ich im Tunnel. Dann weiß ich: Wir geben jetzt unser Bestes.“ Fridolin hilft ihr „riesig“, lobt Horstmann. „Er gibt immer alles für mich. Im Viereck gehen seine Ohren nach vorn und er gibt mir das Gefühl: Sag mir, was ich tun soll, dann machen wir das.“

Freude über Fußball-Sommerpause

Rebecca Horstmann findet es allerdings grundsätzlich „superschön“, in einer und für eine Mannschaft aktiv zu sein. Das beweist die Nummer zwei der Rangliste ihrer sportlichen Lieblingsbeschäftigungen, die sie beim Thema EM zu fachkundigen Urteilen über fliegende Galoppwechsel, Pirouetten und starken Trab und über die falsche Neun, die Viererkette und 4-4-2-Formationen befähigt: Die 16-Jährige spielt schon lange für den TSV Ganderkesee Fußball. „Wir haben eine tolle Mannschaft“, schwärmt sie. Die hat sich selbstverständlich zum gemeinsamen Fußball-EM-Schauen verabredet. Dass sie ihre Teamkameradinnen derzeit nicht auf dem Platz trifft, kommt Horstmann ganz gelegen. „Die Sommerpause kommt mir zu Gute, die Verletzungsgefahr wäre mir doch etwas zu hoch“, erzählt sie mit Blick auf ihren Start bei der Dressur-EM.

Gutes Omen

Rebecca Horstmann wird natürlich häufiger auf die EM in Spanien angesprochen als auf das Turnier in Frankreich. Das stört sie nicht. Trotzdem: „Jedes Mal wenn ich darüber rede, bekomme ich eine Gänsehaut.“ Für die Tage, an denen für sie ein Traum wahr wird, hat sie sich keine konkreten Ziele gesetzt. „Mehr als unser Bestes geben, können wir ja nicht“, sagt sie. Dass sie und Frido aber sogar beim Fußball-Tipp einer Meinung sind, darf bestimmt auch als gutes Omen für die Tage vom 19. bis 24. Juli gewertet werden.