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Vorschau auf die Fußball-Kreisliga Favorit? Nein, danke!

Von Klaus Erdmann | 05.08.2016, 08:25 Uhr

Ralf Eilenberger, Trainer des Vizemeisters Munderloh, weiß, dass seine Elf „automatisch“ zum Kreis der Titel-Aspiranten in der Fußball-Kreisliga Oldenburg-Land/Delmenhorst gehört. Und natürlich wird auch dem Absteiger Ganderkesee viel zugetraut. Ab Freitag beginnt der erste Spieltag.

„Sie gehören doch zu den Favoriten...“, begann vor einigen Monaten ein an die Adresse von Torsten Voigt gerichteter Satz. Der damalige Trainer des Spitzenteams Hude, der mittlerweile zum sportlichen Koordinator des FCH aufgestiegen ist, unterbrach den Gesprächspartner: „Wer sagt das?“. Zweifel an der eigenen Stärke oder Taktik? Letzteres. Während der Jahreshauptversammlung sprach Voigt zu den Anwesenden und ließ keinen Zweifel daran, dass er fest an den Titelgewinn glaube. Das Ende ist bekannt: Die Meisterschaft ging an sein Team, das 2016/17 in der Bezirksliga spielt. (Weiterlesen: FC Hude krönt sich nach Aufholjagd zum Meister)

Favorit? Nein, danke! Gerade in der Kreisliga, die bekanntlich ausschließlich aus Mannschaften besteht, die dem Landkreis Oldenburg-Land oder der Stadt Delmenhorst angehören, und die der geneigte Fußballfreund somit als gute Bekannte betrachtet, gibt es auf die Frage nach den Titelanwärtern stets viele Antworten.

TV Munderloh will die Favoritenrolle nicht

Die Huder sammelten in der vergangenen Saison 75 Punkte – der TV Munderloh ebenfalls. Aufgrund der besseren Tordifferenz (plus 88 gegenüber plus 81) holte sich der FCH die Meisterschaft. „Punktgleich mit dem Aufsteiger. Also ist ihre Mannschaft der große Favorit“. Erwartungsgemäß antwortete Trainer Ralf Eilenberger nicht mit einem kräftigen, selbstbewussten „natürlich“. Er sagte vielmehr: „Nach außen hin: ja.“ Es sei wohl so, dass der Vizemeister automatisch dem Kreis der Favoriten angehöre. (Weiterlesen

Der Coach, der die Munderloher im Januar von Niklas Kühne übernommen und mit ihnen in den 16 Spielen der Rückrunde 45 Punkte erreicht hat (zum Vergleich: Hude 38), erklärt, warum das nicht so einfach ist: „Unser Kader hat 24 Spieler, von denen zur Zeit acht verletzt und zwei im Urlaub sind.“ Eine optimale Vorbereitung sieht anders aus, will er damit sagen. Und im August, wenn die ersten Pflichtspiele anstünden, sei Urlaubszeit, ergänzt er.

Eilenberger klagt nicht, er stellt fest. Er weiß, dass wohl alle Kollegen in dieses Lied einstimmen könnten. Zurück zu den Titelanwärtern. „Einige der Favoriten sind VfR Wardenburg, TSV Ganderkesee und der TuS Heidkrug“, sagt er. „Lassen Sie das nicht Selim Karaca hören“, möchte man ihm zurufen, tut es aber nicht.

... der TuS Heidkrug auch nicht ...

Der junge Trainer des TuS Heidkrug, der am Bürgerkampweg einen hervorragenden Job macht, mag es überhaupt nicht, wenn man seine Mannschaft dem Kreis der Meisterschaftsaspiranten zurechnet. Vielmehr wolle man Junioren an die Liga heranführen und weiterentwickeln. Favorit? Nein, danke! „Für ganz oben wird es bei uns nicht reichen. Dafür ist der Kader einfach zu jung“, sagt Karaca. (Weiterlesen: TuS Heidkrug schiebt die Favoritenrolle weiter)

Einen Überflieger sieht er in der Kreisliga, deren Spiele am ersten August-Wochenende beginnen, nicht: „Es wird keine Mannschaft geben, die in der Tabelle davon zieht. Mit dem TSV Ganderkesee als Absteiger aus der Bezirksliga, TV Munderloh, VfR Wardenburg und dem TSV Ippener als sehr starkem Aufsteiger sind einige Teams im Titelrennen“, erklärt der Heidkruger. Auch Eilenberger, der ebenfalls der Integration junger Spieler Priorität einräumt, hat Ippener auf der Rechnung: „Ich traue dem TSV viel zu. Er wird für Überraschungen sorgen.“ (Weiterlesen: Ist der TSV Ippener (k)ein normaler Aufsteiger?)

... dafür nimmt der TSV Ganderkesee seine Favoritenrolle an

Und was sagen die Ganderkeseer, deren Name immer wieder fällt? Natürlich haben sie diese Tatsache am Immerweg zur Kenntnis genommen. Coach Roland Feist, zuvor Co-Trainer und jetzt Nachfolger von Daniel Lachmund, sagt, dass der direkte Wiederaufsteig nicht planbar sei. Er sagt aber auch, dass seine Mannschaft trotz des Verlustes einiger Leistungsträger immer noch Bezirksliga-Niveau habe. Klingt ja beinahe so, als würde da einer die (Mit-)Favoritenrolle annehmen. Na, bitte! (Weiterlesen: TSV Ganderkesee blickt wieder zuversichtlich nach vorne)