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Vorsitzender im Gespräch Clubchef Uwe Raß spricht über Lage des TV Jahn

Von Daniel Niebuhr | 15.03.2017, 23:03 Uhr

Der TV Jahn Delmenhorst erlebt ein aufregendes Jahr, Vereinschef Uwe Raß ist jedoch ganz gelassen. Der Vorsitzende spricht über die Fußballerinnen, die demnächst vielleicht Zweitligist sind, die abstiegsbedrohten Herren und Irritationen im Nachbarschaftsverhältnis.

Am Sonntag hatte Uwe Raß mal einen entspannten Termin. Im Vereinslokal saß er mit vielen langjährigen Mitgliedern bei Kaffee und Kuchen zusammen und verteilte Urkunden – es gibt für den Chef des TV Jahn Delmenhorst sicher unangenehmere Nachmittage.

Ohne Zweifel wird man in der Runde auch über die großen Themen gesprochen haben, die den 1620 Mitglieder starken Verein gerade umtreiben. Die Fußballerinnen klopfen an die Tür zur 2. Bundesliga, dem Herrenteam droht trotz aller Bemühungen der Sturz in die Kreisklasse – und dann wartet man noch auf eine Botschaft aus Berlin. Sollte der Bundesrat die vom Bundestag beschlossene Lockerung der Lärmschutzauflagen für Sportanlagen durchwinken, könnte Jahn seine Sportanlage am Brendelweg bald wieder nahezu uneingeschränkt nutzen. Clubchef Raß sprach über...

 ...den möglichen Aufstieg der Frauen in die 2. Bundesliga: „Wir haben uns das gut überlegt und rechnen seriös. Ursprünglich waren wir für eine Saison in der 2. Liga schon von Kosten von 100000 Euro ausgegangen, das wäre utopisch gewesen. So viel ist es aber nicht, wir können das finanziell stemmen. Wir haben es immer so gehalten: Wenn eine Mannschaft aufsteigt, sollte man alles versuchen, um das möglich zu machen. Die Mädels wollen das unbedingt, obwohl wir uns auch nichts vormachen. Wenn wir hochgehen, ist es wahrscheinlich, dass es ein einjähriges Gastspiel bleibt. Aber dann hätten wir trotzdem den Platz in der Regionalliga sicher.“

 ...die erhoffte Lockerung des Lärmschutzes: „Ich richte mich nach den Fakten, und die sind so, dass der Bundesrat noch zustimmen muss. Ich habe schon zu viel erlebt, als dass wir jetzt schon Dinge in die Wege leiten können. Wir müssen geduldig sein. Wenn das Gesetz aber so durchgeht, dann müsste die Stadt uns doch eine Nutzung bis in die Abendstunden genehmigen. Wie die Nachbarn darauf reagieren, weiß ich nicht. Mit mir will niemand mehr sprechen. Als der NDR bei uns war, um über die Thematik zu berichten, wollte sich ja auch keiner von ihnen äußern.“

 ...den Ausstieg von Partner TuS Hasbergen aus der Jugendfußball-SG: „Das war eine unangenehme Überraschung. Die Situation ist jetzt ganz unsicher. Im Sommer, so ist der Plan, kehren die einzelnen Spieler in ihre Stammvereine zurück. Ich kann mit aber auch vorstellen, dass einige gute Spieler ihre Konsequenzen ziehen und ins Umland abwandern.“

 ...die abstiegsbedrohte Kreisliga-Herrenmannschaft: „Im Herbst war die Lage eigentlich gar nicht so düster, aber ins neue Jahr sind wir mit zwei Niederlagen schlecht reingekommen. Die Mannschaft tut sich schwer, das merkt man. Aber ich sehe auch, dass da Bewegung reinkommt, dass alte Jahner zum Beispiel zurückkommen, dass die Mannschaft sich zusammenrauft und dass der Zusammenhalt groß ist. Es muss aber auch Bewegung reinkommen.“

 ...die Rolle moderner Sportvereine: „Die Erwartungshaltung der Menschen gegenüber uns als Vereinen hat sich komplett gewandelt. Wir sind für die meisten nur noch Dienstleister. Es gibt noch den Zusammenhalt, den man von früher kennt – die Vereinsfamilie –, aber das findet man hauptsächlich bei den Älteren. Viele denken heute: Ich nehme das wahr, was ihr mir anbietet, und dann bin ich weg. Die große Identifikation ist häufig nicht mehr da, was schade ist. Ich sehe bei vielen Jahnern allerdings doch eine große Verbundenheit zu ihrem Verein.“