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Weltmeisterin siegt in Radolfzell Die EM das große Ziel von Sandra Auffarth

Von Lars Pingel | 21.04.2015, 09:00 Uhr

Die 28-jährige Vielseitigkeitsreiterin Sandra Auffarth (RV Ganderkesee) gewinnt mit Wolle (Opgun Louvo) die Zwei-Sterne-Prüfung des Turniers in Radolfzell/Böhringen. Außerdem belegt sie mit Ispo und Thalia L‘Amaurial die Plätze fünf und sieben. Die Bergedorferin, die seit vier Jahren der Weltklasse angehört, blickt optimistisch auf die Saison, deren Höhepunkt die Europameisterschaften in Schottland sind.

Ganderkesee. Die Bezeichnung „gelungener Saisonstart“ ist eigentlich untertrieben. In Radolfzell/Böhringen hat die Vielseitigkeitsreiterin Sandra Auffarth in einem sehr gut besetzten internationalen Turnier ihre drei Pferde, mit denen sie in der Prüfung auf Zwei-Sterne-Niveau startete, unter den ersten Sieben platziert. Mit „Wolle“ (Opgun Louvo), mit dem sie 2012 in London Olympisches Team-Gold und Einzel-Bronze und im vergangenen September in Caen Doppel-Gold bei der WM in Caen gewonnen hatte, wurde die Sportlerin des RV Ganderkesee am Bodensee, wie berichtet, Erste. Die Wettkampfpremiere mit Ispo beendete Auffarth auf Rang fünf, und Thalia L‘Amaurial ritt sie auf Platz sieben.

Auffarth und Wolle liegen schon nach der Dressur vorn

Wolle, mit dem sie nach einer starken Dressur von Anfang an vorn lag, brachte Auffarth ohne Zeit- und Hindernisfehler durch den Gelände- und den Springparcours. Mit Ispo und Thalia L‘Amaurial blieb sie ebenfalls fehlerfrei, bekam nach den Geländeritten nur wenige Minuspunkte für das Überschreiten der erlaubten Zeit im Gelände. Zweiter in dieser Prüfung wurde der Einzel-Olympiasieger 2012 Michael Jung (Horb) auf Halunke vor Josefa Sommer (Immenhausen) mit Hamilton.

In Radolfzell wurde zudem auch ein Wettbewerb auf Ein-Stern-Niveau ausgetragen. Diesen gewann Jung mit Lennox. Auffarth stellte den sechsjährigen Viamant du Matz dort zum ersten Mal in einer internationalen CIC-Prüfung vor. Sie belegte mit ihm Rang 32. Auffarths Wochenende-Fazit fiel positiv aus. „So kann es weitergehen“, bilanzierte sie den Auftritt in Baden-Württemberg auf ihrer Facebookseite mit Blick auf kommende Aufgaben.

EM im August

Ein großes Ziel, auf das die 28-jährige Bergedorferin hinarbeitet, sind die Europameisterschaften in Schottland (10. bis 13. September). Außerdem plant sie, mit Wolle in Aachen (13./14. August) zu starten. Diese Prüfung hatten die beiden im vergangenen Jahr gewonnen.

Training in England

Ein Schwerpunkt in ihrer Vorbereitung ist ein mehrwöchiger Aufenthalt bei Bundestrainer Chris Bartle in England. Auf dessen „Yorkshire Riding Centre“ in Harrogate wird Auffarth alle drei Teildisziplinen ihres Sports trainieren. „Ich werde wohl die vier Pferde mitnehmen, mit denen ich in Radolfzell war“, erzählte sie. Die Anlage des Bundestrainers bietet ideale Bedingungen. Es gibt dort unter anderem eine Geländestrecke, zwei Hallen sowie Dressur- und Springplätze. „Ich denke, dass wir dort eine Menge lernen werden“, sagte Auffarth. Sie nimmt in England zudem an Wettbewerben teil. „Ende Mai steht dort die erste Prüfung auf dem Programm“, bestätigt sie. Und auch ein schwerer Test ist geplant: Vom 11. bis 14. Juni solle Auffarth mit Wolle in der Drei-Sterne-Prüfung im englischen Bramham starten, verriet Bundestrainer Hans Melzer in einem Interview mit dem Internetportal „vielseitigkeitssport-deutschland.de“.

Eine Woche nach dem Turnier in Bramham werden in Luhmühlen eine internationale Vier-Sterne-Prüfung und die deutsche Meisterschaft (Drei-Sterne-Niveau) ausgetragen. Auffarth werde dort nach dem Start in England „wohl zu Fuß und nicht zu Pferde“ begrüßt werden, sagte Melzer in dem Interview.

Erfolgsgeschichte beginnt 2011 in Luhmühlen

Sie werde sicherlich hinfahren, erklärte Auffarth. Vor vier Jahren hatte sie in der Lüneburger Heide gemeinsam mit Wolle ihr erstes Turnier auf höchstem Niveau, die Vier-Sterne-Prüfung, bestritten. Die beiden überraschten mit Platz zwei – und begannen damit ihre außergewöhnliche Erfolgsgeschichte. Schon Ende August 2011 ritten sie dann, auch in Luhmühlen, zum ersten Mal für die deutsche Nationalmannschaft. Mit dieser wurden sie Europameister. Auffarth und Wolle brachten aber sogar zwei Medaillen nach Hause: Im Einzel belegten sie Rang zwei. Seitdem ist das Duo ständig in der Weltspitze vertreten. „Es werden mit Sicherheit nicht alle vier Jahre so erfolgreich“, sagte Auffarth. „Das wäre nicht normal.“ Doch die zurückliegenden vier „kann mir keiner mehr nehmen“. Planen ließen sich Siege ohnehin nicht. „Es gibt auch Jahre, in denen man genauso hart arbeitet, ohne dass man Erfolg hat. Das ist in allen Sportarten so. Es muss halt in dem Moment alles zusammenpassen.“

Gute Pferde im Stall

Die gerade begonnene Saison geht Auffarth zuversichtlich an. Dazu trägt bei, dass sie außer Wolle weitere starke Pferde im Stall hat. „Ich bin sehr gut aufgestellt für die Vielseitigkeit“, sagte sie. „Ich freue mich, dass ich sie habe. Natürlich muss auch immer mal wieder einer verkauft werden. Aber das gehört ja schließlich auch zu meinem Beruf.“