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Weltreiterspiele 2018 Vielseitigkeitsreiter peilen in Tryon Olympia-Qualifikation an

Von Lars Pingel | 24.04.2018, 18:35 Uhr

Im US-amerikanischen Tryon werden vom 11. bis 23. September die Weltreiterspiele 2018 ausgetragen. Zu den acht Disziplinen, in denen Titel vergeben werden, gehört die Vielseitigkeit. Oberstes Ziel ist die Olympia-Qualifikation, erklärte die FN am Dienstag in Zu den Kandidaten für einen WM-Start gehört auch Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee.

Bis zu 20.000 Zuschauer werden am Sonntag, 16. September, in Tryon in den USA Vielseitigkeitsreitern zujubeln. Im Hauptstadion der Weltreiterspiele 2018 geht es dann im Springparcours um die WM-Medaillen der Vielseitigkeitsreiter. Der Mittelpunkt der Veranstaltung im US-amerikanischen Bundesstaat North Carolina wird auf der 650 Hektar großen Anlage noch aufgebaut, erzählte Dr. Dennis Peiler, Sportchef der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und Geschäftsführer des Deutschen Olympischen Kommites für Reiterei (DOKR), am Dienstag in Warendorf. Dort präsentierte die FN die Qualifikationswege für die Sportler aus den acht Disziplinen (Springen, Dressur, Vielseitigkeit, Fahren, Reinning, Voligieren, Para-Dressur und Distanzreiten), in denen Titel vergeben werden. Die WM wird am 11. September eröffnet, am 23. September sind alle Medaillen verteilt.

Nominierungsschluss am 3. September

Die so genannte Longlist in allen Disziplinen wird am 12. August bekannt gegeben. Auf dieser ist in der Regel die doppelte Zahl der Sportler aufgeführt, die dann in Tryon antreten. Die Shortlist, also die endgültige Nominierung, muss bis zum 3. September erfolgen, erklärte Peiler. 

Bundestrainer Hans Melzer lobt Geläuf

Die Vielseitigkeitsreiter tragen ihre Einzel- und Mannschaftsprüfung beginnend mit Dressur am 13. und 14. September, mit dem Geländeritt am 15. September und dem Springen eben am 16. September aus. Bundestrainer Hans Melzer war mit Peiler vor zwei Wochen in Tryon, um sich die Bedingungen anzusehen, vor allem die Geländestrecke. „Die ersten sieben Minuten waren fertig, die letzten drei noch nicht“, sagte Melzer. Dieser letzte Teil des welligen Kurses würde nur bergauf führen. „Er ist konditionell anspruchsvoll“, meinte er über die Strecke. Positiv sei, dass das Geläuf „sehr gut“ ist.

Umrechung des Dressurergebnisses neu geregelt

Eine neue Regelung gibt es seit Beginn dieser Saison für die Umrechung des Dressurergebnisses für die Vielseitigkeitswertung. Die Prozentzahl der Wertungsrichter wird von 100 abgezogen. Mit diesen Zählern, als Minuspunkte, gehen die Reiter in die anderen Teildisziplinen. Zuvor war diese Zahl noch mit 1,5 multipliziert worden. „Es hat sich gezeigt, dass Gelände und Springen so wieder entscheidender sind“, sagte Melzer. „Das ist für uns nicht unbedingt ein Vorteil, aber wir müssen damit leben.“

Sandra Auffarth und Wolle gehören zu WM-Kandidaten

Vier Paare werden in Tryon für das deutsche Team starten, die besten drei Ergebnisse gehen in die WM-Mannschaftswertung ein. Außerdem kann die FN, wie alle Nationen, noch einen Einzelreiter für die WM nominieren. Mit den Anwärterinnen und Anwärtern hat Melzer individuelle Trainingspläne und Sichtungswege ausgearbeitet. Eckpunkte sind die internationale Vielseitigkeitsprüfung in Luhmühlen (14. bis 17. Juni) und der CHIO in Aachen (Vielseitigkeit am 20. und 21. Juli). Wegen des späten Nominierungsschlusses werde es drei Wochen nach Aachen noch eine Sichtung im polnischen Strzegom geben, erklärte Melzer.

Zum DOKR-Championatskader – und damit zu den WM-Kandidaten – gehören Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee und ihr Erfolgspferd Wolle (Opgun Louvo), mit dem sie vor vier Jahren im französischen Caen Einzel- und Mannschaftsweltmeisterin wurde. Die Bergedorferin muss mit Wolle als Qualifikationsbedingung noch eine internationale lange Prüfung auf Drei-Sterne-Niveau (das zweithöchste) beenden. Geplant ist, dass Auffarth im polnischen Sopot wieder mit Wolle ein Turnier bestreitet (4. bis 6. Mai). In Strezgom hatten die beiden Anfang April einen guten Saisonstart hingelegt.  

Olympiaqualifikation als oberstes Ziel

Die oberste Zielsetzung für die Vielseitigkeitsreiter -– und für die Spring- und Dressurreiter sowie die Para-Dressurreiter – sei es, sich in Tryon für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio zu qualifizieren, sagte Peiler. Dafür muss sich die Equipe unter den ersten Sechs platzieren. Außerdem hofft die FN, dass die gesamte deutsche Mannschaft „unter den Top-Drei im Medaillenspiegel“ liegen wird.

Kosten für WM-Teilnahme betragen 1,5 Millionen Euro

Für die FN werden 51 Pferde, 47 Aktive und viele Trainer, Betreuer, Pfleger, Tierärzte, Hufschmiede und weitere Helfer nach Tryon (insgesamt bis zu 250 Personen) reisen. Dazu kommen 20.100 Kilogramm Gepäck und 5500 Kilogramm Futter, berichtete Peiler. Die Kosten würden 1,5 Millionen Euro betragen. 800.000 Euro müsse der Verband tragen. Die Vielseitigkeitspferde werden am 5. September in die USA fliegen, am 18. September kehren sie nach Deutschland zurück. Da die klimatischen Bedingungen in Tyron während der WM ähnlich seien wie in Mitteleuropa sei keine „Akklimatisierung notwendig“, sagte Peiler.