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Wer übernimmt ab Januar? Das Trainer-Casting bei Atlas Delmenhorst ist eröffnet

Von Frederik Böckmann | 16.11.2018, 08:37 Uhr

Er solle ein klares Fußball-Konzept haben, junge Talente einbauen und charakterlich muss es auch passen: Mit diesem Profil geht der Fußball-Oberligist SV Atlas Delmenhorst auf Trainer-Suche – und bietet Stoff für Spekulationen. Das dk sagt, warum vor allem drei Kandidaten geeignet sein könnten.

Am Donnerstagabend fiel dann endgültig der letzte Akt im Kapitel „SV Atlas Delmenhorst und Jürgen Hahn“. Der am Dienstagabend gefeuerte Erfolgstrainer verabschiedete sich vor dem Training von seinen Spielern, mit denen er teilweise langjährig zusammengearbeitet hatte. Mit Torwart David Lohmann und Allrounder Thomas Mutlu begleiteten sogar zwei Spieler die gesamten fünfeinhalb Jahre mit Hahn – und den steilen Aufstieg von der Kreisliga bis in die Oberliga. Viel Zeit zum Austausch von Sentimentalitäten haben sie beim SV Atlas indes nicht.

Die Spieler bereiten sich mit dem Interims-Trainer-Trio Benno Urbainski, Daniel von Seggern und Bastian Fuhrken auf den nächsten Sonntagsgegner Heeslinger SC (14 Uhr) vor, während Sportchef Fuhrken gleichzeitig mit Klubchef Manfred Engelbart auf der Suche nach dem neuen Coach ist, der die Mannschaft ab dem 21. Januar 2019 – zum Trainingsstart auf den zweiten Saisonteil –, betreuen soll.

Mit dem überraschenden Rauswurf von Hahn nach dem Sprung auf Rang vier kamen die Atlas-Macher einer Trennung zuvor, die es wohl spätestens in der Winterpause gegeben hätte, wie Klubchef Engelbart am Mittwochmorgen durchblicken ließ. Dieser Schnitt wäre wohl sauberer gewesen und geräuschloser über die Bühne gegangen. „Aber jetzt“, so formulierte es Engelbart, „haben wir mehr Zeit für die Suche nach einem neuen Trainer“.

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Im Umkehrschluss lässt sich diese Aussage auch so zu interpretieren: Vielleicht braucht auch gar nicht der SV Atlas mehr Zeit bei der Suche nach einem neuen Trainer. Sondern der SV Atlas hat möglicherweise schon einen Trainer in der Hinterhand und räumt nur dem abgebenden Verein mehr Zeit für dessen Nachfolgesuche ein. Zugegeben: Diese Interpretation ist nur eine Spekulation.

Keine Spekulation ist hingegen, wie das Profil des neuen Mannes an der Seitenlinie aussehen soll. Das beschrieben Sportvorstand Fuhrken und Klubchef Engelbart sehr präzise. „Der Trainer braucht ein klares Konzept, wie wir Fußball spielen sollen. Er soll möglichst auch junge Talente aus Delmenhorst einbauen“, erklärte Fuhrken. Der Coach soll nicht nur fordern, sondern auch fördern. Und Engelbart ergänzte: „Ganz wichtig ist auch der Charakter. Er muss menschlich passen, er muss uns Spaß bereiten. Und er muss Atlas leben.“

Zeit, den Trainermarkt zu sondieren, hat der in der Amateurszene gut vernetzte Bastian Fuhrken nun zumindest bis Weihnachten. Potentielle Kandidaten für die Hahn-Nachfolge gibt es viele. Auch Fuhrken geht davon aus, „dass mein Handy jetzt erst einmal nicht mehr stillstehen wird“. Das Trainercasting bei den Blau-Gelben ist damit eröffnet – und das dk sagt, welche drei Namen bei den Vorstandssitzungen womöglich fallen könnten.

Marcel Bragula

Der Trainer des Bezirksligisten VfL Wildeshausen genießt bei den Atlas-Verantwortlichen einen glänzenden Ruf. Bragula und Fuhrken sind Kumpels und urlaubten schon gemeinsam, auch Klubchef Manfred Engelbart ist von den Qualitäten des 44-Jährigen überzeugt. Talente aus dem Nachwuchs einbauen, Spieler aus unteren Ligen besser machen: Dafür steht der mit großer Akribie und Detailversessenheit arbeitende Coach, der in der Vergangenheit Angebote von höherklassigen Vereinen abgelehnt hat. Auch bei den Atlas-Fans ist Bragula sehr beliebt. Und: Der Berufssoldat stand im Gegensatz zu skeptischen Trainer-Kollegen dem Kultklub immer positiv gegenüber.

Die Leute im Vorstand verstehen ihr Handwerk und leben den SVA“, sagte Bragula einmal dem dk. „Der Erfolg ist Produkt guter Arbeit. Andere Vereine mit diesen Möglichkeiten haben es nicht so clever angepackt und sind schnell von der Landkarte verschwunden.“ Bragula, der auch mal in Adelheide stationiert war, hat zudem Wurzeln in der Stadt: Denn sein Vater stammt aus Delmenhorst. Das Problem: Bragula hat noch einen Vertrag bis zum Saisonende – und sehr gute Chancen, mit dem VfL erneut Meister zu werden.

Daniel Isailovic

Nach nur einer Saison und der Bezirksliga-Meisterschaft 2015/2016 wurde der Vertrag von Daniel Isailovic beim SV Atlas nicht verlängert. Was Klubchef Manfred Engelbart (damals nur Sponsor) noch heute wurmt. Nicht, weil Isailovic in einem seiner Autohäuser arbeitet, sondern weil Engelbart den früheren Schalker sportlich, fachlich und menschlich schätzt. „Isi ist ein guter Typ“, sagt Engelbart über den 34-Jährigen.

Nach seinem Atlas-Jahr heuerte der Mittelfeldspieler als spielender Co-Trainer beim VfL Oldenburg an – und führte den Verein zusammen mit Dario Fossi in die Regionalliga. Die eigene Trainerkarriere bei einem ambitionierten Oberligisten zu beginnen – es gäbe sichere schlechtere Einstiege. Dem Vernehmen nach fühlt sich Isailovic in Oldenburg aber pudelwohl. Und ist wohl nur im Doppelpack mit Fossi zu bekommen. (Weiterlesen: Daniel Isailovic im Porträt)

Frank Neubarth

Und wie wäre mit einem großen Namen auf der Trainerbank? Mit ehemaligen Werder-Profis hatte der alte SV Atlas gute Erfahrungen gemacht. Frank Neubarth sah kürzlich das Atlas-Spiel gegen den TuS Bersenbrück von der Tribüne aus. Der Ex-Torjäger besuchte auch das Fußballcamp von Stars for Kids und dem Atlas-Fanclub Blau-Gelb Reloaded, bei dem Klubchef Engelbart mit Neubarth angenehme Gespräche führte.

Der Borgfelder übt aktuell keine Fußball-Tätigkeit aus, wäre also im Winter frei. Allerdings hatte der frühere Schalke-Coach eine Rückkehr auf die Trainerbank schon vor einiger Zeit ausgeschlossen.