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Widerstand ist groß Ab 2016 nur noch Futsal in der Halle?

Von Daniel Niebuhr | 20.01.2015, 13:58 Uhr

Schon im kommenden Jahr sollen nach Willen des DFB alle Hallenturniere nach Futsal-Regeln ausgetragen werden. Für die Fußballer der Region hat das drastische Folgen.

Die Kubaner waren etwas verwirrt. Als die Nationalspieler aus der Karibik am 4. Januar 2007 in der Delmenhorster Stadionhalle beim Fußballturnier aufliefen, sollten sie – wie in Deutschland üblich – mit dem herkömmlichen, von draußen bekannten runden Leder auf einem Feld mit Banden kicken. Auf die Frage, ob hier denn nicht (wie im Rest der Welt) Futsal gespielt werde, ernteten sie nur fragende Blicke. Von Futsal hatte man damals hierzulande noch nicht so viel gehört.

Inzwischen ist diese Bildungslücke bei den Fußballern in Deutschland wenigstens teilweise geschlossen. Futsal, das Spiel mit dem schwereren Ball auf Handballtore auf einem Feld ohne Banden, hat es auch in die deutschen Hallen geschafft. Nach der behutsamen Einführung im Jugendbereich steht im kommenden Winter nun die kleine Revolution an: Auf Weisung des Deutschen Fußball-Bundes dürfen alle offiziellen Hallenturniere nur noch nach Futsal-Regeln stattfinden. 2016, so steht es im „Masterplan Amateurfußball“, soll Futsal „in Verbands- und Vereinsstrukturen die offizielle Variante des Hallenfußballs“ sein. „Die FIFA kennt als Hallenwettbewerb nur Spiele nach Futsal-Regeln. Folgerichtig kann auch der DFB keine anderen Formen mehr in der Halle spielen“, teilt der Verband mit.

Für die Fußballer im ganzen Land wird das weitreichende Folgen haben. Alle von Verbänden organisierten Meisterschaften werden zum Futsal verpflichtet, was naturgemäß nicht nur freudig aufgenommen wird. „Für die Jugend mag das gut sein, für uns aber nicht“, erklärte Torsten Voigt, der den FC Hude trainiert und bei der Oldie-Kreismeisterschaft am Wochenende als Spieler Dritter wurde. Dieses Turnier müsste zum Beispiel, ebenso wie die Kreismeisterschaft der Damen und der Herren , künftig nach Futsal-Regeln gespielt werden. Die unterscheiden sich durchaus vom Fußball: Grätschen ist verboten, bei vier Fouls folgt als Strafe ein Freistoß ohne Mauer, die Zeit wird bei jeder Unterbrechung gestoppt.

Die Traditionalisten schütteln bei dem Gedanken daran den Kopf. „Viele aus der älteren Generation wollen lieber das Altbekannte“, sagt Sascha Rustler, der die Hallenrunden der Jugend leitet. Dort wird von den A- bis zu den E-Junioren Futsal gespielt. „Das zahlt sich aus. Das technische Niveau ist höher. Der Ball springt nicht durch die Gegend wie ein Flummi“, sagt Rustler: „Das Spiel hat mehr Tempo bei weniger Verletzungsgefahr.“

Kreis hat vom DFBnoch nichts gehört

Neue Regeln verlangen natürlich auch fachkundige Schiedsrichter. Futsal-Spiele werden von zwei Unparteiischen gepfiffen; glücklicherweise verfügt der Kreis über die meisten Futsal-Schiedsrichter in ganz Niedersachsen . „Wir sind dafür gut aufgestellt“, sagt Rustler: „Von mir aus sollen alle Futsal spielen.“

Ob das allerdings tatsächlich schon im kommenden Winter passiert, ist noch nicht geklärt. DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg verweist zwar im „kicker“ darauf, dass die Umsetzung 2013 auf dem Bundestag beschlossen worden sei. An die regionalen Verbände ist aber offenbar noch niemand herangetreten. Man wisse von der generellen Absicht, habe aber bisher keine offizielle Weisung bekommen, heißt es von Seiten des Kreises. Bei der Halbzeittagung am 2. Februar will man sich in Kirchhatten beraten. „Mal sehen, was die Vereine wollen“, sagt Spielausschussvorsitzender Manfred Nolte: „Früher oder später wird der Wechsel zum Futsal passieren. Ich glaube aber nicht, dass es schon 2016 soweit ist.“

Dass eine Umstellung letztlich meistens halb so schlimm ist, haben übrigens die erwähnten Kubaner 2007 in Delmenhorst gezeigt – wenn auch in die andere Richtung. Auch mit dem leichteren Ball zog die Futsal-Auswahl 2007 in der Stadionhalle ins Finale ein und verlor dort erst nach Neunmeterschießen.