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„Wir dulden keinen Rassismus“ SV Atlas Delmenhorst wehrt sich gegen Vorwürfe

Von Daniel Niebuhr | 01.09.2017, 08:12 Uhr

Fußball-Oberligist SV Atlas Delmenhorst weist die nach einem Vortragsabend aufgekommene Kritik am Umgang mit den Fans zurück.

Dass es im Delmenhorster Stadion auch mal ungemütlich werden kann, hat Bastian Ernst selbst am eigenen Leib erfahren. Als Spieler lief er vor drei Jahren mit dem TuS Heidkrug beim SV Atlas auf und musste sich einige Frotzeleien von der Tribüne gefallen lassen – weil im Atlas-Block alte Schulkameraden saßen. „Da wurde ordentlich gestichelt“, erzählt er, „aber das muss ich abkönnen.“ Dass die Heidkruger damals überraschend mit 3:1 gewannen, dürfte die Verarbeitung noch etwas leichter gemacht haben.

Mittlerweile stehen Ernsts Fußballschuhe schon etwas länger im Schrank, der CDU-Ratsherr ist dafür als Marketingchef Teil des Atlas-Vorstands – und gab in dieser Woche auch den Anwalt für seinen Verein. Die Führung des Oberliga-Aufsteigers musste sich seit einem schwach besuchten, aber heiß diskutierten Vortragsabend zum Thema Rassismus in der Fanszene einiges gefallen lassen, besonders in den sozialen Netzwerken fiel die Kritik heftig aus. Der Hauptvorwurf: Unter den Atlas-Fans befänden sich Anhänger rechter Gesinnungen, die vom Club toleriert werden. „Dem Verein eilt dieser Ruf voraus“, wie Jan Krieger von der „Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus für Demokratie“ am Rande seines Vortrags erklärte.

„Wir suchen den Dialog“

Der Atlas-Vorstand nahm durch Ernst nun Stellung – und wies die Kritik deutlich zurück. „Wir dulden keinen Rassismus in unserem Stadion. Wir steuern dagegen und leisten Präventionsarbeit“, sagte der 30-Jährige vor dem Heimspiel am Samstag (16 Uhr) gegen den 1. FC Wunstorf. Die Heftigkeit der Diskussion habe einige verletzt, „die sich mit ganzem Herzen seit Jahren ehrenamtlich für den Verein und für eine friedliche Fanszene engagieren“.

Das Management um die Gründungsmitglieder Bastian Fuhrken und Tammo Renken steht in regelmäßigem Kontakt mit den Anhängern, speziell mit der hart kritisierten Gruppe Block H. „Wir suchen den Dialog und stehen auch selbst oft im Block. Wenn uns etwas auffällt, rufen wir sofort den Sicherheitsdienst“, sagt Ernst: „Was haben wir davon, Rassismus zu tolerieren? Damit würden wir uns, den Sponsoren und der Stadt nur schaden.“

Ständiger Austausch mit Behörden

Dazu tauscht sich Atlas mit den Behörden aus, wie es zuletzt in der vergangenen Saison nötig war. Im Vorfeld des Spiels bei Kickers Emden im November hatte Fuhrken in Gesprächen mit der Emder Polizei und auch öffentlich vor möglichen Krawallen durch von außerhalb angereiste Fans gewarnt – dennoch kam es auf dem Parkplatz nach der Partie zu Ausschreitungen. Auch durch ein von Atlas gefordertes massives Sicherheitsaufgebot blieb das Rückspiel dann friedlich.

Bei Heimpartien im Stadion an der Düsternortstraße ist das Molberger Unternehmen GWS für die Sicherheit zuständig. Die Mitarbeiter seien geschult, sagt Ernst – auch bei verbotenen Symbolen aus der rechten Szene. „Ein Vorwurf war ja, dass wir illegale Kleidungsstücke in unserem Fanblock tolerieren. Aber die Leute sind nicht dumm; wenn der Sicherheitsdienst in der Nähe ist, tragen sie die ja nicht offen.“ Auch der Vorwurf, man würde externe Gruppen, die in der Vergangenheit bereits auffällig geworden waren, nicht des Stadions verweisen, sei nicht nachvollziehbar. „Erst einmal können wir ja am Eingang keine Gesichtserkennung durchführen, wir kennen ja auch gar nicht jeden Problem-Fan in Deutschland. Wenn kein Stadionverbot vorliegt und sich die Person ruhig verhält, können und dürfen wir denjenigen ohnehin nicht einfach rausschmeißen.“

Allerdings räumte der Marketingvorstand auch ein: „Dass ein Teil unserer Fans diesen Ruf hat, ist ein Problem. Aber wir sind uns dessen bewusst und versuchen, das zu ändern.“