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WM- und EM-Medaillen Voltigierer Torben Jacobs pendelt sich in die Weltspitze

Von Katrin Brandes | 08.11.2015, 09:21 Uhr

Der gebürtige Ganderkeseer Torben Jacobs ist ein erfolgreicher Voltigierer. Der 23-Jährige lebt inzwischen in Düsseldorf, studiert dort Medizin. Gemeinsam mit Pia Engelbarty gewann er im vergangenen August bei der Europameisterschaft in Aachen Silber.

„Voltigieren ist eine Lebenseinstellung; es wird mich immer begleiten.“ Torben Jacobs lebt und liebt seinen Sport, bei dem akrobatische und turnerische Elemente auf einem an einer Longe galoppierenden Pferd gezeigt werden. Der 23-Jährige ist Vize-Weltmeister und -Europameister im Doppelvoltigieren.

Angefangen hat er im Reiterverein Ganderkesee. Zunächst spielte Jacbos Fußball im TSV, kam dann über Helga Eismann zum Voltigieren. Auch weil der damals Zehnjährige ein sehr guter Turner war. „Ich kam dann relativ fix in eine Turniergruppe, die einen Obermann suchte“, erzählt Jacobs. Die leider bereits verstorbene, renommierte Voltigierrichterin Reinhild Riewe übernahm das Wintertraining, durchgängig wurde zweimal wöchentlich trainiert.

Das zahlte sich aus: Die Gruppe stieg jährlich auf. 2006 übernahm Yvonne Meyer die Turniergruppe, deren Aktive neben dem Training auf dem Pferd Jean-Miro auch Lauf- und Krafttraining sowie Turnunterricht von Alexandra Körner bekamen.

Jacobs war auch im Einzel erfolgreich, startete bei Titelkämpfen bis zu Norddeutschen Meisterschaften. Als bestes Turnier ist ihm die Veranstaltung 2007 in Garrel in Erinnerung geblieben. „Die Kür lief super, rechnerisch haben wir sogar eine Wertnote über zehn in der Schwierigkeit bekommen“, sagt er.

Erste DM-Teilnahme im Jahr 2008

Mit der Stute Cara ging es im Jahr 2008 zur ersten Deutschen Junioren-Meisterschaft, dort gab es den achten Platz. Anschließend nahm Jacobs das Angebot an, nach Oldenburg zu wechseln. „Das ist mir nicht leicht gefallen“, erzählt er. Fortan pendelte er per Zug zum Training in die Halle der Reit- und Fahrschule. Teamerfolge auf den Pferden Leonard und Guldenburg und „nebenbei“ im Einzel für Bremen folgten – darunter eine deutsche Vizemeisterschaft.

Dann wurde auch die Bundestrainerin Ulla Ramge auf Jacobs aufmerksam, doch, um in den Bundeskader aufgenommen werden zu können, brauchte er zwei Pferde. Die konnte ihm Irina Lenkeit, der auch Guldenburg gehört, in Langenhagen bieten. So wechselte Jacobs zum VfV Langenhagen und startete in der Gruppe der PSG Rittergut Habighorst. Der Weg zum Training verlängerte sich also deutlich. Doch Jacobs nutzte die Zeit im Zug, um für das Abitur am Max-Planck-Gymnasium zu lernen: „Mir war aber klar, dass ich Voltigieren profimäßig weitermachen würde.“

Um diese Ziel zu erreichen, trainierte er natürlich auch am Wochenende. Gerne auch mit anderen Aktiven, die den Sport ebenfalls auf nationalem und internationalem Spitzenniveau ausüben. Viele Wochenenden blieb Jacobs bei den Brüdern Thomas, Viktor und Jannik Brüsewitz in Garbsen. „Es war eine super Zeit“, sagt Jacobs, der sich immer auf die Unterstützung seiner Mutter Gudrun verlassen kann. Nach dem Abitur bot sich Jacobs die Chance, mit Theresa Sophie Bresch in Tübingen Paar-Voltigieren zu probieren. „Ich glaube, ich pendle gern“, sagt er grinsend. Am Voltigiersport schätzt er die besondere Gemeinschaft.

Mit Schwansee-Kür zum ersten Doppelturnier-Sieg beim CHIO in Aachen

Erfolge blieben auch in der nächsten Disziplin, in der er antrat, nicht aus. Mit Bresch legte er eine grandiose Saison 2011 hin. „Das erste Doppelturnier beim CHIO in Aachen haben wir mit unserer Schwanensee-Kür gleich gewonnen, wurden im Anschluss in Le Mans Europameister. Das war unglaublich.“ Jacobs ist noch immer überwältigt, wenn er daran denkt: „Man freut sich riesig, checkt das aber erst ein paar Tage später.“

Urlaub macht Jacobs, wenn überhaupt, nur nach der Saison im Winter: „Dann brauche ich Sonne.“ 2011 fiel der Urlaub aus, denn er nahm in Düsseldorf ein Medizinstudium auf. „Ich habe mich mit den Kölnern Voltigierern schon immer gut verstanden“, erklärt er den nächsten Vereinswechsel nach Köln-Dünnwald. Wieder neues Pendeln, diesmal aber per Auto: „Liegt aber alles sehr günstig.“

Seit 2012 startet Jacobs mit Pia Engelbarty, zuerst auf dem Pferd Weltoni, liebevoll Johnny genannt. Bei der ersten Weltmeisterschaft in Le Mans erreichten sie Rang sechs. Bei der Europameisterschaft 2013 in Österreich gewannen sie Bronze, Silber folgte im Worldcup-Finale auf dem Pferd Danny Boy mit Trainer Patric Looser an der Longe. Jacobs und Engelbarty hatten sich in der Weltspitze etabliert und bestätigen das regelmäßig. 2014 im französischen Caen. Die Weltreiterspiele „waren schon Hammer“, sagt Jacobs. Das Gemeinschaftsgefühl im deutschen Team sei besonders unter die Haut gegangen. Weitere Gänsehautmomente gab es bei der Siegerehrung, bei der das Duo für seine Tarzan-und-Jane-Kür mit Silbermedaillen ausgezeichnet wurde.

Zwei starke Kür-Vorträge in der Aachener Soers

Der bisherige Höhepunkt seiner Karriere war für Jacobs jedoch die Europameisterschaft im vergangenen August in Aachen, also quasi von seinem Wohnort aus gleich um die Ecke. Zuvor hatten Engelbarty und er noch mehr Zeit in eine Vampir-Kür investiert, mehr gefeilt und choreografiert. „Ich hatte in beiden Küren das Gefühl, dass es läuft“, schwärmt er von den Wettkämpfen in dem großen Stadion in der Aachener Soers. Während der Siegerehrung bejubelte Torben Jacobs mit Pia Engelbarty die Silbermedaillen. (Weiterlesen: Torben Jacobs gewinnt Silbermedaille) 

Das Faszinierende am Voltigieren sei für ihn „das Gefühl, wenn es funktioniert auf dem Pferd, man ist im Pferd“, erklärt Jacobs. „Das beruhigt ungemein.“ (Weiterlesen: Torben Jacobs feiert Deutschen Meistertitel) 

In seinem Studium geht es mit der Famulatur (Praktikum) in einem Krankenhaus weiter. Außerdem engagiert sich Jacobs für das Voltigieren. Er gibt Lehrgänge, trainiert selbst und ist Aktivensprecher: „Alles zusammen ist schon stressig, aber ich liebe es.“ Noch nicht einmal zuhause in Ganderkesee bei Mutter Gudrun und Bruder Arne schaltet er ab, sondern leitet auch dort Lehrgänge.

Die Ausbildertätigkeit führt Jacobs schon einmal bis nach Südamerika: Anfang Januar freut sich das brasilianische Voltigierteam auf den 23-Jährigen – und der sich auf die Reitsportler und auf ein paar Tage Urlaub im Anschluss. Wichtig ist Jacobs, dass er zwischen alldem immer Zeit für Freunde und Familie findet: „Das Meiste ist nur Organisation, dann passt es schon.“