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Wo der Bürgermeister im Team steht Holger Lebedinzew und die Tischtennis-Verrückten des TV Hude III

Von Andreas Giehl und Frederik Böckmann | 13.10.2017, 08:56 Uhr

Wie um viele Sportmannschaften in der Region so rankt sich auch um die Tischtennisspieler des TV Hude III eine kleine Geschichte der besonderen Art. Die Bezirksliga-Truppe hat nämlich eine nicht alltägliche Personalie im hinteren Paarkreuz mit an Bord: Es handelt sich um Holger Lebedinzew, seines Zeichens der Bürgermeister des beschaulichen Klosterorts.

Als Bürgermeister der Gemeinde Hude hat Holger Lebedinzew für gewöhnlich auch in den Abendstunden viele Termine. Ausschüsse, Sitzungen, Versammlungen – der Feierabend fängt für den Verwaltungschef aus dem beschaulichen Klosterort manchmal etwas später aus. Einen privaten Termin versucht Lebedinzew, bei allen Verpflichtungen, nach Möglichkeit aber immer wahrzunehmen: Mittwochabend, 19.30 Uhr, Jahnhalle. Das Training der Tischtennis-Mannschaft des Bezirksligisten TV Hude III.

„Ich habe meine Sportsachen immer dabei. Wenn ich dann einmal später zum Training komme, ist das auch kein Problem“, sagt Lebedinzew und lacht. „In Hude sind doch alle positiv Tischtennis verrückt.“ Lebedinzew eingeschlossen.

Mitgliedschaft beim TV Hude ist für Lebedinzew„keine Show“

Denn es ist keine Seltenheit, dass der Huder Bürgermeister mittwochs – wenn alle Anderen längst gemütlich zusammen beim Bierchen im Aufenthaltsraum entspannen – und sein ‚Spezi‘ Frank Schumacher noch ein paar Einheiten länger an der Platte verweilen und sich die Bälle um die Ohren hauen. So lange, bis ihr Hunger an gespielten Sätzen eben gestillt ist. Das Ganze kann sich schon einmal über die Distanz von 15 Gewinnsätze in die Länge ziehen. Zum Teil auch bis Mitternacht.

Diese kleine Anekdote zeigt, dass Lebedinzew beim Turnverein mehr als nur angekommen ist. Als er Anfang 2014 kurz nach seiner Kandidatur für das Bürgermeister-Amt beim größten Huder Sportverein Mitglied wurde, „haben einige kritisiert, dass das von mir nur Show sei“, sagt Lebedinzew und schmunzelt. „Aber mittlerweile dürften auch die Kritiker gemerkt haben, dass ich es ernst meine.“ Weil der 58-Jährige nicht nur passives Mitglied ist (um Wählerstimmen zu bekommen), sondern aktiv am Punktspielbetrieb teilnimmt.

TV Hude III leistet im Kollektiv gute Arbeit

Die Akteure des TV Hude III stehen beim Landkreisclub verständlicherweise nicht ganz so im Fokus wie die absoluten Leistungs-Tischtennisspieler aus den Ober- oder Verbandsligavertretungen, die die Aushängeschilder bilden. Die Aktiven der Dritten gelten in der Abteilung eher als Anführer der Breitensportgruppe, leisten hierfür im Kollektiv aber sehr gute Arbeit. Zu der Mannschaft gehören außer Lebedinzew in diesem Jahr Cedric Meißner, Giuseppe Castiglione, Teja Manskopf, Frank Schumacher, Andreas Lehmkuhl und Tim Feistel. Eine Mannschaft, die es in der Bezirksliga Ost mit jedem Gegner aufnehmen kann, um den Titel mitspielen möchte – und in der sich Lebedinzew pudelwohl fühlt.

Warum, das erklärt das der 58-Jährige mit dem Teamgeist innerhalb der Truppe, mit ihm als Senior und dem 22-jährigen Cedric Meißner als jüngsten Spieler. „Wir haben einen ganz tollen Zusammenhalt, trotz der großen Altersunterschiede. Cedric könnte ja mein Sohn sein. Aber wir verstehen uns und harmonieren prächtig. Wir sind sechs Individualisten, wissen aber, dass wir nur als Mannschaft Erfolg haben können“, sprudelt es aus Lebedinzew, der im hinteren Paarkreuz agiert, heraus. Einen zusätzlichen Kick bei Heimspielen „gibt auch der leckere Käsekuchen von Guiseppes Frau Nina“, betont Lebedinzew schmunzelnd.

Wenn Oldie Lebedinzew jüngere Spieler ärgert

Der TV Hude III ist aufgrund vieler unterschiedlicher Spielertypen als wahrhaftig „unangenehm“ einzustufen ist. „In früheren Jahren war die dritte Herren eher ein Sprungbrett für die jungen Talente. Dieser Zustand hat sich im Verlauf der vergangenen Zeit etwas geändert“, sagt Andreas Lehmkuhl.

Mit Meißner und ‚Pepe‘ Castiglione verfügt Hude III im Verhältnis über ein recht starkes Spitzenpaarkreuz. „Auch von Platz drei bis sechs sind wir sehr ausgeglichen besetzt, was es unseren Gegnern generell schwer macht“, erklärt Lehmkuhl. „Wir haben auch Materialspieler in unseren Reihen, entweder mit langen oder kurzen Noppen auf der Außenseite. Gerade mit Holgers Spiel, die kurze Noppe auf der Vorhandseite, haben einige Gegner doch so ihre Probleme. Das liegt einfach nicht jedem. Auch wenn der derjenige vielleicht vom QTTR-Wert eigentlich der stärkere Spieler ist“, erklärt Lehmkuhl.

Der Bürgermeister und seine unorthodoxe Spielweise

So ist es gerade einmal wenige Woche her, dass sich der unorthodox spielende Bürgermeister bei der Bezirksvorrangliste in Nordhorn wieder einmal kräftig ins Fäustchen gelacht hat. Dort sorgte er für Aufsehen, indem er Nico Henschen vom deutlich höherklassigen Verbandsligisten SV Oldendorf, eigentlich einer der Turnierfavoriten, ein Bein stellte.

Dem „Vorwurf“ seines Kollegen Lehmkuhl, eher unorthodox zu spielen, begegnet Lebedinzew mit einem Lächeln. „Das sagt mit Andreas Lehmkuhl genau der Richtige... Aber es stimmt schon. Ich bin eher der Blockspieler, stehe nah an der Platte und bewege mich wenig.“ Aufgrund seines Trainingsfleißes sei „der Bürgermeister“ – wie er in Teamkreisen kurz und knackig genannt wird – aber immer ein unangenehmer Gegner auch für jüngere Kontrahenten, betont Lehmkuhl.

Lebedinzew kann beim Tischtennis gut abschalten

In seiner Freizeit sei der Politiker Lebedinzew „ganz entspannt und mit viel Ehrgeiz bei der Sache“, verrät sein Mannschaftskamerad Andreas Lehmkuhl. „Er ist privat ein umgänglicher Typ und passt deshalb sehr gut in unsere im Durchschnitt Ü40er-Truppe.“

Wenn er Sportler sei, könne er prima abschalten, erzählt Lebedinzew und verdeutlicht: „Beim TV Hude bin ich Sportler und nicht Politiker. Das ist mental ganz wichtig.“

Völlig los lässt den 58-Jährigen das politische Geschehen natürlich trotzdem nicht immer. Als während des ersten Punktspielsieges gegen den SV Molbergen (9:6) parallel die Ergebnisse der Bundestagswahl eintrudelten, fieberte der Huder Verwaltungschef in der Spielpause mit dem Smartphone in der Hand gespannt den ersten Hochrechnungen entgegen – was die Teamkollegen mit Humor nahmen. Dies unterscheidet Lebedinzew dann doch eben etwas vom Rest der Truppe, welcher sich lieber über die aktuellen Bundesliga-Ergebnisse des Lieblingsfußballvereins informieren wollte.

Alles in allem sieht sich die Truppe vom TV Hude III als harmonische Einheit, welche außerdem über sich selbst sagt: „Wir peilen den Aufstieg in die Bezirksoberliga jetzt nicht mit aller Gewalt an. Aber wenn wir das schaffen, dann freuen wir uns natürlich umso mehr.“ Punktspiel Nummer zwei steht für die Huder am Freitagabend (20.30 Uhr) bei BW Lohne an. Natürlich auch mit dem Bürgermeister hinter der Platte.