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Wolle setzt das Glanzlicht Sandra Auffarth blickt auf ihr Sportjahr 2015 zurück

Von Lars Pingel | 28.12.2015, 08:00 Uhr

Die Bergedorfer Vielseitigkeitsreiterin Sandra Auffarth, die für den RV Ganderkesee startet, gewann 2015 mit dem französischen Wallach bei der EM Gold (Team) und Silber (Einzel). Sie freute sich aber auch über Erfolge mit selbst ausgebildeteten Springpferden.

Das hellste Glanzlicht ihres Sportjahrs 2015 setzte Sandra Auffarth wieder einmal mit Wolle. Die Vielseitigkeitsreiterin vom RV Ganderkesee und ihr 13-jähriger französischer Wallach, der Opgun Louvo getauft worden war, gewannen am 13. September, bei der Europameisterschaft im schottischen Blair Castle, bei ihrem vierten Start in einem internationalen Championat zum vierten Mal die Goldmedaille mit der Mannschaft und sicherten sich zudem ihre vierte Einzelmedaille, eine Silberne. Rundum zufrieden kehrten die beiden in den Stall der Familie Auffarth in Bergedorf zurück. „Großartig“ sei das Gefühl gewesen, von der britischen Königin Elisabeth II. die Medaillen umgehängt zu bekommen.

Wolle bleibt bei der EM cool

Auffarth und Wolle lieferten bei der EM eine beeindruckende Leistung ab. Nach der Dressur lagen sie in Führung. Unter Dauerregen gingen sie am zweiten Tag auf die Geländestrecke – und mussten dort mit noch schwierigeren Bedingungen klarkommen. Wegen Reparaturarbeiten wurden sie am fünften Hindernis gestoppt und durften erst nach einigen Minuten weiterreiten. „Wolle ist cool geblieben“, erzählt sie, obwohl die beiden noch nie im Gelände angehalten worden waren. Ohne Hindernisfehler erreichten Auffarth und Wolle das Ziel. Dort bekamen sie 11,20 Fehlerpunkte, mit denen sie in der Gesamtwertung auf Rang zwei abrutschten, für das Überschreiten der erlaubten Zeit um 28 Sekunden. Mehr als das deutsche Team und die Reiterin glaubten. Egal, aus der Ruhe bringen ließ sich Auffarth davon nicht. Mit einem glänzenden Null-Fehler-Ritt im abschließenden Springen verteidigte sie am nächsten Tag ihren Silberrang und machte das deutsche Team vorzeitig zum Europameister. Den Einzel-Titel ließ sich ihr Teamkamerad Michael Jung (Horb) mit Takinou nicht mehr nehmen.

Auffarth lobte nach der EM zuerst ihr Ausnahmepferd. „Stolz“ sei sie auf dessen Leistung. Der Geländeritt in Blair Castle gehöre zu den besten Runden, die sie mit Wolle bestritten habe, sagt sie.

Doppel-Gold bei der WM 2014, Team-Gold und Einzel-Bronze bei den Olympischen Spielen 2012, Team-Gold und Einzel-Silber bei der EM 2011 – und 2015 wieder EM-Gold und -Silber: Seit vier Jahren sammeln Wolle und Auffarth bei den internationalen Meisterschaften Medaillen. In ihrem persönlichen Rückblick auf das Jahr 2015 schaut die 29-Jährige aber nicht nur nach Schottland oder nach Aachen, wo sie mit Wolle einen weiteren Mannschaftssieg feierte und im Einzel Rang drei belegte. Sie denkt dann, zum Beispiel, auch an den 26. Juli, einen Sonntag. Beim Oldenburger Landesturnier in Rastede trat sie mit dem selbst ausgebildeten Landlord, den ihre Eltern Bärbel und Karl-Heinz Auffarth gezüchtet haben, in einer Zwei-Phasen-Springprüfung der Klasse S** an. Es war das Finale des Championats der siebenjährigen Springpferde. Auffarth blieb mit Landlord fehlerlos; die beiden waren zudem schneller als alle Konkurrenten: Landlord war Oldenburger Springpferdechampion der Siebenjährigen.

Schöne Erfolge in Springprüfungen

„Landlord hat viel Mühe und Geduld gebraucht. Es macht einen doppelt stolz, wenn man sieht, dass sich so etwas auszahlt“, erklärt sie – und fügt grinsend hinzu: „Einfach kann ja jeder.“

Auffarth arbeitet gern mit den Pferden, die im Stall der Familie stehen. Dort ist sie vor allem für deren Ausbildung zuständig. „Dass es mit jedem Pferd spannend ist, das macht den Job aus“, sagt sie. Mit der ebenfalls selbst gezüchteten Nupafeed‘s La Vista gewann sie im August in Verden das Hannoveraner Springpferde-Championat der Sechsjährigen, siegte mit ihr im Springen der Klasse M** mit Stechen.

Das Jahr 2015 war auch die erste komplette Saison, die Auffarth mit Ispo absolvierte. Im Herbst 2014 hatte sie sich nach langem Überlegen entschieden, das Pferd des tödlich verunglückten Vielseitigkeitsreiters Benjamin Winter in ihren Stall zu nehmen. „Ich habe mir vor der Saison keine Ziele gesetzt“, sagt sie. Schritt für Schritt, von Turnier zu Turnier ging es vorwärts. So wurde es schließlich „eine tolle Saison“. Siege in den CIC***-Prüfungen in Baborowko und Strzegom (beides Polen), ein „toller 16. Platz“ im CCI***-Wettbewerb in Blenheim (Großbritannien) waren die Höhepunkte.

Berufung in den Olympiakader

Bereits Ende November hatte der Vielseitigkeitsausschuss des Deutschen Olymiade-Komitees für Reiterei eine Entscheidung bekannt gegeben, die auf das größte Sportereignis 2016 deutet. Auffarth, teilte die Deutsche Reiterliche Vereinigung damals mit, gehört zum achtköpfigen Olympiakader Vielseitigkeit, aus dem die vier Reiter ausgewählt werden, die bei den Spielen in Rio de Janeiro starten. „Ich muss jetzt schon Vorbereitungen absolvieren“, sagt die 29-Jährige. Das ist vor allem Papierkram. Intensiver beschäftigt sie sich mit diesem Wettbewerb derzeit aber nicht. „Ich kann jetzt noch nicht sagen, was dann sein wird. Es kann noch so viel passieren“, sagt sie. Sicher ist, dass sie mit Wolle, Ispo und vielen anderen Pferden aus dem Stall in Bergedorf auch 2016 – egal wo – ihr Bestes geben wird.