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Zu großer Aufwand Derakhshan hört am Saisonende beim TSV Ganderkesee auf

Von Frederik Böckmann | 29.04.2015, 20:33 Uhr

Paukenschlag beim TSV Ganderkesee: Hamid Derakhshan hört zum Saisonende aus privaten Gründen als Trainer beim Fußball-Bezirksligisten auf. Der berufliche und zeitliche Aufwand ist dem in Hamburg lebenden Trainer zu groß. Der TSV sieht den Abgang des erfolgreichen Coaches auch „als Chance für neue Impulse“.

Monatelang hatte er seine Entscheidung vor sich hergeschoben, hin- und herüberlegt. Vor zwei Monaten fasste Hamid Derakhshan dann endgültig diesen Entschluss: Den Abschied vom TSV Ganderkesee zum Saisonende. Grund ist die berufliche und private Situation des 32-Jährigen. Derakhshan zog im Winter mit seiner Frau nach Hamburg. Eine Rückkehr nach Ganderkesee oder die Umgebung ist für absehbare Zeit ausgeschlossen. „Die Belastung und der Zeitaufwand sind einfach zu groß“, erklärte Derakhshan, der mehrmals die Woche von der Hansestadt aus nach Ganderkesee zum Training und Spiel pendelt. „Ich habe mich mit der Entscheidung sehr, sehr schwer getan und sie immer vor mir hergeschoben“, sagte Derakhshan. „Aber es gab dazu keine Alternative.“

Rückzug steht seit zwei Monaten fest

Seit zwei Monaten wissen der Sportliche Leiter Daniel Lachmund und der Abteilungsvorstand um Andreas Volk von Derakhshans Entscheidung. So lange der Klassenerhalt für den Aufsteiger noch nicht in trockenen Tüchern war, wollten sie diese Entscheidung nicht öffentlich machen. Sie wollten einen Spannungsabfall in der Liga vermeiden. Seit dem 1:1 am vergangenen Freitag beim Drittletzten STV Voslapp und 13 Punkten Vorsprung auf die Abstiegsplätze sind sie sich beim Tabellenachten aber ziemlich sicher: Der Turn- und Sportverein wird den Klassenerhalt schaffen.

Derakhshan ein „fußballverrückter und talentierter Trainer“

Anfang der Woche teilte Derakhshan seinen Spielern seinen Entschluss mit und blickte in enttäuschte Gesichter. „Wir hatten gemeinsam eine richtig schöne Zeit“, meinte Derakhshan. „Wir verstehen Hamids Entscheidung und hätten gerne mit ihm weitergemacht“, erklärte Lachmund. Derakhshan sei ein „fußballverrückter und talentierter Trainer. Er lebt den Vereins- und Ausbildungsgedanken des TSV.“

Überragende Saison 2013/2014 mit Kreisliga-Titel gekrönt

Der frühere Heidkruger hatte im Januar 2013 den Trainerposten beim damaligen Kreisligisten von Marcus Metschulat übernommen. Nach Platz sechs im Sommer 2013 feierte Derakhshan mit dem TSV nach einer überragenden Serie 2013/2014 die Kreisliga-Meisterschaft und den Bezirksliga-Aufstieg.

Trainer geht mit einem „positiven Gefühl“

Derakhshan glaubt, dass er sich mit einem „positiven Gefühl“ vom Immerweg verabschieden und seinem Nachfolger „etwas Gutes“ hinterlassen werde. Der 32-Jährige würde auch gerne in Hamburg eine Mannschaft trainieren, macht sich aber keinen Druck. „Das kommt sicherlich von ganz alleine.“

Nachfolger-Suche läuft auf Hochtouren

Wer den Deutsch-Iraner in Ganderkesee beerbt, hat der TSV noch nicht geklärt. „Wir führen seit Wochen viele Gespräche, haben aber noch nicht den richtigen Trainer gefunden“, erklärte Lachmund am Mittwochabend. Der neue Trainer müsse nicht nur fachlich und pädagogisch etwas draufhaben, sondern auch genau in das Ganderkeseer Portfolio passen. „Unser neuer Trainer muss fähig sein, mit jungen Spielern zu arbeiten und diese an die Bezirksliga heranführen“, erklärt Lachmund das TSV-Profil.

TSV-Kader steht vor einem Umbruch

Gleichzeitig sieht Lachmund den Trainerwechsel auch „als Chance für neue Impulse“. Denn der TSV-Kader steht im Sommer vor einem Umbruch. Aus der A-Jugend rücken talentierte Spieler nach, gleichzeitig haben einige erfahrene Spieler ihren Abschied zumindest angekündigt.

Option Ronald Feist

In Panik wollen sie trotz der aktuellen Baustelle auf der Trainerposition beim TSV jedenfalls nicht verfallen. „Wir lassen uns die Zeit, die wir brauchen“, sagte Lachmund. „Der Trainer ist die wichtigste Person in unserem gesamt-sportlichen Konzept.“ Ohnehin habe der TSV mit Ronald Feist einen exzellenten Co-Trainer zur Verfügung. „Wir hätten auch kein Problem damit, mit Ronald als Cheftrainer in die Saison zu gehen“, verdeutlichte Lachmund. Der B-Lizenz-Inhaber wird wie Betreuer Jens Winkel und Andreas Volk auch 2015/2016 für die erste Mannschaft verantwortlich sein.