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Zulauf bei Deichhorster Klub Borussia Delmenhorst im Aufwind

08.01.2016, 10:27 Uhr

Borussia Delmenhorst hat erstaunlichen Zulauf und freut sich über namhafte Neuzugänge. In der Reserve kicken inzwischen ehemalige Bezirks- und Landesligaspieler.

An der Präsentation liegt es bei Borussia Delmenhorst schon einmal nicht. Der kleine Klub aus Deichhorst mag zwar sportlich, vorsichtig ausgedrückt, nur eine Nebenrolle im Fußball-Geschehen der Stadt spielen, in Sachen Vermarktung sind die Borussen für ein Schlusslicht der 2. Kreisklasse aber außergewöhnlich offensiv. Eine hübsche Homepage und eine aktuelle Facebookseite gehören inzwischen ja bei den Amateuren ohnehin zum Standard, dazu hängen an den Türen zum Vereinsheim die Autogrammkarten der Herrenmannschaften, daneben werden Fanartikel, Trikots mit den Spielernamen auf dem Rücken und Trainingsanzüge beworben, die den einprägsamen Klubslogan tragen: „Wir sind Borussia!“

Klassenerhalt durch die Hintertür?

Hinter besagten Türen haben sich am Montag die Verantwortlichen getroffen, um sich über die Rückrunde zu unterhalten, die für den Verein eine interessante Zeit werden dürfte. Denn momentan wollen so viele Fußballer Borussia sein wie seit langer Zeit nicht mehr, was auch Obmann Dennis Müller und seine Mitstreiter mit wohlwollendem Erstaunen feststellen. Drei personell gut bestückte Herrenteams kicken schon für die Borussen, dazu war in den vergangenen Wochen und Monaten eine bemerkenswerte Zuwanderung zu beobachten. Die zweite Mannschaft, als Tabellensiebter eigentlich relativ unauffällig in der 3. Kreisklasse unterwegs, hat für den Rest der Saison einen Kader zusammen, der manchen Kreisligisten neidisch macht. Die jüngsten Neuzugänge sind Ahmed Skeiki vom kriselnden Kreisliga-Vizemeister Rot-Weiß Hürriyet und Tom Piskalla vom Bezirksligisten SV Tur Abdin. Dennis Rülling und Salih Peci, beide schon die ganze Saison dabei, haben mit dem TV Jahn bereits höherklassig gespielt. Stürmer Andre Tüsselmann erzielte für den FC Huchting in den vergangenen beiden Jahren trotz vieler Ausfälle 21 Tore in der Landesliga Bremen. Da müsse man teilweise schon von Überqualifikation sprechen, sagt Borussia-Obmann Dennis Müller, der natürlich weiß, dass es nicht unbedingt die Perspektive 3. Kreisklasse war, die die Spieler nach Deichhorst gelockt hat. Coach Manfred Baier habe die meisten von ihnen in der Jugend trainiert: „Seine Connections sind jetzt unser Vorteil.“

Viel Anerkennung für Trainer Stefan Giese und Manfred Baier

Es ist schon kurios, dass Borussia I – allem Engagement von Trainer Stefan Giese zum Trotz – mit nur zwei Punkten aus elf Spielen dem Abstieg aus der 2. Kreisklasse entgegensteuert, während Borussia II eine Liga tiefer luxuriös besetzt ist. Müller erhofft sich davon allerdings einen Klassenerhalt durch die Hintertür für die Erste. „Wenn die Zweite aufsteigt, haben wir nach wie vor eine Mannschaft in der 2. Kreisklasse.“ Mindestens eine, fügt er noch an, denn auch Giese und seine Mannschaft haben im Abstiegskampf noch nicht kapituliert. Der nimmermüde Coach hat sich ohnehin bereits den Respekt des Vorstands verdient. „Er ist nicht nur Trainer, er organisiert und kümmert sich um Sponsoren“, erzählt Müller. „Wir unterstützen ihn voll und ganz, auch wenn es in der Liga gerade nicht so gut läuft.“

Aktuell sind die Borussia-Teams bei Hallenturnieren unterwegs, zuletzt ohne großen Erfolg bei der eigenen Veranstaltung in der Stadtbadhalle. Wann draußen wieder geregelt trainiert wird, ist angesichts der Wetterlage schwer vorherzusagen, der einzige Rasenplatz des Vereins ist seit Monaten gesperrt. „Ich hoffe, dass es bald besser wird. Die Spieler murren natürlich“, erzählt Müller. „Aber ich kann nicht zulassen, dass wir jetzt zwar viele Fußballer haben, aber keinen vernünftigen Rasen mehr.“