Ein Angebot der NOZ

Zwei starke Kandidaten Wer steht beim SV Baris Delmenhorst im Tor?

Von Daniel Niebuhr | 03.08.2017, 12:25 Uhr

Dem Keeper des SV Baris Delmenhorst kommt in der Fußball-Bezirksliga eine Schlüsselrolle zu. Trainer Caki hat drei ausgezeichnete Keeper im Kader.

Wer einmal das Tor des Hamburger SV gehütet hat, den kann offenbar nichts mehr erschüttern. Orhan Karakaya hatte am Sonntag einen ziemlich gebrauchten Nachmittag erwischt, der Keeper des SV Baris kassierte im Bezirkspokalspiel beim VfL Wildeshausen sieben Gegentreffer, ohne viel dafür zu können – und hatte trotzdem noch genug gute Laune übrig, um während des Spiels mit der Presse zu scherzen. „Ihr habt euch ja die richtige Seite ausgesucht“, rief er den Fotografen zu, die sich komplett hinter seinem Tor versammelt hatten. Dort gab es an diesem Tag ja deutlich mehr Szenen abzulichten.

Karakaya oder Ibrahim?

Beim 0:7 im ersten Pflichtspiel war Karakaya der mit Abstand beste Delmenhorster, was allerdings auch kein großes Kunststück war. Es war ein Vorgeschmack auf das, was Sensations-Aufsteiger Baris in der Bezirksliga erwartet; man muss kein Pessimist sein, um zu prophezeien, dass die Delmenhorster Torhüter mehr Arbeit erwarten wird als zuletzt in der Kreisliga. „Das Spiel war in einer Hinsicht gut: Wir haben gesehen, dass wir uns deutlich verbessern müssen“, sagt Karakaya.

Ob er allerdings im ersten Bezirksliga-Spiel der Vereinshistorie am 13. August bei GVO Oldenburg im Tor stehen wird, ist noch nicht sicher – denn ausgerechnet auf der Schlüsselposition ist Baris luxuriös ausgestattet. Der ehemalige Stadtauswahl-Torwart Mikel Kirst wird verletzungsbedingt zwar in der Hinrunde fehlen, mit Karakaya und Neuzugang Marc Ibrahim hat Trainer Önder Caki aber zwei glänzende Alternativen in der Hinterhand – mit zwei interessanten Lebensläufen.

Ibrahim spielte einst gegen Werder

Ibrahim hat deutlich mehr Erfahrung, er pausierte zuletzt zwar, stand davor aber in Diensten des SV Tur Abdin und des SV Atlas. Mit Atlas stieg er 2013 in die Kreisliga und 2014 in die Bezirksliga auf und spielte vor 4000 Zuschauern eine Halbzeit gegen Werder Bremen – fing sich da beim 0:20 aber gleich 15 Gegentore von Clemens Fritz und Co. ein.

Karakaya geht dagegen erst in sein zweites Herrenjahr, hat sich in seinem ersten allerdings schon fast einen Heldenstatus im Club erarbeitet. Eigentlich war er als Nummer zwei vorgesehen, weil Kirst sich gleich im zweiten Pokalspiel schwer verletzte, war plötzlich Karakaya der Stammkeeper – und machte es größtenteils gut. 1,6 Gegentore pro Spiel war der drittbeste Ligaschnitt unter den Stammkeepern, vier Zu-Null-Spiele festigten den starken Eindruck. „Orhan ist ein Kämpfer, das gefällt mir“, sagt Trainer Önder Caki. Am Ende wurde Baris bekanntlich ebenso überraschend wie souverän Meister; Karakaya darf sich also in die Vita schreiben, beim größten Erfolg der Vereinsgeschichte im Tor gestanden zu haben.

Karakaya war HSV-Torwart – für 70 Minuten

Seine Laufbahn enthält aber noch weitere Glanzstücke. 2014 gewann er mit der B-Jugend des TuS Hasbergen den Bezirkspokal, vier Jahre zuvor war er sogar für 70 Minuten mal Schlussmann des Hamburger SV: In einem Freundschaftsspiel des Hasberger Jahrgangs 1997 gegen das 98er-Team des HSV hatte der Bundesliga-Nachwuchs verletzungsbedingt keinen Torwart dabei, Karakaya sprang ein – und verlor 0:5. Einer der Torschützen war damals Devin Isik, mit dem er nun bei Baris wieder zusammenspielt.

2:2 im letzten Test gegen Buntentor

Caki will sich auf keine Nummer eins festlegen und kündigt sogar an „von Woche zu Woche“ zu entscheiden. Beim 2:2 im letzten Testspiel gegen den Bremer Kreisligisten ATS Buntentor am Dienstagabend durfte sich Ibrahim zeigen, er kassierte nach einer 2:0-Führung durch Treffer von Tolga Caki und Isik innerhalb von 120 Sekunden noch zwei Gegentore von Buntentors Jannik Niklas Manasse (71./73.), womit Baris nur eines der fünf Testspiele gegen ausschließlich unterklassige Gegner gewonnen hat. Einschließlich des Pokalspiels in Wildeshausen gab es dabei 23 Gegentreffer, in der Liga werden Karakaya oder Ibrahim wohl einen nicht weniger stressigen Job haben.

Auf der Torwart-Position ist es für Caki Luxus, sich noch nicht entschieden zu haben – in anderen Mannschaftsteilen dagegen Ausdruck der unrunden Vorbereitung. „Bis auf ein oder zwei Spieler sind sämtliche Stammplätze noch völlig offen“, sagt der Coach und bekennt: „Unsere Vorbereitung war nicht das Gelbe vom Ei, das muss man sagen.“ Zumindest Karakaya versucht es mit Optimismus: „Es war auch nicht alles schlecht. Man hat auch gegen Wildeshausen ganz gute Ansätze gesehen.“ Ein ehemaliger HSV-Keeper lässt sich die Zuversicht eben nicht so leicht nehmen.