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Zwischen Oberliga und Kreisklasse Wenn Handballer den Rasen unsicher machen

Von Daniel Niebuhr | 17.08.2016, 20:55 Uhr

Etliche Handballer sind auch beim Fußball erfolgreich. Die meisten Doppelsportler aus Delmenhorst und umzu haben klare Prioritäten. König Fußball spielt bei Andre Haake und Co. nur die zweite Geige.

Es ist schwer zu sagen, ob Andre Haake selbst glaubte, was er da verkündete. Nach Jahren vollgestopfter Wochenenden wollte der sportliche Marathon-Mann etwas kürzer treten: Spielertrainer beim Handball-Oberligisten HSG Delmenhorst, das ist schon stressig genug, fürs Kicken beim Delmenhorster TB blieb keine Zeit mehr. Sein Bruder Dirk habe ihn zwar breitgeschlagen, den Fußballerpass beim SV Achternmeer abzugeben – „aber“, erklärte Haake, „das ist erstmal nur zur Sicherheit. Ich glaube nicht, dass ich so viel spielen werde.“

Wer den 31-Jährigen kennt, wird nicht überrascht sein, dass sein Name am Sonntag doch wieder auf dem Spielbericht auftauchte, und auch nicht, dass Haake eingewechselt wurde – und erst recht nicht, dass er beim 1:6 im Kreisligaspiel gegen den TSV Großenkneten das einzige Tor für sein Team schoss. Bewegungsdrang lässt sich nun einmal nicht aufhalten.

Pintscher hält Kleinenkneten die Treue

Haake ist der wohl prominenteste Handballer der Spezies „Doppelsportler“ in Delmenhorst und umzu, aber er ist natürlich nicht der einzige. Diverse hochklassige Spieler toben sich in der raren Freizeit auf dem Rasen aus, meistens sind sie auch dort Leistungsträger. Allein drei davon kommen kurioserweise vom Handball-Landesligisten HSG Grüppenbühren/Bookholzberg: Kevin Pintscher, Stefan Buß und Marcel Donner.

Bei Pintscher ist dieser Spagat besonders bemerkenswert: Vermutlich wäre ihm niemand böse, hätte er sich längst auf seine Handballer-Karriere in Bookholzberg konzentriert. Doch seit Jahren hält er auch den krisengeschüttelten Fußballern von Grün-Weiß Kleinenkneten die Treue. Dass ein einziges Tor in der vergangenen Saison reichte, um drittbester Schütze des Clubs zu sein, lässt erahnen, wie begrenzt der Spielspaß gewesen sein muss. Kleinenkneten stieg mit 188 Gegentoren als Letzter ab und ließ sich vorsichtshalber gleich in die 3. statt die 2. Kreisklasse zurückstufen. Doch Pintscher ist weiter dabei.

Fußball-Trainer braucht Donner auf dem Platz

Bei den meisten sind die Prioritäten klar: König Fußball spielt nur die zweite Geige. In der fünften Mannschaft des TSV Ganderkesee kickt Pintschers Teamkollege Marcel Donner, ein großes Talent im Handball-Kreis. Seine fußballerische Begabung ist zwar auch überdurchschnittlich, im Zweifel geht er aber doch lieber in die Halle, zum Leidwesen seines Fußball-Trainers Gregor Neumann: „Marcel ist einer meiner besten Spieler, von mir aus könnte er nur noch Fußball spielen.“ Die Sportarten sind sich näher, als man denkt, glaubt er: „Wir spielen im Training oft Handball und die Handballer bei sich Fußball.“ Routinier Buß, der in Grüppenbühren Landesliga spielt, die A-Jugend trainiert und noch im Fußball-Kader des TV Falkenburg steht, weiß das ebenfalls zu schätzen.

Manche entscheiden sich allerdings auch komplett für den Fußball. Statt in der Handball-Oberliga spielen die Brüder Jan und Ole Lehmkuhl nur noch in der Fußball-Landesliga für den VfL Wildeshausen. Ab einem gewissen Niveau, glaubt Haake, muss man sich für eine Sportart entscheiden: „Der Aufwand wird irgendwann zu groß, als dass man allen gerecht werden kann.“ Was ihn selbst nicht davon abhält, es weiter zu versuchen.