Am letzten September-Wochenende kassierte Fußball-Oberligist SV Atlas Delmenhorst die erste Punktspiel-Niederlage der Saison und verlor die Tabellenspitze. Der 3:1-Sieger am 27. September hieß TSV Rehden. Der nächste Heimspielgegner heißt am morgigen Samstag TSV Wetschen – und Achtung: der Aufsteiger kommt aus der Samtgemeinde Rehden.
Das kann ein schlechtes Omen sein, muss es aber nicht. Mehr Gedanken müssen sich Trainer Key Ribau und seine Schützlinge über ihre nicht gerade grandiose Heimbilanz machen, was bei dem Support, den sie regelmäßig erleben dürfen, erstaunlich ist. Doch schon seit Monaten tut sich Atlas zuhause äußerst schwer, was im Schlussspurt der vorigen Saison schmerzhafte Folgen hatte. Da trug die Heimschwäche auf der Zielgeraden maßgeblich dazu bei, dass die Blau-Gelben den Aufstieg in der Regionalliga verpassten. Schon drei Punkte aus den letzten drei Spielen auf eigenem Platz gesamt hätten für die Relegation gerecht, vier sogar für die Meisterschaft. Atlas holte nur zwei und wurde Dritter.
Von den vergangenen sieben Heim-Partien haben die Delmenhorster saisonübergreifend nur eine gewonnen. Der einzige Heimsieg seit März war das 4:2 über den Heeslinger SC am dritten Spieltag der aktuellen Saison. Warum ist das so? Eine mögliche Antwort: Es ist zu vermuten, dass die Atmosphäre im Düsternorter Stadion auch die Gegner pusht. Dagegen hat Atlas die vergangenen acht Partien auf fremdem Platz gewonnen.
Atlas nach 2:0 in Verden wieder Spitzenreiter
Zu dieser Bilanz passt auch das Ergebnis vom vorigen Samstag. Nach der 1:3Niederlage gegen den BSV Rehden meldet sich der SV Atlas mit einem 2:0-Sieg in Verden erfolgreich zurück. Timon Widiker (12.) und Nico Poplawski (81.) erzielten die Treffer für die Delmenhorster. Verden baute vor allem Mitte der 2. Halbzeit viel Druck auf, aber der überzeugende Keeper Damian Schobert verhinderte mehrfach den Ausgleich zum 1:1.
Am Ende hätte das Ergebnis noch höher ausfallen können, denn der Gast ließ in den Schlussminuten einige gute Möglichkeiten liegen. Seit 370 Minuten sind die Delmenhorster nunmehr auswärts ohne Gegentor.
Dank der überraschenden 0:2-Niederlage des VfV Hildesheim gegen den SC Heeslingen und der völlig unerwarteten Pleite 3:5-Pleite von Germania Egestor-Langreder gegen Lupo Martini Wolfsburg, das damit den ersten Saisonsieg feierte, eroberte der SVA wieder die Tabellenspitze.
Nun kommt mit dem TSV Wetschen eine große„Unbekannte“, Atlas hat gegen den TSV noch nie gespielt. Auch Wetschen betritt Neuland: Der Dorfverein aus dem Landkreis Diepholz ist erstmals in die Oberliga Niedersachsen aufgestiegen – mit Teamgeist, jungen Talenten und viel Leidenschaft.
„Wetschen ist so ein Mini-Ort, dass ihn viele Jahre keiner wahrgenommen hat“, sagt Artur Zimmermann. Der MTV-Trainer hat mit dazu beigetragen, dass Wetschen zumindest in Norddeutschland künftig häufiger erwähnt werden wird. „Es ist erstaunlich, was hier sportlich gewachsen ist“, wundert sich Zimmermann und spricht von einer „Sensation“.
Die letzten vier, fünf Jahre habe sich der TSV Wetschen enorm weiterentwickelt. Nachdem man vor einem Jahr nur aufgrund einer etwas schlechteren Tordifferenz den Aufstieg verpasst hatte, wurde er in der vorigen Saison nachgeholt. Die Tordifferenz von 98:31 und ein Vorsprung von elf Punkten auf den Zweiten der Landesliga Hannover belegen die Dominanz des MTV.
Aber was steckt hinter der Erfolgsgeschichte des TSV? Wetschen ist Teil der Samtgemeinde Rehden. Ortsrivale BSV Rehden ist schon seit Jahren fester Bestandteil der Oberliga, spielte schon in der Regionalliga. In der Jugend bildeten Rehden, Wetschen und Diepholz einen Jugendförderverein.
Auch bei der Zusammenstellung des neuen Kaders hat man beim TSV bevorzugt auf junge Spieler gesetzt. Mit Hannes Fiedler aus der U19 von BW Lohne sowie Justus Treseler aus der U19 des SV Rödinghausen kommen zwei Spieler aus der A-Jugend zweier Regionalligisten.
Am vorigen Samstag im Aufsteigerduell gegen den Lüneburger SK unterlag der MTV mit 0:2 und rutschte in der Oberliga auf einen Abstiegsplatz.
Vorher, am 5. Oktober, stand der kommende Atlas-Gegner vor einer großen Überraschung. Mehr als 90 Minuten hatten die Fußballer des TSV das Oberliga-Spitzenteam Germania Egestorf-Langreder auf dessen Platz am Rand einer Niederlage und das Halbfinale im Niedersachsenpokal vor Augen, doch es sollte nicht sein. Als siebter Wetscher im Elfmeterschießen scheiterte Lukas Heyer an Egestorfs Keeper Jean-Luca Hacke. „Aber die Art und Weise, wie die Jungs hier gespielt haben, war schon bombastisch“, tröstete TSV-Trainer Artur Zimmermann Kollektiv nach dem sein 8:9 (2:2/1:0) und dem Viertelfinal-Aus beim Spitzenreiter.
Die nächsten Spiele
Sa., 25.10., 14 Uhr: SV Meppen II – Atlas.
Sa., 1.11., 14 Uhr: Atlas – Egestorf-Langreder.
So., 9.11., 14 Uhr: SV Holthausen-Biene – Atlas.
Sa., 15.11., 14 Uhr: Atlas – SV Wilhelmshaven.
Sa., 22.11., 14 Uhr: Atlas – VfV Hildesheim.
Fr., 28.11., 19.30 Uhr: Heeslinger SC – SV Atlas.
Sa., 6.12., 14 Uhr: Atlas – Braunschweig U23.
Sa., 21. 2., 15 Uhr: MTV Wolfenbüttel – Atlas.
Sa., 28. 2., 15 Uhr: Atlas – Lupo Martini Wolfsburg.
So., 8. 3., 15 Uhr: SC Spelle-Venhaus – Atlas.
Dieter Freese